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Verwirrende Vielfalt beim Ökostrom Diese Tarife sind wirklich öko

Nicht jeder Ökostromtarif nutzt der Umwelt. Verbraucherschützer fordern ein einheitliches Siegel. Stiftung Warentest hat getestet, welche Tarife wirklich öko sind.
Von Peter Neitzsch

Nicht überall, wo Ökostrom drauf steht, ist auch Energiewende drin. Zu diesem Schluss kommt ein Vergleich verschiedener Ökostromtarife der Stiftung Warentest. Nur in zwei von drei Fällen könnten Stromkunden darauf vertrauen, dass ihr Tarif auch tatsächlich der Umwelt nutzt, schreibt die Zeitschrift "test".

Zwar stammt der Strom in allen Fällen komplett aus erneuerbaren Quellen, aber das Problem entsteht an anderer Stelle: So weisen einige Anbieter beispielsweise Strom aus Wasserkraftwerken im In- und Ausland nun als teuren Ökostrom aus, anstatt ihn wie bisher einfach undeklariert in das Stromnetz einzuspeisen. Eine "Luftbuchung", die an der Zusammensetzung des Strommix insgesamt nichts ändert. Nur bei 13 von 19 Ökostromtarifen im Test investieren die Anbieter tatsächlich in den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Stromkunden verlieren den Durchblick

Verbraucherschützer fordern deshalb "ein bundesweit einheitliches und anspruchvolles" Ökostrom-Siegel: "Wie bei Biolebensmitteln brauchen wir endlich auch beim Ökostrom Verlässlichkeit", sagt der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Gerd Billen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa, die von den Verbraucherzentralen in Auftrag gegeben wurde, verlieren Stromkunden in der "Labelflut" zunehmend den Durchblick.

Wie groß die Verwirrung tatsächlich ist, zeigen Umfrageergebnisse, wonach fast 40 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass gesetzlich geregelt ist, was Ökostrom ist. Tatsächlich gibt es keine entsprechenden Vorgaben: Unter dem Begriff Ökostrom werden derzeit auf dem Markt rund 730 Tarife mit zum Teil sehr unterschiedlichen Modellen angeboten. "Die Verbraucher finden Ökostrom wichtig, wissen aber nicht, was es ist", sagt Billen. Für zwei Drittel der Befragten gehören laut Umfrage Atomstromfreiheit, Stromerzeugung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien sowie Investitionen in neue Anlagen zu den Anforderungen an Ökostrom. Kriterien, die keineswegs alle Tarife erfüllen.

So erkennen Sie "echten" Ökostrom

Derzeit gibt es in Deutschland drei unterschiedliche Prüforganisationen, die Ökostrom-Anbieter nach den genannten Kriterien prüfen und auszeichnen. Das Label Ok-Power und das Grüner Strom Label werden beide von namhaften Umweltschutzorganisationen, Verbraucherschützern und Expertenvereinigungen getragen. Außerdem bietet der TÜV unterschiedliche Zertifizierungen, von denen einige auch Investitionen in Neuanlagen berücksichtigen. Das RECS-Zertifikat (für Renewable Energy Certifikate System) stellt dagegen keinerlei Anforderungen an die Anlagen, aus denen der grüne Strom kommt.

Als echte Ökostromtarife gelten nach Auffassung von "test" nur solche, deren Anbieter auch in erneuerbare Energien investieren und so den Anteil des Ökostroms am gesamten Strommix vergrößern. Neben den vier unabhängigen Ökostromanbietern Lichtblick, Naturstrom, Greenpeace Energy und den Energiewerken Schönau trifft dies auch auf die Ökotarife einiger konventioneller Versorger zu. Ein "sehr starkes" ökologisches Engagement sehen die Tester auch beim "Ökoaktivstrom" von Wemag sowie beim "Entega Ökostrom". Schlechte Noten erhalten dagegen beispielsweise die Tarife "smart" des Anbieters NaturenergiePlus sowie "aqua" vom Versorger Evita.

Von Peter Neitzsch (mit AFP)

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