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UNO: Ermittler entlasten Annan von Korruptionsverdacht

Unabhängige Ermittler haben UN-Generalsekretär Kofi Annan vom Verdacht einer Verstrickung in Korruption entlastet. Annans Sohn Kojo soll seine Beziehungen zu der Firma Cotecna vor dem Vater verheimlicht haben.

Es gebe "keine Beweise" dafür, dass Annan auf irgendeine Art Einfluss auf die Vergabe eines UN-Auftrages an eine Schweizer Firma genommen habe, erklärte der Leiter der Ermittlergruppe, Paul Volcker, am Dienstag in New York. UN-Vertreter bekräftigten, Annan werde ungeachtet von Rücktrittsforderungen neokonservativer US-Kreise im Amt bleiben.

Der frühere US-Notenbankchef Volcker kritisierte allerdings Annan habe sich keineswegs ausreichend bemüht, die Geschäftsbeziehungens eines Sohnes Kojo zu der Firma Cotecna aufzuklären. Annan habe die Möglichkeit eines Interessenkonflikts durch die Tätigkeit seines Sohnes Kojo für das Unternehmen nicht ausreichend klar erkannt.

Annans Sohn erhielt Zahlungen von Cotecna

Das Unternehmen Cotecna war 1998 mit der Kontrolle von Importen durch den Irak im Rahmen des UN-Hilfsprogramms zur Versorgung der unter UN-Sanktionen leidenden Bevölkerung beauftragt worden. Kojo Annan war damals zwar bereits aus der Firma ausgeschieden, erhielt aber weiter monatliche Zahlungen. Dadurch war später der Verdacht entstanden, er habe über seinen Vater Einfluss auf die Erteilung des lukrativen UN-Auftrags an Cotecna genommen.

Volcker betonte, dass die von den Ermittlern zusammen getragenen Fakten diesen Verdacht nicht bestätigen würden. Jedoch habe sich gezeigt, das Kojo Annan seien Vater nicht über das ganze Ausmaß seiner Beziehungen mit Cotecna informiert habe. Annans Sohn und die Schweizer Firma hätten sich bemüht, ihre Beziehungen zu verschleiern.

Annan wollte sich am späten Abend vor der Presse äußern und dabei nach Angaben aus UN-Kreisen seine Absicht bekräftigen, die geplante Reform der Weltorganisation zu leiten. Eine Woche vor der Übergabe des Berichts der Volcker-Kommission hatte Annan den UN Vorschläge zur umfangreichsten Erneuerung und Modernisierung der Weltorganisation in deren 60-jähriger Geschichte vorgelegt. Dazu gehört eine "gläserne" Rechnungsführung und Kontrolle aller UN-Operationen.

Summe von 365 000 Dollar

Nach bereits in den vergangenen Tagen bekannt gewordenen Erkenntnissen der Ermittler hat Kojo Annan von der Firma Cotecna zwischen 1995 und Anfang 2004 rund 365.000 Dollar (284.000 Euro) - und damit erheblich mehr als bislang angenommen - erhalten. Die Fortsetzung monatlicher Zahlungen an Kojo Annan nach der Beendigung seiner Mitarbeit wurde später von dem Schweizer Unternehmen mit einem branchenüblichen Verfahren begründet. Danach sei Annans Sohn dafür bezahlt worden, dass er Cotecna nicht mit seinem eigenen Unternehmen auf westafrikanischen Märkten Konkurrenz machte.

Kofi Annan sowie dessen Sohn Kojo und Cotecna hatten bereits vor der Übergabe des Volcker-Berichtes erklärt, dass kein Zusammenhang zwischen der Beschäftigung des Sohnes und der Vergabe des UN- Auftrages an Cotecna bestanden habe. Ungeachtet dessen sehen die Ermittler noch "eine Reihe von offenen Fragen", wie Volcker erklärte. Die Untersuchung werde daher fortgesetzt. Ein Abschlussbericht könne im Juni erwartet werden.

Kein Rücktritt

Bereits vor der Übergabe des Volcker-Berichtes erklärte Annans Sprecher Fred Eckhard, der UN-Generalsekretär werde wie geplant bis zum Abschluss seiner zweiten Amtszeit Ende 2006 die Weltorganisation führen. Zudem träfen Medienberichte nicht zu, wonach Annan wegen der Ermittlungen sowie wiederholter Forderungen neokonservativer US- Kreise nach seinem Rücktritt unter Depressionen leide.

DPA