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Vergewaltigungsvorwurf gegen Dominique Strauss-Kahn: Wer ist das Dienstmädchen?

Sie ist die zentrale Figur im Skandal um IWF-Chef Strauss-Kahn: das angebliche Opfer, das Zimmermädchen. Sie stamme aus Afrika, heißt es. Und sie habe eine Tochter - oder zwei.

Hat Dominique Strauss-Kahn versucht, sie zu vergewaltigen? Wenn ja, ist das politische Schicksal des IWF-Chefs und Präsidentschaftskandidaten in spe besiegelt. Wenn nein, dann ist er das Opfer eines Rufmords, der seinem Image auch ohne gerichtliches Urteil schon jetzt schweren Schaden zufügt. Das Zimmermädchen des New Yorker Sofitel-Hotels, das mutmaßliche Opfer von Strauss-Kahn angeblichem Übergriff, ist die Schlüsselfigur der Affäre - und über sie ist bislang wenig bekannt. Polizei und ihr Arbeitgeber halten sich bedeckt. Als das derzeit weltberühmteste Zimmermädchen Strauss-Kahn bei einer Gegenüberstellung identifiziert hatte, verließ sie die Polizeistation mit einer Decke über dem Kopf.

32 Jahre, das ist laut "New York Times" immerhin bekannt, ist die Frau alt. Laut Polizei ist sie in Afrika geboren und wohnt seit einigen Monaten im New Yorker Stadtteil Bronx. Sie soll eine Tochter im Teenager-Alter haben. "Das sind gute Leute", sagte ein Nachbar der Zeitung. "Sie hat nie irgendwelche Probleme gemacht. Nie laut, immer nett."

"Umarmt sie einfach"

Die Zeitung zitiert auch eine Kollegin des Zimmermädchens. Demnach sei die 32-Jährige "ein guter Mensch". Allerdings habe das Hotel seine Angestellten aufgefordert, die Frau nicht auszufragen, wenn sie wieder zur Arbeit komme. "Die Verwaltung hat gesagt: Fragt nicht so viel, sie hat es schwer genug", sagte die Angestellte. "Umarmt sie einfach, wenn sie wieder da ist."

Die Zeitungen in New York versuchen derzeit verzweifelt, an Informationen über die 32-Jährige zu gelangen. Nicht alle stimmen - beispielsweise herrscht Unklarheit über die Zahl der Kinder. Das "Wall Street Journal" berichtet, die Frau habe zwei Kinder und stamme aus Guinea. Das New Yorker Tabloid "The New York Post" berichtet auf seiner Webseite, die Frau habe schon seit drei Jahren in dem Hotel gearbeitet. Ihre Arbeit sei "zufriedenstellend".

Festnahme in letzter Minute

"Housekeeping", soll das Zimmermädchen am Samstag gerufen haben, als sie die 3000-Dollar-pro-Nacht-Suite des IWF-Chefs betrat, die Suite mit der Nummer 2806. Die "New York Times" beruft sich bei ihrem Bericht auf einen Polizeibeamten als Quelle. Als sie keine Antwort hörte, sei sie in die Suite gegangen. Plötzlich sei ein nackter Mann vom Badezimmer Richtung Schlafzimmer geeilt. Sie habe versucht, die Räume zu verlassen, aber der Mann habe sie gejagt, gepackt und die Tür verschlossen. Zunächst habe er sie in das Schlafzimmer gezerrt, dann in das Badezimmer. Dort habe er sie laut "New York Times" zum Oralsex gezwungen.

Das "Wall Street Journal" schreibt, die Frau habe gegen zwölf am Mittag, die Suite betreten. Der nackte Mann habe zunächst ihre Brüste berührt und sie aufs Bett geworfen. Sie sei kurz entkommen, bis er sie im Badezimmer sexuell angegriffen habe. Strauss-Kahn habe das Hotel dann schon um 12.28 Uhr verlassen. Kurze Zeit später alarmierten Hotelangestellte die Polizei. Als Strauss-Kahn am Nachmittag feststellte, dass er sein Handy in der Suite vergessen hatte, rief er das Hotel an. Bei dem Telefonat erfuhr die Polizei auch, wo sich Strauss-Kahn befand - und konnte ihn so festnehmen, kurz bevor er die USA verließ.

fgüs/dpa / DPA