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Großrazzia in Italien: Wie die Mafia Lidl-Mitarbeiter schmiert

Die Staatsanwaltschaft Mailand hat 15 Personen verhaftet. Der Vorwurf: Bestechung und Hehlerei. Auch Mitarbeiter des Discounters Lidl scheinen in die Mafiageschäfte verstrickt zu sein.

Lidl: Ermittlungen gegen italienische Mafia

Lidl: Ermittlungen gegen italienische Mafia

Lidl scheint eine wichtige Rolle in Mafia-Geschäften in Italien zu spielen. Am Montag verhaftete die Staatsanwaltschaft Mailand im Zuge einer landesweiten Razzia 15 Personen wegen des Vorwurfs der Bestechung und der Hehlerei, wie die "Stuttgarter Nachrichten" berichten. Demnach sollen die verhafteten Personen dem Mafia-Clan der Laudani in Catania im Osten von Sizilien angehören. Auch einen Lidl-Mitarbeiter sollen die Personen bestochen haben. Der Angestellte soll laut der "Lebensmittelzeitung" unter Hausarrest gestellt worden sein.

Schmiergeld an Lidl-Mitarbeiter

Die Vorwürfe gegen die Festgenommenen sind zahlreich. Sie sollen falsche Rechnungen ausgestellt und Mehrwertsteuer hinterzogen haben. Auch Hehlerei und Bestechung stehen im Raum. Es sollen - so die Ermittler - Gelder geflossen sein, um neue Standorte für den Discounter Lidl und die italienische Supermarktkette Eurospin zu sichern. Außerdem soll ein Lidl-Mitarbeiter Geld erhalten haben, damit er die mafiaeigenen Logistik- und Dienstleistungsunternehmen mit offiziellen Aufträgen versorgt.

"Sie wussten, welche die richtigen Personen waren, die sie schmieren mussten. Sie fischten in einem sicheren Teich", sagt die zuständige Staatsanwältin Ilda Boccassini, so die "Südtirolnews". Laut der "Stuttgarter Nachrichten" hat sich der Clan über diese Firmen Zugang zur lombardischen Wirtschaft erschlichen. Inzwischen seien vier der zehn Generaldirektionen von Lidl Italia unter die Verwaltung der Justiz gestellt worden - auch, um die Gesellschaft nach mafiösen Strukturen zu durchleuchten.


Kritik an Mitarbeitern von Lidl Italia

Zwar ist Lidl Italia selbst nicht direkt Gegenstand der Untersuchung, doch Mitarbeiter des Unternehmens hätten die Mafia-Strukturen unterstützt. So spricht der Voruntersuchungsrichter Fanales in seiner Verfügung "von andauernder Unterwürfigkeit von leitenden Angestellten von Lidl Italia, welche für die Zuweisung von Aufträgen verantwortlich waren (...). Dies alles geschah in Missachtung aller Regeln des freien Wettbewerbs und zum Schaden des Vermögens des Auftraggebers", so "Südtirolnews".

Lidl hat sich bereits zu dem Vorfall geäußert und will die Ermittlungen der Antimafiabehörde unterstützen. Laut "Stuttgarter Nachrichten" hat der Discounter erst am Montag von den Ermittlungen erfahren. Der Discounter hat in Italien in den vergangenen 25 Jahren ein erstaunliches Wachstum hingelegt. 2015 beschloss die Kette, rund eine Milliarde Euro in den Standort Italien zu investieren. Inzwischen betreibt Lidl rund 600 Filialen in dem Land. Italien zählt zu den wichtigen Märkten des Discounters in Europa. 

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kg