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Weltwirtschaft: Greenspan feiert den Euro

Alan Greenspan lobt die Europäer und ihre Währung. In einem Gespräch mit dem stern und in einem Vorwort zur deutschen Ausgabe seiner Memoiren erklärt der ehemalige US-Notenbankchef, warum der US-Dollar als weltweite Reservewährung einen ernstzunehmenden Konkurrenten bekommen hat.

Von Norbert Höfler

Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan hält es "für durchaus denkbar", dass der Euro den US-Dollar als Reservewährung ablöst, oder als "gleichrangige Reservewährung gehandelt wird". Dies sagte Greenspan in einem Gespräch mit dem Magazin stern, das am Donnerstag erscheint. Als Reservewährung liege der US-Dollar immer noch vorn, so Greenspan zum stern, doch er habe "keinen allzu großen Vorsprung mehr". Die Europäische Zentralbank (EZB), lobt Greenspan, habe sich "zu einer ernstzunehmenden Kraft in der Weltwirtschaft entwickelt, zu einem internationalen Machtfaktor".

Auch im Vorwort zur deutschen Ausgabe seiner Memoiren ("Mein Leben für die Wirtschaft", VÖ 17.9.07) im Buchhandel sind, lobt Greenspan die Euro-Notenbanker und ihre Währung. Die Memoiren des inzwischen 81-jährigen Wirtschaftsexperten unterlagen bis dahin einer strengen Sperrfrist. Der US-Verlag Penguin hütete das Manuskript wie ein Bankgeheimnis, denn Greenspan, der von 1987 bis 2006 Chef US-Notenbank Federal Reserve (kurz "Fed") war, kann mit seinen Analysen auch heute noch die Finanzmärkte der Welt bewegen.

"Große Bedenken" gegen den Euro

Greenspan bekennt, dass er im Vorfeld der Euro-Einführung Anfang der neunziger Jahre "große Bedenken" hatte, ob sich eine Zentralbank mit der Machtstellung der viel gerühmten Deutschen Bundesbank auf den gesamten Kontinent übertragen lasse. "Vor allem war ich keineswegs sicher", schreibt Greenspan, "dass eine Europäische Zentralbank funktionieren würde."

Respekt vor europäischen Kollegen

Heute sei die EZB eine historisch einmalige Einrichtung, eine unabhängige Zentralbank, die den alleinigen Auftrag habe, die Preisstabilität in einem Wirtschaftsraum zu garantieren, der mehr als ein Fünftel des Weltinlandsproduktes erziele. "Es war eine außergewöhnliche Leistung und ich staune bis heute, was meine europäischen Kollegen aufgebaut haben", lobt Greenspan.

Als Reservewährung hole der Euro gegenüber dem US-Dollar immer weiter auf, stellt Greenspan fest. Ende 2006 habe der Euro bereits 25 Prozent der Zentralbankreserven und 39 Prozent aller grenzüberschreitenden liquiden privatwirtschaftlichen Forderungen ausgemacht. Der US-Dollar habe mit 66 Prozent beziehungsweise 43 Prozent keinen allzu großen Vorsprung mehr. Die Wirtschaft der Euro-Länder habe von der Stärke der neuen Währung profitiert. Wie im Falle des US-Dollar, so Greenspan, habe die Verwendung des Euro als Reservewährung zu einem Rückgang der Zinsen in der Eurozone geführt, was "zweifelsohne zum gegenwärtigen europäischen Wirtschaftswachstum beigetragen hat".

Der stern veröffentlich am Donnerstag das ausführliches Gespräch mit Alan Greenspan.

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