VERBRAUCHER Urlaubsrisiko: Bestrahlte Lebensmittel

In den USA und europäischen Nachbarländern sind radioaktiv behandelte Shrimps, Früchte und Zwiebeln alltäglich. Verbraucherschützer befürchten geschönte Mogelpackungen.

Wer in seinen Ferien in einem französischen Supermarkt einkauft, sollte einmal darauf achten, ob die Froschschenkel oder Shrimps bestrahlt sind. Aufschriften wie »traite par rayonnements« oder »traite par ionisiation« verraten, dass die Lebensmittel mit radioaktiven Strahlen »bombardiert« wurden. Die Bestrahlung soll Mikroorganismen abtöten. Auch in Belgien, Holland oder den USA gehören solche Produkte zum Einkaufsalltag. Für deutsche Verbraucher sind bestrahlte Waren noch Neuland. Bislang gilt ein Bestrahlungsverbot.

Nun auch in Deutschland erlaubtSollen bestrahlte Lebensmittel aus Haltbarkeitsgründen erlaubt werden? Sagen Sie uns Ihre Meinung im Wirtschaftsforum...

vorbehandelte Gewürze und Kräuter, die bislang mit einer Ausnahmeregelung importiert und in den Handel gebracht werden durften, können nun auch in Deutschland selbst bestrahlt werden. Das seit 1960 geltende Verbot wird mit der Umsetzung zweier Richtlinien der Europäischen Union erstmals aufgeweicht, wie Verbraucherschützer beklagen.

Strahlen aus Hygienegründen

Nicht, dass die Waren nach sachgerechter Hygienebehandlung mit den so genannten ionisierenden Strahlen selbst radioaktiv würden. »Davon kann nach derzeitigen Erkenntnissen keine Rede sein«, sagt Ernährungsexpertin Christiane Schäfer von der Verbraucherzentrale Hessen. Die Strahlen werden in vielen Ländern der Welt eingesetzt, um beispielsweise Pfeffer und Shrimps von gesundheitsschädlichen Keimen zu befreien. Insekten und Würmer werden im Innern von Früchten abgetötet, also Hygienemängel bei der Produktion aus der Welt geschafft.

Strahlen töten Vitamine

Als Begleiterscheinung können jedoch strahlenempfindliche Vitamine verloren gehen, ungesättigte Fettsäuren zerstört und Inhaltsstoffe verändert werden. Bei bestimmten Früchten wie Papayas oder Mangos kann die Reifung gestoppt werden. Bei Kartoffeln und Zwiebeln wird das Auskeimen gehemmt. Bestrahlte Erdbeeren, wie sie in Florida produziert werden dürfen, sind nachgewiesenermaßen länger haltbar.

Einfach nur Mogelpackung?

»Wir kritisieren vor allem die Verbrauchertäuschung, die mit der Bestrahlung verbunden sein kann«, betont Expertin Schäfer. Wenn Obst frischer aussieht, als es nach der Reifung eigentlich sein sollte, ist dies nicht korrekt. Auch die negativen Auswirkungen veränderter Inhaltsstoffe sind noch nicht absehbar. Würden Shrimps oder Hühner artgerecht aufgezogen und die hygienischen Bedingungen verbessert, dann wäre die gesamte Technologie gar nicht nötig. »Wenn man Produktionsmängel nur durch Bestrahlung in den Griff bekommen kann, dann halten wir das für nicht gerade optimal«, mahnt die Frankfurter Fachfrau für Ernährung. Das Vertrauen der Verbraucher in »gesundes Essen« ist ohnehin stark erschüttert.

Auf Kennzeichnung achten

Wer bestrahlte Nahrung vermeiden will, sollte im Ausland auf die extra Kennzeichnung achten, die überall nach einer Strahlenbehandlung vorgeschrieben ist. In Italien ist auf der Verpackung bespielsweise »irradiato« zu lesen, in Großbritannien »treated with ionising radiation«, in den Niederlanden »doorstraald«. Auch in Deutschland ist das Hervorheben behandelter Gewürze und Kräuter Pflicht.

Ängstliche sollten Fertigessen meiden

Bestrahlte Importe aus anderen EU-Staaten dürfen momentan nicht offiziell im deutschen Handel verkauft werden. Dass die Verbraucher allerdings in Zukunft damit konfrontiert werden, ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Mit der Angleichung von EU-Richtlinien werden voraussichtlich auch in absehbarer Zeit bestrahlte Produkte im Handel zu kaufen sein, wie Gesa Maschkowski vom Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bonn bestätigt.

Frischeprodukte noch nicht gefährdet

Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass Deutschland schon bald mit frischen Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs mit Strahlendosis überschwemmt werde. »Die bestrahlten Paprikaschoten aus Holland bleiben ein Schreckgespenst«, erläutert die Expertin. Über die künftig erlaubten Produktgruppen wird derzeit EU-weit noch diskutiert.

Achtung bei Fertigessen

Wer bestrahlte Gewürze und Kräuter meiden will, sollte Fertigessen sorgfältig auf die Inhaltsstoffe »durchchecken«. Sind die Würzmittel in der Tiefkühlpizza oder im fertigen Salatdressing bestrahlt, dann muss dies auf der Zutatenliste vermerkt sein, wie Christiane Schäfer rät.

Weitere Informationen und Erläuterungen»Biokost oder Hightech-Food«

bietet Details zu modernen Konservierungsverfahren. Er ist für 14 Mark in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentralen zu bekommen oder zu bestellen unter Telefon: 069/97 20 10 30.

Berrit Gräber


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