HOME

Volksabstimmung: Eine Schweizer Initiative will die Macht der Banken brechen - mit dieser revolutionären Idee

In der Schweiz stimmen die Bürger am Sonntag über eine Revolution des Geldwesens ab. Die "Vollgeld"-Initiative will die Macht der Banken brechen - mit einem einfachen, aber folgenschweren Schritt.

Schweizer Franken

Bargeld darf in der Schweiz - wie bei uns - nur von der Zentralbank geschöpft werden. Die "Vollgeld-Initiative" will, dass das auch für elektronisches Geld gilt.

Getty Images

Die Schweizer und ihre Banken, das ist schon eine besondere Geschichte. Jahrzehntelang verschaffte das Schweizer Bankgeheimnis den Geldinstituten einen gewaltigen Vorteil beim Anwerben schwerreicher Kunden, die ihr Geld gerne vor interessierten Stellen verbergen wollten. Doch mit der strengen Verschwiegenheit ist es mittlerweile vorbei. Auf Druck der USA und der EU sind die Schweizer in den letzten Jahren mehreren Abkommen gegen Steuerhinterziehung beigetreten.

Nun will eine Bürgerinitiative im eigenen Land den Banken einen Schlag versetzen, der sie noch weit schwerer treffen würde. Am 10. Juni stimmen die Schweizer über die sogenannte  "Vollgeld-Initiative" ab. Die Initiative macht sich dafür stark, den Geschäftsbanken im Land ein entscheidendes Privileg wegzunehmen, von dem viele gar nicht wissen, dass es existiert: Die Banken sollen nicht mehr eigenmächtig Geld erzeugen dürfen. "Die Vollgeld-Initiative verwirklicht, was die meisten Menschen heute schon für Realität halten: nämlich, dass unsere Schweizer Franken von der Nationalbank geschaffen werden", heißt es im Werbevideo der Initiative.

Wie Banken Geld erschaffen

Tatsächlich dürften auch die meisten Menschen in Deutschland denken, dass nur die Notenbanken - in unserem Fall die Europäische Zentralbank - Geld schöpfen dürfen. Das ist aber nur zum Teil richtig. Zwar dürfen nur die Zentralbanken die Notenpresse anwerfen, Scheine drucken und Münzen prägen. Ein Großteil des im Umlauf befindlichen Geldes ist aber längst nicht mehr physisch vorhanden, sondern nur elektronisch. Es existiert als Zahlenkolonnen auf unseren Konten - nur gelegentlich wandeln wir am Geldautomaten einen Teil davon in echtes Geld um.

Dieses virtuelle Geld - im Fachjargon Buchgeld genannt - können private Banken tatsächlich selbst erzeugen. Das funktioniert über den Umweg der Kreditvergabe. Wenn eine Bank einem Kunden eine bestimmte Summe Geld leiht, händigt sie ihm in der Regel keine Geldkoffer aus, sondern überweist die Summe lediglich elektronisch aufs Konto. Der Bankkunde hat nun frisches Geld zur Verfügung, dem streng genommen kein physischer Gegenwert entspricht. Denn für jeden Kredit, den die Bank herausgibt, muss sie nur einen Teil als Sicherheit bei der Zentralbank hinterlegen - die sogenannte Mindestreserve. In der Schweiz sind das gerade mal 2,5 Prozent. So entsteht durch Kreditvergabe ständig neues elektronisches Geld. Wenn alle ihr elektronisches Geld auf einmal abheben würden - etwa in einer Finanzkrise -, bräche das System zusammen, weil es gar nicht so viele Scheine und Münzen gibt.

Finanzsystem krisensicher machen

Und das ist auch der Grund, warum die "Vollgeld-Initiative" das System ändern will. Die Banken sollen kein Geld mehr schöpfen können, das bei einer Pleite der Bank verloren gehen kann, so die Logik. Neben dem Bargeld soll auch das Buchgeld allein von der Schweizer Nationalbank in Umlauf gebracht werden. "Der große Vorteil ist, dass das Geld auf unseren Konten wirklich sicher wird. Das Geld gehört wirklich uns und nicht mehr zur Konkursmasse der Banken", sagt Volkswirt Reinhold Harringer.

Auch andere Volkswirte halten das Vollgeld-Prinzip als Krisenvorsorge für ein gutes Modell - zumindest in der Theorie. Ob die Vorteile auch in der Praxis überwiegen würden, da sind viele Kritiker skeptisch. Schließlich käme ein solch radikaler Systemwechsel einem Live-Experiment gleich, dessen Nebenwirkungen schwer abzusehen sind. Unterm Strich würde sich die Macht im Finanzsystem weg von den Banken hin zur staatlichen Notenbank verschieben. Ob staatliche Institutionen immer die besten Entscheidungen treffen, ist allerdings fraglich. Princeton-Ökonom Markus Brunnermeier nennt in der FAZ ein weiteres Gegenargument: Je mehr der Staat das Geldsystem reguliert, desto attraktiver werden alternative komplett unregulierte Ersatzwährungen. Und die Faszination für Schattenwährungen hat erst jüngst der Bitcoin-Hype gezeigt.

Dass es für die Vollgeld-Befürworter am Sonntag reicht, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Jüngsten Umfragen zufolge spricht sich nur jeder dritte Schweizer für die Initiative aus. Etwa jeder Zweite ist dagegen, der Rest hat sich noch nicht entschieden, ob er für oder gegen die Revolution ist. 

Winklevoss Facebook Zuckerberg
Themen in diesem Artikel