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Was macht Zumwinkel?: Klaus allein zu Haus

Nach der Steueraffäre muss sich Klaus Zumwinkel des Vorwurfs erwehren, er sei in die Telekom-Abhöraktion verstrickt. Der Ex-Post-Chef schweigt und verschanzt sich in seiner Villa - nur mit seinem Hund geht er ab und an Gassi. Dennoch sagen ihm Experten eine glänzende berufliche Zukunft voraus.

Von David Selbach, Andreas Pankratz und Christoph Hus

Seit Polizei und Staatsanwaltschaft am 14. Februar sein Kölner Privathaus durchsucht haben, meidet Klaus Zumwinkel die Öffentlichkeit. Der Mann, der 13 Jahre lang als Vorstandschef der Deutschen Post im Rampenlicht stand, verkriecht sich zu Hause - ihm wird Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Zudem hat er jetzt auch noch mit dem Vorwurf zu kämpfen, er habe von der Abhöraktion bei der Deutschen Telekom gewusst. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt in der Telekom-Affäre gegen ihn und den ehemaligen Vorstandschef Kai-Uwe Ricke.

Die Ermittler im Steuerfall hatten ihn zunächst aufgefordert, sich einige Tage lang zur Verfügung zu halten. Danach verschanzte sich der 64-Jährige weiter in seiner Villa im feinen Kölner Stadtteil Marienburg, statt sich in sein Ferienhaus in der Nähe des Gardasees abzusetzen. Er will daheim den Fortgang der Ermittlungen abwarten, berichten Insider.

Bloß nicht auffallen

Bisher liegt noch nicht einmal eine Anklageschrift vor. "Die Ermittlungen laufen", sagt Bernd Bienioßek, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum. Diese Unsicherheit ist es wohl auch, die Zumwinkel davon abhält, sein Haus zu verlassen - oder gar offensiv die Öffentlichkeit zu suchen. In den vergangenen Wochen erwischten ihn Pressefotografen allenfalls dabei, wie er im schwarz-roten Trainingsanzug und mit Baseball-Cap seinen Jagdhund in einem Kölner Park Gassi führte. Zu weiteren Vernehmungen haben die Staatsanwälte Zumwinkel nach dem Tag der Razzia nicht einbestellt. "Wir sind aber mit der Verteidigung im Gespräch", sagt Bienioßek.

Um lästige Anfragen von Journalisten von sich fernzuhalten, hat Zumwinkel schon am Tag der Steuerrazzia den Medienberater Dieter Schweer engagiert. Doch selbst der will sich nicht dazu äußern, womit genau Zumwinkel im Moment seinen Tag verbringt und was er für die Zukunft plant. Auf diesem Weg will Schweer die Aufregung um Zumwinkel herunterkochen. Schließlich kennt sich der ehemalige RWE-Sprecher mit der öffentlichen Reaktion auf Fehltritte von Managern aus: Er war schon für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aktiv, als der zum zweiten Mal wegen der Mannesmann-Affäre vor Gericht stand.

Für Klaus Zumwinkel gibt es ohnehin im Moment kaum einen Anlass, seine Kölner Villa zu verlassen statt sich dort seinen Hobbys zu widmen - der Lektüre philosophischer Werke und zeitgenössischer US-Literatur. Nach seinem Rücktritt als Post-Chef hat er kein Büro mehr in der Bonner Konzernzentrale. "Er ist definitiv ausgeschieden und hat die Übergabe komplett geregelt", betont Post-Sprecher Martin Dopychai. Nach der offiziellen Verabschiedung auf Einladung des Betriebsrats Ende Februar - also anderthalb Wochen nach der unrühmlichen Durchsuchung seines Hauses - sei Zumwinkel nicht mehr im Post-Tower gewesen.

Fast ohne Arbeit…

Allerdings spricht Zumwinkel dem Vernehmen nach regelmäßig mit seinem Nachfolger Frank Appel über Projekte, die Zumwinkel noch selbst angeschoben hat - zum Beispiel die Neustrukturierung des US-Geschäfts. Post-Sprecher Dopychai müht sich, solche Gespräche ins rechte Licht zu rücken: "Wenn dem so ist, was ich stark vermute, wäre darin nicht das Geringste verwerfliche oder auch nur bedenkliche Moment zu erkennen." Offenbar sind der Post die Ermittlungen gegen ihren Ex-Vorstandschef reichlich unangenehm.

Auch privat dürften Zumwinkel und Appel sich verbunden bleiben: Schließlich kennen die beiden sich schon lange. Zumwinkel hatte den ehemaligen McKinsey-Berater im Jahr 2000 höchstpersönlich an Bord geholt. Und Appel seinerseits fand viel Lob für die Arbeit seines Mentors und Ziehvaters.

Abseits der Post hat Zumwinkel kaum mehr Verpflichtungen. Seine Ämter bei Wirtschaftsverbänden hat er allesamt niedergelegt: Beim Bundesverband der Deutschen Industrie und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ist er aus den Präsidien ausgeschieden. Und auch den Aufsichtsräten der Deutschen Telekom, der Postbank, der Lufthansa und der Bank Morgan Stanley gehört er nicht mehr an.

… aber mit viel Geld

Allein beim Warenhauskonzern Arcandor - ehemals Karstadt-Quelle - hat Zumwinkel noch sein Mandat als Aufsichtsrat. Ende April wählte ihn die Hauptversammlung sogar erneut in das Gremium - da lagen die Steuervorwürfe längst auf dem Tisch. Ausschlaggebend war wohl der persönliche Wunsch der Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Sie kennt Zumwinkel noch aus seiner Managerzeit bei Quelle.

Den Aktionären und Journalisten stellte sich Zumwinkel auf der Hauptversammlung allerdings nicht. Angeblich konnte er nicht kommen, weil er krank war. Arcandor stellt sich vor seinen Aufsichtsrat: "Natürlich wurde auf der Hauptversammlung angesprochen, dass Verfahren gegen Zumwinkel laufen", sagt ein Konzernsprecher. "Aber bis auf Weiteres gilt die Unschuldsvermutung." Zumwinkel und seine Berater hoffen derweil offenbar darauf, dass die Staatsanwälte am Ende weniger in der Hand haben, als sie sich erhofft hatten. Ganz egal wie die Ermittlungen gegen Zumwinkel ausfallen: Der Manager braucht sich keine Sorgen zu machen, für alle Zukunft als Rentner das Haus hüten zu müssen. "Spätestens wenn eine Schamfrist von zwei Jahren verstrichen ist, kann er bei einem internationalen Unternehmen als Berater einsteigen", glaubt Christoph Zeiss, Partner der Personalberatung Heads. "Für einen Private-Equity-Investor oder eine Investmentbank wären Zumwinkels Kontakte Gold wert."

Auf einen lukrativen und prestigeträchtigen Beraterposten hätte der Ex-Post-Chef selbst dann Aussichten, wenn er wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe verurteilt werden sollte, meint Zeiss. Höchstens deutsche Konzerne könnten dann aus Image-Gründen darauf verzichten, Zumwinkel zu engagieren. Für ausländische Firmen stünde dagegen der Nutzen im Vordergrund, den Zumwinkel ihnen bringen würde. "Für angelsächsisch geprägte Investmentbanken zum Beispiel würde eine Verurteilung keine Rolle spielen", sagt Zeiss. "Die sehen das nicht so eng."

Finanziell kann sich Zumwinkel die Wartezeit bis zu seinem nächsten Job leisten. Zwar bekommt er von der Post keine Abfindung und kein weiteres Gehalt. Geldsorgen hat er dennoch nicht: Von seinem Vater hat er ein beträchtliches Vermögen geerbt. Und von der Post bezieht er eine Pension in Höhe von 90000 Euro pro Monat.