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Verbraucher: Pizzaservice und Fitness-Studio statt Schreibmaschine

Wegen vieler Änderungen im Konsumverhalten hat das Statistisches Bundesamt turnusmäßig den Warenkorb für die Berechnung der Inflationsrate verändert. Jetzt ist Druckerpapier "drin", Farbband nicht mehr.

Pizzaservice, Fitness-Studio und brennbare CD-Rohlinge gehören heute für viele Bundesbürger zum Alltag. Elektrische Schreibmaschinen sind dagegen im Computerzeitalter kein typischer täglicher Gebrauchsgegenstand mehr. Wegen dieser und anderer Änderungen im Konsumverhalten der Bundesbürger hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden turnusgemäß den Warenkorb für die Berechnung der Inflationsrate verändert. Ab sofort sind also Sonnenstudio und Druckerpapier "drin", Schreibmaschinenpapier und Farbband dagegen nicht mehr.

Grundlage für Verbraucherpreisindex

Einmal im Monat berechnen die Statistiker in Wiesbaden die Inflationsrate. Der "Verbraucherpreisindex für Deutschland", so die offizielle Bezeichnung, misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die von den privaten Haushalten für den Konsum gekauft werden. Das umfasst die Veränderung der Preise für Güter des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Bekleidung), für Mieten und langlebige Gebrauchsgüter (Kühlschrank oder Auto) und Dienstleistungen (Reinigung oder Friseur-Besuch).

Sind die Preise des täglichen Lebens Ihrer Meinung nach gestiegen?

"Gefühlte Preise" waren höher

Dass die Wiesbadener Rate und das Preis-Empfinden der Bundesbürger nicht unbedingt übereinstimmen müssen, zeigte sich 2002: Nach der Euro-Bargeldeinführung erlebten die Konsumenten einen regelrechten Preisschock, die neue Währung wurde als "Teuro" beschimpft. Doch das Statistische Bundesamt stellte keine heftigen Preiserhöhungen auf breiter Front fest. Damit klaffte eine Lücke zwischen "gefühlten Preisen" bei den Verbrauchern und offizieller Statistik.

Zusammensetzung des Warenkorbs entscheidet

Grund war der Warenkorb mit seinen rund 750 Produkten. Die Verbraucher spürten die gestiegenen Preise vor allem bei den Waren des täglichen Bedarfs, von denen tatsächlich einige überproportional teurer geworden waren. Doch machten - und machen auch nach der jetzigen Änderung - zum Beispiel Obst und Gemüse nur einen verschwindend geringen Teil am Warenkorb der Statistik-Behörde aus. Ein dicker Brocken sind dagegen die Ausgaben für Wohnen, Wasser, Gas oder Heizöl.

350.000 Einzelpreise monatlich ermittelt

Bisher wie auch künftig werden die Preisveränderungen der einzelnen Posten entsprechend ihrer Bedeutung für das Budget der Privathaushalte im Index berücksichtigt. "Die Höhe und Struktur der Ausgaben der privaten Haushalte für Waren und Dienstleistungen werden aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, die im Abstand von fünf Jahren bei rund 62.000 Haushalten durchgeführt wird, und der jährlichen Statistik der laufenden Wirtschaftsrechnung ermittelt", erläutert das Statistische Bundesamt. Alle fünf Jahre wird eine komplette Überarbeitung gemacht, auf deren Basis dann die monatliche Berechnung erfolgt.

560 Ermittler stellen Preise fest

Um den Verbraucherpreisindex einmal im Monat festzustellen, erheben rund 560 Preisermittler im Auftrag der Statistischen Landesämter und 15 Mitarbeiter des Bundesamtes Preise für die 750 Waren und Dienstleistungen des Warenkorbes. 190 Berichtsgemeinden und knapp 40.0000 so genannte Berichtsstellen - das sind zum Beispiel Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleister - werden dabei unter die Lupe genommen. Immerhin rund 350.000 Einzelpreise werden dabei ermittelt.

Keine spektakulären Änderungen

Die Veränderungen der Verbrauchsgewohnheiten der Bundesbürger finden im neuen Warenkorb sowohl im Bereich Ernährung als auch bei den Informations- und Kommunikationstechnologien ihren Niederschlag: So sind heute Scanner, Laserdrucker oder Digitalkameras ebenso enthalten wie Fertig- und Halbfertigprodukte bei Nahrungsmitteln. Insgesamt aber, so das Statistische Bundesamt, seien die Änderungen in der Zusammensetzung des Warenkorbs "nicht spektakulär". Zudem gebe es nur einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die Ergebnisse der Verbraucherpreisstatistik.