US-Wirtschaftskrise Goldman Sachs belastet die Börsen


Und schon wieder eine Hiobsbotschaft für die Wall Street: Der Gewinn der Investmentbank Goldman Sachs ist im dritten Quartal um 71 Prozent auf 845 Millionen Dollar gesunken. Auch der Dax geriet dadurch weiter unter Druck. Die Krise beim Versicherer AIG verschärft sich derweil.

Die größte US-Investmentbank Goldman Sachs verkraftet die Kreditkrise trotz eines drastischen Gewinneinbruchs weiterhin besser als die Wettbewerber. Der Überschuss fiel in dem Ende August abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal um rund 70 Prozent auf 845 Millionen Dollar (594 Mio Euro) - einer der stärksten Rückgänge in der Geschichte von Goldman Sachs. "Das war ein herausforderndes Quartal", sagte Konzernchef Lloyd Blankfein am Dienstag in New York.

Goldman Sachs kam damit erneut mit einem blauen Auge davon und bleibt die einzige unabhängige US-Investmentbank ohne Quartalsverlust in der seit über einem Jahr andauernden Finanzkrise. Nach zuletzt tiefroten Zahlen musste der Wettbewerber Lehman Brothers am Montag Insolvenz anmelden. Die ebenfalls verlustreiche Merrill Lynch wird von der Bank of America übernommen.

Hoffnungen auf ein Abschneiden von Goldman Sachs weit über den Erwartungen erfüllten sich dieses Mal allerdings nicht. Analysten hatten im Schnitt mit etwas mehr Gewinn gerechnet. Entsprechend enttäuscht waren die Börsianer - die Aktie geriet vorbörslich deutlich unter Druck.

Ein Jahr zuvor hatte die Investmentbank noch einen Gewinn von 2,9 Milliarden Dollar erzielt. Je Aktie sank der Goldman-Gewinn von 6,13 Dollar auf 1,81 Dollar. Die Nettoerträge fielen um mehr als die Hälfte auf 6,0 Milliarden Dollar. Die Kunden hätten sich zurückgehalten und die Vermögenswerte seien geschrumpft, sagte Blankfein.

Von den einst fünf großen unabhängigen US-Investmentbanken sind wegen der Kreditkrise mittlerweile nur noch zwei übriggeblieben. Morgan Stanley legt an diesem Mittwoch mit Spannung erwartete Quartalszahlen vor. Analysten rechnen auch hier mit einem Gewinneinbruch. Die fünftgrößte Investmentbank Bear Stearns musste bereits vor Monaten ihrem Notverkauf an J.P. Morgan Chase zustimmen.

US-Börsen eröffnen schwach

Die US-Börsen haben nach der dramatischen Verschärfung der Finanzkrise am Dienstag erneut schwächer eröffnet. Der befürchtete massive Kursrutsch blieb jedoch zunächst aus. Unter Druck gerieten erneut Finanzwerte, da viele Anleger weitere Bank-Zusammenbrüche in den USA befürchteten. Gefährdet ist vor allem AIG, nachdem alle drei großen Ratingagenturen ihre Einstufungen für die Verbindlichkeiten des bis vor kurzem noch weltgrößten Versicherers senkten. Auf die Stimmung drückte auch eine Warnung des PC-Herstellers Dell vor einer weiter sinkenden weltweiten Nachfrage nach Technologieprodukten. Viele Händler hoffen nun auf eine Zinssenkung der US-Notenbank Fed bei ihrer Sitzung am Abend.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel 0,4 Prozent auf 10.870 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 sackte um 1,0 Prozent auf 1180 Zähler ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um 0,9 Prozent auf 2159 Punkte.

„Vieles kommt heute auf AIG an. Sie haben wegen des Immobilien-Debakels einen Knacks bekommen“, sagte der Präsident der Princeton Financial Group, Andre Bakhos. Je länger AIG keine Kapitalspritze bekomme, desto schlimmer werde alles werden.

Der Versicherungsgigant American International Group benötigt dringend frisches Kapital, um das Geschäft langfristig aufrecht erhalten zu können. Die Rede ist von rund 14,5 Milliarden Dollar. AIG-Aktien brachen zu Handelsbeginn zunächst um fast 70 Prozent ein, erholten sich dann jedoch etwas auf ein Minus von 40 Prozent.

Dax verliert massiv

Im Bann der zugespitzten Finanzkrise in den USA haben die deutschen Aktienindizes ihren zaghaften Stabilisierungsversuch am Dienstagnachmittag abgebrochen und sind kräftig nach unten gerutscht. Der Dax markierte bei 5858 Zählern den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Zuletzt verlor der Leitindex 2,92 Prozent auf 5887 Punkte. Der Mdax mittelgroßer Werte fiel um 1,81 Prozent auf 7622 Zähler. Der Tecdax gab 2,88 Prozent auf 717 Punkte ab.

"Goldman Sachs als eigentlich strahlender Stern am Bankenhimmel konnte die Gemüter nicht beruhigen - damit sind die Dämme im Dax erstmal gebrochen", sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Zudem drücke die Unklarheit um AIG zunehmend auf die Stimmung und mittlerweile erscheine alles wieder möglich. Experten sagten, auch eine Notzinssenkung der US-Notenbank sei nicht mehr ausgeschlossen

Hoffnung für Lehman-Sparten

Unterdessen kann die kollabierte US-Investmentbank Lehman Brothers eventuell doch noch auf die Rettung zumindest einzelner Geschäftsbereiche hoffen. Großbritanniens drittgrößte Bank Barclays bestätigte in einer Mitteilung an die US-Aufsichtsbehörde SEC am Dienstag, dass sie mit Lehman über den Kauf einzelner Sparten verhandelt. Erst am Wochenende hatte Barclays allerdings Gespräche über eine komplette Übernahme der schwer angeschlagenen Lehman platzen lassen und damit auch zum kurzfristigen Insolvenzantrag der Bank nach US-Gläubigerschutzrecht beigetragen.

Aus Kreisen verlautete, es gehe nun um das amerikanische Kerngeschäft. Dazu zählen vor allem das Investmentbanking inklusive der Firmenberatung bei Fusionen sowie der Handel mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren. Bis zu 10.000 Jobs würde dieser Bereich umfassen. Insgesamt hat die Bank rund 26.000 Beschäftigte. Auch internationale Geschäftsfelder könnten in die Gespräche noch einbezogen werden, hieß es.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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