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VW-Sanierung: Volkswagen stellt neue Forderungen

Bei den laufenden Tarifgesprächen zur Sanierung der Kernmarke VW will der Konzern offebar einen Teil der wöchentlichen Arbeitszeit nicht mehr voll bezahlen - und die bezahlten Pausen kürzen.

Volkswagen hat bei den Tarifgesprächen zur Sanierung der ertragsschwachen Kernmarke VW Verhandlungskreisen zufolge neue Forderungen gestellt. Der Konzern wolle einen Teil der wöchentlichen Arbeitszeit künftig als so genannte Qualifizierungszeit einstufen und nicht mehr voll bezahlen, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen am Montag in Hannover. Zudem wolle er eine Kürzung der bezahlten Pausen erreichen. Der Konzern würde sich damit am Tarifmodell seiner Tochter „Auto 5000 GmbH“ orientieren. Dort bekommen Mitarbeiter 2,5 Qualifizierungs-Stunden pro Woche nur zur Hälfte gezahlt. Für die Beschäftigten gilt nicht der Haustarifvertrag, sondern ein eigenes Tarifmodell mit geringeren Löhnen.

Gesprächsbeginn nach langem Vorspiel

Nach monatelangen Sondierungen hatten Management und Arbeitnehmerseite am Morgen formelle Tarifgespräche aufgenommen. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt. Der seit November 2004 geltende Tarifvertrag schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2011 aus. Im Zuge der Sanierungsbemühungen hat VW rund 20.000 Stellen in den sechs westdeutschen Werken in Frage gestellt, das ist ein Fünftel der Belegschaft.

VW will die Kosten drücken und in den sechs westdeutschen Montage- und Komponentenwerken der Marke VW die Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden verlängern. Bei VW gilt derzeit die Vier-Tage-Woche mit 28,8 Arbeitsstunden. Außerdem soll eine größere Auslastung der Werke erreicht werden. Das Stammwerk Wolfsburg etwa, in dem der Golf gebaut wird, ist nur zu 70 Prozent ausgelastet.

"Großes schweres Paket"

Vor Beginn der Gespräche am Morgen hatte VW-Verhandlungsführer Klaus Dierkes gesagt, man habe ein "großes schweres Paket" vor sich. "Wir müssen die Kosten dahin verändern, dass wir in Deutschland wettbewerbsfähig Autos bauen können", mahnte er. Zuletzt hatte VW bei den Sondierungsgesprächen vor gut einer Woche erklärt, man werde ein Paket vorlegen. Darin sei ein Vorschlag für ein zweites Volumenmodell enthalten, das im Stammwerk in Wolfsburg gebaut werden soll.

IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine verlangte von VW vor Beginn der Gespräche konkrete Vorschläge für Produktzusagen für alles sechs westdeutschen Werke. "Wenn Volkswagen heute nicht konkret wird, werden wir heute auch nichts signalisieren", fügte er hinzu. Meine bekräftigte, eine 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich werde es mit der IG Metall nicht geben. Die IG Metall ist unter bestimmten Bedingungen zu längeren Arbeitszeiten bereit. Sie verlangt dafür aber eine Beschäftigungsgarantie für die nächsten Jahre.

Außerdem erwartet die Gewerkschaft Garantien für zuliefernde Werke wie solche für Achsen in Braunschweig, Motoren in Salzgitter und Getriebetypen in Kassel. Zu welchen Zugeständnissen die IG Metall im Gegenzug bereit wäre, ließ Meine bislang offen.

DDP/Reuters / Reuters