US-Wirtschaft Rezessionsangst bedroht Konjunktur


Ob Rezession oder nur kurzfristige Schwäche: Den USA stehen schwierige Zeiten bevor. Die wirtschaftliche Entwicklung wird sich wegen der Kreditkrise und steigender Ölpreise deutlich abschwächen. Die mächtige Institution Fed kann nur das Äußerste verhindern.

In den USA hat das R-Wort wieder Konjunktur. Und Zutaten für eine Rezession der größten Volkswirtschaft der Welt gibt es reichlich: Wenn der doppelte Druck von Immobilien- und Kreditkrise letzten Endes mit voller Wucht die Verbraucher treffen sollte, werden die Geldbörsen kaum noch so offen sein wie bislang. Unternehmen verkneifen sich dann Investitionen und Neueinstellungen - eine verhängnisvolle Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf.

2008 wird ein schwaches Jahr

Als I-Tüpfelchen kommt der hohe Ölpreis hinzu. Vorerst aber schlägt sich die US-Wirtschaft noch recht wacker und schrumpft nicht. Solide Zahlen zum Jobwachstum und auch zum Weihnachtsgeschäft könnten darauf hindeuten, dass alles vielleicht doch nicht so schlimm kommt. Einig sind sich die Auguren nur in einem: 2008 wird ein schwaches Jahr.

"Alles in allem sieht es schon übel aus. Aber die aktuellen Daten spiegeln das nicht so wider", sagt Stefan Schneider, Leiter internationale Konjunktur bei der Deutsche Bank Research. Zwar ist das Konsumentenvertrauen deutlich eingetrübt, aber die Einzelhandelsumsätze sind solide. Und das, obwohl die Amerikaner ihre Häuser wie zu Zeiten stetig steigender Immobilienpreise nicht mehr wie gigantische Geldautomaten benutzen können.

Chancen auf eine Rezession: 50 Prozent

"Man fragt sich, wo das Geld herkommt", sagt Schneider. "Dieses Tier namens US-Konjunktur überrascht." Die Chance auf eine Rezession taxiert er auf 50 Prozent. Für 2008 rechnen die Experten der Deutschen Bank indes mit einem Wachstum um die 1,8 Prozent, nach 2,3 Prozent in diesem Jahr. "Bei all dem Gegenwind für die US-Wirtschaft wird es über kurz oder lang zu einer deutlichen Verlangsamung kommen", sagt Schneider.

Deutlich düsterer fällt die Prognose von Harvard- Wirtschaftsprofessor Kenneth Rogoff aus. "Wir werden eine deutliche Abschwächung sehen, mit einem Wachstum um ein Prozent." Ob Rezession - laut geläufiger, aber nicht unumstrittener Definition zwei aufeinanderfolgende Quartale mit sinkendem Bruttoinlandsprodukt - oder nicht, darauf will er sich nicht festlegen. "Es wird sich wie eine Rezession anfühlen, wenn der Zusammenbruch des Häusermarkts, die Verlangsamung der Produktivität und die Kreditklemme zusammenwirken und das Wachstum heftig dämpfen." Licht am Horizont sieht er nicht. "Ich glaube, uns stehen ein paar Jahre verhaltenen Wachstums bevor. Zwei negative Quartale sind bei Weitem nicht so beunruhigend wie ein schwacher Langzeit-Trend."

Inflationsdaten engen Spielraum für Notenbank ein

Doch es gibt Gegenkräfte, die möglicherweise das Äußerste verhindern. Seit dem Sommer senkte die US-Notenbank aus Sorge um die Konjunktur ihren Leitzins bereits in drei Schritten um insgesamt einen Prozentpunkt. Fachleute rechnen 2008 mit weiteren Rücknahmen. "Wenn die Konjunkturprognosen stimmen, könnten noch einmal 50 bis 75 Basispunkte fällig sein", sagt Deutsche-Bank-Experte Schneider. Doch das werde sehr davon abhängen, wie sich die Lage am Markt für zweitklassige US-Hypothekenkredite (subprime) entwickelt.

Immerhin für zwei Millionen Amerikaner, die sich mit niedrigen Startzinsen locken ließen, stehen im nächsten Jahr deutliche Erhöhungen an. Die US-Regierung hat den in Bedrängnis geratenen Kreditnehmern Hilfe versprochen. Gegen eine allzu drastische Senkung des Leitzinses sprechen jedoch jüngste Inflationsdaten, die den Spielraum der Notenbank einengen.

Dann sind da noch die US-Exporte, die im Sommer 2007 zweistellig zulegten. Dank des schwachen Dollars dürften sie auch im nächsten Jahr angesichts schwachbrüstiger Binnenkonjunktur der US-Wirtschaft auf die Sprünge helfen - solange im Rest der Welt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen "Made in USA" solide bleibt. "Alles in allem kann die US-Wirtschaft, mit ein bisschen Glück, 2008 ohne Rezession überstehen", befindet das Magazin "Economist". Doch werde das Beben der Häuserkrise noch bis 2009 zu spüren sein.

Von Frank Brandmaier/DPA DPA

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