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Norwegen Vor den Lofoten lagern riesige Öl- und Gasfelder. Ausbeuten oder nicht?

Vor den Lofoten lagern Öl- und Gasfelder: Ausbeuten oder nicht?
Die Gas-Förderplattform "Aasta Hansteen" ist die größte, die je gebaut wurde. Mit einer Gesamthöhe von 320 Metern würde sie an Land nur knapp der Eiffelturm überragen. Vor wenigen Wochen wurde sie im Meer vor Bodø installiert – südlich der Lofoten
© Eivind H. Natvig/stern
Vor den Lofoten, Traumziel auch deutscher Touristen, liegt ein Milliardenschatz im Meer. Öl. Gas. Doch er soll vorerst nicht gehoben werden. Was viele Norweger glücklich macht. Und andere ratlos.
Von Steffen Gassel

Basaltgraue Berge fallen auf beiden Seiten der Bucht über 500 Meter tief ab zum Meer. Zu ihren Füßen erstreckt sich, eingefasst in einen sattgrünen Wiesensaum, ein breiter Strand aus feinkörnigem, silbergrau marmoriertem Sand. Die Brandung strömt in flachen Rippen heran. Hinter den Schaumkämmen lässt die Sonne das Meer smaragdgrün und dunkelblau schimmern. Wasserfarben, wie man sie aus tropischen Gefilden kennt. Hier aber, kurz nördlich des Polarkreises, messen Luft und See an diesem Frühsommertag etwa zehn Grad. Gar nicht übel für die Jahreszeit.

Kvalvika, die Walbucht, liegt am Westrand der Moskenes-Insel im Lofoten-Archipel, diesem schroffen Gebirgszug, der westlich der norwegischen Küste in den Nordatlantik ragt. Früher fanden nur wenige entbehrungsfähige Reisende den Weg in diese abgelegene Heimat eines Volks von Fischern, so bettelarm, dass ein Wirtschaftshistoriker die Gegend "eine Art Sizilien am Polarkreis" nannte. Neuerdings aber ist dieses Weltende am Rande der Arktis zum Hotspot avanciert. Allein unter dem Hashtag #kvalvika finden sich auf der Fotoplattform Instagram mehr als 12.000 Beiträge. Für Millionen Europäer – Backpacker, Hurtigrutenfahrer und Wohnmobiltouristen – sind die Lofoten mit ihrem Mix aus grobschlächtiger Natur und rotweiß getünchter Puppenstubenidylle das Sehnsuchtsziel schlechthin.

Lofoten wurden zum Zankapfel

In Norwegen selbst sind die Lofoten indes zum Zankapfel geworden. Denn draußen, tief unter dem Meeresboden vor Kvalvika, liegen riesige Öl- und Gasfelder, ein Schatz im Wert von bis zu 65 Milliarden US-Dollar. Soll er gehoben werden? Für viele Norweger ist das zu einer nationalen Gewissensfrage geworden. Deren Beantwortung gleicht einem Ringen um die Seele des Fünf-Millionen-Einwohner-Landes.

Von außerhalb betrachtet, wirkt das zunächst wie ein abstruses Luxusproblem. Man muss schon einen knapp 900 Milliarden schweren Staatsfonds sein Eigen nennen, um sich ernsthaft mit der Frage aufzuhalten, ob 65 Milliarden obendrauf vielleicht etwas zu viel des Guten sein könnten. Doch hinter dem Streit um die Lofoten steckt mehr: ein typisch norwegisches Unbehagen am eigenen Glück.

Möwen lauern auf leichte Beute, während ein Fischer seinen Fang ausnimmt. Seit Ewigkeiten sichert die Natur den Menschen auf den Lofoten die Existenz
Möwen lauern auf leichte Beute, während ein Fischer seinen Fang ausnimmt. Seit Ewigkeiten sichert die Natur den Menschen auf den Lofoten die Existenz
© Eivind H. Natvig/stern

"Für mich liegt der schönste Ort der Lofoten nicht an Land, sondern dort draußen", sagt Odd-Arne Sandberg und blickt aus dem Fenster eines umgebauten Bootsschuppens im Fischerdorf Kabelvåg aufs Meer. Der 57-Jährige mit der abgewetzten Windjacke und dem grauen Wuschelkopf meint nicht das Öl und das Gas. "Die Kaltwasserriffe, die Laichgründe der Dorsche, die Vogelfelsen mit der riesigen Papageientaucherkolonie – all das gibt es so nirgendwo sonst auf der Welt", sagt der Chef der "Folkeaksjon Oljefritt Lofoten, Vesterålen og Senja", einer kleinen, lokalen Umweltorganisation, die dafür kämpft, das Seegebiet um die Lofoten und die weiter nördlich gelegenen Inseln Vesterålen und Senja – kurz "LoVeSe" genannt – endgültig dem Zugriff der Ölindustrie zu entziehen. "Hier nach Öl und Gas zu bohren wäre Wahnsinn. Einfach zu riskant. Denken Sie nur an 'Deepwater Horizon'."

Die Natur sichert das Auskommen

Eine Plattform-Havarie wie die im Golf von Mexiko vor acht Jahren würde hier eine noch viel größere Katastrophe nach sich ziehen, erklärt der Umweltschützer. Wegen der oft rauen See, wegen der Monate der Dunkelheit im Winter, vor allem aber, weil das Lofoten-Öl bedrohlich nah am Land liegt. Weiter südlich, in der Nordsee, stehen Norwegens Förderanlagen oft mehrere Hundert Kilometer von der Küste entfernt. Am Polarkreis aber ist der Kontinentalsockel, unter dem die Rohstoffe eingeschlossen sind, nur wenige Kilometer breit. Gebohrt werden müsste direkt vor der Küste. "Bei einer Ölpest bleibt einfach nicht genug Zeit zu reagieren."

Das wichtigste Argument des Umweltschützers aber ist ein wirtschaftliches: "Wir brauchen das Öl nicht. Wir haben ja Fisch." Vor der Küste der Lofoten lebt der letzte robuste Kabeljau-Bestand der Welt, eine "erneuerbare Ressource", wie er es nennt. "Seit Menschengedenken hat die Natur den Leuten hier oben ein Auskommen gesichert. Das wird sie auch in Zukunft tun", sagt Sandberg.

Die Inselhauptstadt Svolvær
Die Inselhauptstadt Svolvær
© Eivind H. Natvig/stern

Tatsächlich funktioniert die alte Symbiose von Meer und Mensch heute so gut wie lange nicht. Die Kabeljau-Bestände haben sich nach einer Krise vor zehn Jahren wieder erholt. Fischerei und Aquakultur-Industrie erwirtschaften seit Jahren stattliche Gewinne und sind zusammen mit dem Tourismus Grundlage für einen nie dagewesenen Aufschwung der Region. Die Gemeinderegister auf den Lofoten verzeichnen seit Jahren wachsende Einwohnerzahlen. In den schicken Bars und Restaurants der Inselhauptstadt Svolvær

ist freitagabends, wenn die Lokalbevölkerung bei Bier und Walcarpaccio mit Wasabidressing das Wochenende einläutet, oft kaum ein Platz zu bekommen.

All ihrem Wohlstand zum Trotz aber sind die Norweger bis heute so etwas wie die Puritaner unter den Petro-Milliardären der Welt. Zwar genießen die Menschen die Vorzüge des staatlich verwalteten Wohlstands: die vielen sündteuren Brücken und Tunnels, die auch noch das kleinste Dorf ans Straßennetz anbinden; die exzellente Gesundheitsversorgung selbst in dünn besiedelten Gebieten; die Kindergärten, Altenheime, Schwimmbäder. Gleichzeitig aber plagt sie das schlechte Gewissen. Denn all die Annehmlichkeiten ihres Wohlfahrtsstaats sind erkauft durch den Export fossiler Rohstoffe, deren Verbrennung die Atmosphäre belastet und die Erderwärmung befeuert.

Herbe Verluste für die Pro-Öl-Parteien

So kommt es, dass es Sandbergs kleiner "Volksaktion" mit ihren 5000 Mitgliedern und 20.000 Facebook-Followern von ihrem Hauptquartier über einer Hafenkneipe am Rande der Arktis aus gelungen ist, die große Politik im fernen Oslo auf den Kopf zu stellen. Bei den Parlamentswahlen im vergangenen Herbst waren die beiden großen Parteien des Landes – die Arbeiderparti und die Høyre – dafür angetreten, nach Jahren der Verzögerung die Freigabe des LoVeSe-Gebiets für die Öl- und Gasförderung einzuleiten.

Doch überall im Land regte sich Widerstand. Von Ålesund bis Oslo, von Bergen bis Lillehammer gingen Menschen auf die Straßen und demonstrierten gegen die Erschließung des Seegebiets im Norden. Vor der Parteizentrale der Arbeiterpartei in Oslo bauten die Ölgegner Holzgestelle auf, wie sie auf den Lofoten zum Stockfisch-Trocknen benutzt werden. Am Wahltag fuhren die Pro-Öl-Parteien herbe Verluste ein. Premierministerin Erna Solberg konnte sich nur durch eine ungewöhnliche Koalition mit zwei kleinen Parteien an der Macht halten. Der Preis: die Verlängerung des Moratoriums für das LoVeSe-Seegebiet bis nach der nächsten Wahl 2021. Eine empfindliche Niederlage für die mächtige Öllobby. "Statoil, der staatliche Ölkonzern, hat eine PR-Abteilung mit 280 Leuten. Bei uns gibt es dafür eine halbe Stelle", sagt Sandberg, von Beruf Lehrer, nicht ohne Stolz. Es war ein Kampf David gegen Goliath. Fürs Erste hatten die Umweltschützer ihn gewonnen.

Umweltschützer Odd-Arne Sandberg (r.) geboren. Er und seine Mitstreiter haben durchgesetzt, dass die Öl- und Gasfelder im Seegebiet um die Lofoten auf Jahre hinaus nicht ausgebeutet werden
Umweltschützer Odd-Arne Sandberg (r.) geboren. Er und seine Mitstreiter haben durchgesetzt, dass die Öl- und Gasfelder im Seegebiet um die Lofoten auf Jahre hinaus nicht ausgebeutet werden
© Eivind H. Natvig/stern

Auf der Suche nach einem Gesprächspartner der Pro-Öl-Seite wird man seither auf den Lofoten nicht mehr fündig. Die lokalen Vertreter der großen Parteien wissen: Das Thema ist toxisch. Die Gemeinderäte der Inseln haben sich geschlossen gegen die Öffnung des LoVeSe-Gebiets ausgesprochen und sich damit gegen die Linie ihrer Zentralen in Oslo gestellt. Wer hier oben jemanden treffen will, der trotz allem weiter für die Ölförderung vor den Lofoten kämpft, muss ins Flugzeug steigen und das Idyll aus Fjell und Fjorden hinter sich lassen, das jetzt im Sommer das Leben in einer Lieblichkeit überborden lässt, die man so weit nördlich nicht für möglich gehalten hätte: mit Lämmern, die sich in der Polarsonne räkeln; mit frischer, kühler Luft, die bald salzig, bald säuerlich vom nächsten Stockfisch-Gerüst heranweht; mit den Schreien aufgeregter Austernfischer, die hier so zahlreich sind wie andernorts die Krähen; mit grünen Wiesen voll Schafgarbe und Butterblumen. Eine knappe halbe Stunde später landet die Maschine am Flugplatz von Bodø.

In der grauen Hafenstadt am anderen Ufer des Vestfjords, der die Lofoten vom Festland trennt, sitzt Kjell Giæver in seinem Büro im dritten Stock eines Kontorhauses. An den Wänden hängen Bilder von Versorgungsschiffen, Förderplattformen und Karten, die Pipeline-Verbindungen von den norwegischen Öl- und Gasfeldern bis hinunter an die deutsche und britische Küste zeigen. Giæver ist Direktor des Industrieverbands "Petroarctic" und einer der einflussreichsten Öllobbyisten in Nordnorwegen. Das vorläufige Aus für die Ölförderung vor den Lofoten nimmt er persönlich. "Offenbar habe ich meinen Job nicht gut genug gemacht. Aber ich gebe mich noch lange nicht geschlagen."

Das Tuten eines Nebelhorns dröhnt vor dem Fenster. "Da kommt die 'MS Lofoten'", sagt Giæver. "Als hätten wir sie bestellt." Das älteste noch in Dienst stehende Schiff der legendären Hurtigruten-Linie wirkt in seiner gedrungenen, schwarz-weißen Wuchtigkeit wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Einer Zeit, bevor der Ölboom Norwegen zu verändern begann.

Stockfisch-Inspektor

Giæver, 53, hat diese Zeit noch lebhaft in Erinnerung. Er ist in Tromsø aufgewachsen, der größten Stadt Nordnorwegens, als Sohn eines Stockfisch-Inspektors, zuständig für die Export-Klassifizierung der luftgetrockneten Fische. Mit 13 fuhr er das erste Mal auf dem Boot des Onkels mit. Wochenlang waren sie mitten im Winter bei eisigen Temperaturen auf See.

In Jahren mit üppigem Fang war das Leben gut. Doch wehe, der Fisch blieb aus. Dann gaben Eltern schon mal ein Kind bei Verwandten oder Großeltern ab, weil nicht genug da war, um alle Mäuler am Tisch satt zu kriegen. Giævers Vater war es so ergangen. Irgendwann sagte der Stockfisch-Inspektor zu seinem Sohn, er solle sich besser etwas anderes suchen als die Fischerei. So landete Giæver in der Ölbranche wie so viele andere ehemalige Fischer. Doch anders als die meisten blieb er dem Norden treu. Obwohl dort verglichen mit der Region um die Ölhauptstadt Stavanger, in die Menschen aus dem kargen Norden in Scharen abgewandert sind, bisher nicht viel zu holen war.

Kvalvika, die "Walbucht" ist eines der beliebtesten Ausflugsziele für Einheimische und Touristen
Kvalvika, die "Walbucht" ist eines der beliebtesten Ausflugsziele für Einheimische und Touristen
© Eivind H. Natvig/stern

Wenn er heute vor Publikum seine Vision von der goldenen Zukunft der Öl- und Gasförderung in Nordnorwegen präsentiert, dann beginnt Giæver mit einem Schwarz-Weiß-Bild. Es zeigt eine Gruppe Fischer mit hageren Zügen und wildem Haar vor Holzbaracken auf einer flachen Schäreninsel. Seine Vorfahren. "Diese Männer waren immer bereit, auf Neues zu reagieren. Wenn sie einen besseren Platz zum Fischen fanden, dann brachen sie die Hütten ab und bauten sie anderswo wieder auf. Hier im Norden muss man flexibel sein und die Chancen nutzen, die sich auftun."

Der Ölmann muss geduldig sein

Für Giæver sind die Öl- und Gasfelder vor den Lofoten und in der norwegischen Barentssee die Chance der Stunde. Weil sie Jobs für die abgelegenen Regionen im Norden versprechen. Und weil sie Europas Energiebedarf auf Jahrzehnte hinaus decken können. "Dank norwegischem Gas hat Großbritannien den Kohleausstieg geschafft und seine CO2-Emissionen um 27 Prozent reduziert", sagt Giæver. Doch die Fördermengen der Plattformen weiter südlich, in der Nordsee, sind seit Jahren rückläufig. "Nun schaut die Welt auf uns im Norden. Nirgendwo auf der Welt werden Öl und Gas so umweltschonend und mit solch strengen Sicherheitsstandards gefördert wie in Norwegen."

Kjell Giæver hat gelernt, geduldig zu sein mit seinen Landsleuten. Gerade erst ist er von einer mehrtägigen Reise mit dem Ölminister zurückgekehrt. Sie haben die Chefs der wichtigsten Firmen auf den Lofoten besucht, um auszuloten, welche Chancen die Öffnung des LoVeSe-Gebiets ihnen geben würde. Die Geschäftsleute hätten zurückhaltend reagiert, sagt Giæver. Wenn "Fakten gegen Gefühle" stehen, habe einer wie er eben einen schweren Stand. Damit kann er leben.

Am Ortsrand von Laukvik hängt an Holzgerüsten Stockfisch zum Trocknen
Am Ortsrand von Laukvik hängt an Holzgerüsten Stockfisch zum Trocknen
© Eivind H. Natvig/stern

Kaum ertragen aber kann er, wenn er den Eindruck hat, jemand ziehe seine guten Absichten in Zweifel. Dann steigt dem sonst eher bedächtig auftretenden Ölmann schnell die Zornesröte ins Gesicht. "Manche Leute glauben, ich wollte die Natur und die Lebensgrundlage der Menschen hier oben zerstören. Ich bin so etwas wie deren schlimmster Albtraum", schimpft er. "Diese Leute vergessen: Die Story Nordnorwegens ist mindestens so sehr meine wie ihre." Er meint damit vor allem die kleine Venstre-Partei, die das LoVeSe-Moratorium gegen alle Widerstände durchgesetzt hat. "Deren Wähler sitzen weit weg in Oslo und Bergen und glauben zu wissen, was am besten für die Lofoten ist." Das ärgert Giæver.

Über Odd-Arne Sandberg, den Chef der Umweltschützer, aber hat der Ölmann nur Gutes zu sagen. "Eigentlich arbeiten wir für dasselbe Ziel: dass es den Menschen und der Umwelt hier im Norden gut geht." Sandberg sagt umgekehrt über Giæver: "Er ist ein Mann der Küste. Er tut, was er tut, weil er überzeugt ist, dass es das Beste für Nordnorwegen ist."

Klassenzimmerdebatte

In einem anderen Land würden zwei Männer mit solch unterschiedlichen Positionen wohl höchstens über hitzige Pressemeldungen miteinander kommunizieren. In Norwegen aber, in dieser auf Konsens bedachten Minination, können ein Umweltschützer und ein Öllobbyist Freunde werden.

Kjell Giæver ist als Direktor des Industrieverbands "Petroarctic" einer der einflussreichsten Öllobbyisten in Nordnorwegen – und Sohn eines Stockfisch-Inspektors
Kjell Giæver ist als Direktor des Industrieverbands "Petroarctic" einer der einflussreichsten Öllobbyisten in Nordnorwegen – und Sohn eines Stockfisch-Inspektors
© Eivind H. Natvig/stern

Sandbergs und Giævers Annäherung begann auf Facebook. Inzwischen lädt der Ölmann den Umweltschützer schon mal als Gastredner zu Veranstaltungen der Ölindustrie auf dem Festland ein. Giæver ist umgekehrt einmal pro Jahr zu Gast an Sandbergs Schule auf den Lofoten und diskutiert mit den Schülern über die Vor- und Nachteile der Öl- und Gasförderung in der Arktis. Am Ende dieser Klassenzimmerdebatten fragt Giæver stets, wer im Raum sich vorstellen könne, auch nach Ende der Schulzeit in Nordnorwegen zu leben und zu arbeiten. "Da meldet sich nicht mal jeder Zehnte. Aber immer ist eine große Mehrheit der jungen Leute gegen den Ausbau der Öl- und Gasförderung auf den Lofoten", sagt Giæver. "Sie wollen, dass der Norden so bleibt, wie sie ihn kennen: ein unberührter Flecken Natur mit roten Bootshäusern auf Stelzen und Stockfisch-Gerüsten, die in der Landschaft stehen."

Volksaktion

Höhepunkt und Ende jedes Schuljahrs ist meist ein Segeltörn vor den Lofoten an Bord eines schuleigenen historischen Segelschiffs. Der musste dieses Jahr ausfallen, weil Sandberg, der sonst als Skipper mitfährt, wegen seiner Arbeit für die "Volksaktion" mit 50 Prozent vom Lehrerjob freigestellt ist. Die fehlende Hälfte seines Gehalts schießt währenddessen die Regierung zu. In Norwegens mit Ölgewinnen prall gefüllter Staatskasse ist auch Geld, um die Gegner der Ölfirmen zu subventionieren.

Kjell Giæver findet das völlig in Ordnung. "Es ist notwendig und sinnvoll, dass wir uns darüber streiten, wie wir in Zukunft mit unseren Ressourcen umgehen wollen", sagt der Lobbyist. Umweltschützer Sandberg sagt: "Im Grunde hab ich ja gar nichts gegen die Ölindustrie. Nur die Lofoten soll sie in Ruhe lassen."


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