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Plädoyers im "Carlton"-Prozess erwartet Mangel an Beweisen könnte Strauss-Kahn retten


War es Zuhälterei oder nicht? Im Prozess gegen Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn um illegale Sexpartys steht das Plädoyer der Staatsanwaltschaft bevor. Ein Freispruch ist nicht unwahrscheinlich.

Im Prozess um die illegalen Sexpartys der "Carlton"-Affäre wird im französischen Lille das Plädoyer der Staatsanwaltschaft erwartet. Alles wird sich dabei um die Frage drehen, ob genug Beweise im Laufe des Verfahrens vorgebracht werden konnten, um dem Angeklagten Dominique Strauss-Kahn Zuhälterei nachzuweisen.

Die Anklage hatte das Verfahren gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) im vergangenen Jahr bereits einstellen wollen. Das Gericht setzte den seit zwei Wochen laufenden Prozess dennoch auch gegen Strauss-Kahn an. Deswegen wird ein Antrag auf Freispruch des 65-Jährigen für möglich gehalten.

Mehrere Nebenkläger hatten am Montag ihre Anklage gegen Strauss-Kahn aus Mangel an Beweisen bereits zurückgezogen. Der Angeklagte habe von der Tatsache gewusst, dass Prostituierte an den Partys beteiligt gewesen seien, zeigte sich einer der Anwälte am Montag während des Prozesses in Lille überzeugt. Dies reiche aber nicht aus, um Zuhälterei zu begründen.

Strauss-Kahn will von nichts gewusst haben

In dem Verfahren müssen sich Strauss-Kahn und 13 weitere Angeklagte wegen organisierter Zuhälterei verantworten, weil an den Partys auch Prostituierte beteiligt waren. Eine Teilnahme mit dem Wissen darum wäre in Frankreich illegal. Strauss-Kahn hat auch vor Gericht abgestritten, von einer Bezahlung der beteiligten Frauen gewusst zu haben.

Wahre Sexorgien soll "DSK" in Paris, Washington und andernorts gefeiert haben. Dass er die dazu angeheuerten Frauen als "Material" bezeichnete, bedauerte er später. Der Ex-IWF-Chef bestritt im Verhör laut Medienberichten jedoch erzwungene Sexpraktiken. Mehrere Callgirls hatten die Sextreffen als "Gemetzel", "Schlachtung" und "reinen sexuellen Konsum" beschrieben. Dominique Strauss-Kahn hatte unter anderem eingestanden, er "mag im Vergleich zum Durchschnitt der Männer eine derbere Sexualität haben".

Wegen einer Affäre um Vergewaltigungsvorwürfe hatte Strauss-Kahn 2011 seinen Posten als IWF-Chef räumen müssen. Der 65-Jährige musste auch seine Ambitionen aufgeben, 2012 für die Sozialisten als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Vor wenigen Jahren noch war er als aussichtsreichster Anwärter auf das Präsidentenamt in Frankreich gehandelt worden.

kis/DPA DPA

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