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Künftige Notenbank-Chefin: Janet Yellen soll über Amerikas Geld herrschen

Sie beriet einst Bill Clinton und soll in die Fußstapfen von Ben Bernanke und Alan Greenspan treten. US-Präsident Barack Obama will Janet Yellen zur Notenbankchefin machen.


Die US-Notenbank Fed soll erstmals in ihrer 100-jährigen Geschichte von einer Frau geleitet werden. US-Präsident Barack Obama will Fed-Vizechefin Janet Yellen an die Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt berufen, wie das Präsidialamt mitteilte. Obama werde seine Entscheidung an diesem Mittwoch (21 Uhr MESZ) im Weißen Haus bekanntgeben. Dabei soll auch Fed-Chef Ben Bernanke anwesend sein, dessen zweite Amtszeit am 31. Januar ausläuft und der kein drittes Mal antreten will.

Die Nominierung der ersten Frau an der Spitze der Fed muss vom Senat bestätigt werden und käme inmitten eines schweren Finanzstreits in Washington. Die US-Regierung muss derzeit ohne Haushalt operieren, nachdem sich der Kongress nicht auf einen Übergangsetat hatte verständigen können. Teile der Verwaltung der USA stehen still. Außerdem herrscht Uneinigkeit über die Mitte Oktober anstehende Erhöhung des US-Schuldenlimits.

Beliebt in beiden politischen Lagern

Yellen hat offenbar wenig politische Gegner - sie genießt nicht nur bei Obamas Demokraten einen exzellenten Ruf, sondern auch bei den oppositionellen Republikanern. Seit den 70er Jahren arbeitete die Ökonomin immer wieder für die Fed in Washington. Sie war später auch Chefin der Notenbank in San Francisco. Zwischendurch beriet sie den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton.

Die künftige Fed-Präsidentin tritt in große Fußstapfen. Auf dem Chefsessel der US-Notenbank saßen bereits solch illustre Persönlichkeiten wie Paul Volcker und Alan Greenspan. Yellen ist eine anerkannte Ökonomin, die sich intensiv mit Theorien der Geldpolitik befasste. Sie studierte in Yale und lehrte mehr als ein Jahrzehnt in Berkeley. Von 1994 bis 1997 gehörte sie erstmals der Fed-Spitze an. Sie trug wesentlich dazu bei, die Kommunikation der Notenbank mit den Finanzmärkten klarer und präziser zu machen.

Strom des billigen Geldes dürfte weiterfließen

Yellen hat den Ruf einer geldpolitischen "Taube", die dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit durch billiges Zentralbankgeld Vorrang gegenüber einer niedrigen Inflation einräumt. Sie dürfte die ultralockere Geldpolitik der Federal Reserve nach der Wirtschafts- und Finanzkrise zunächst fortsetzen. Der Leitzins verharrt seit Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Dazu pumpt die Fed mit dem Aufkauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren derzeit monatlich 85 Milliarden Dollar in den Wirtschaftskreislauf. Obamas Entscheidung für Yellen dürfte an den Finanzmärkten wohlwollend aufgenommen werden, da sie auf ein weiterhin niedriges Zinsniveau spekulieren können. Bereits als die 67-Jährige nach Summers' Rückzug als neue Top-Anwärterin auf den Chefposten feststand, legten die Börsen zu. Allerdings haben auch "Tauben" wie Bernanke und Yellen angedeutet, dass die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihenkäufe bald drosseln könnte.

Derzeit Bernankes Stellvertreterin

Yellen ist seit 2010 Bernankes Stellvertreterin und rückte in die Favoritenrolle, nachdem Obamas Wunschkandidat Lawrence Summers im September seine Bewerbung zurückgezogen hatte. Gegen eine Nominierung des Wirtschaftsprofessors der Eliteuniversität Harvard hatte sich Widerstand formiert, im Senat signalisierten Vertreter von Obamas Demokraten ihre Ablehnung. Sie warfen Summers vor, in den 1990er Jahren in der Regierung von Clinton mit einer Deregulierung der Finanzindustrie den Grundstein für die im Jahr 2008 eskalierte Finanz- und Wirtschaftskrise gelegt zu haben.

Angesichts der parteipolitischen Ränkespiele im Senat könnte sich der Bestätigungsprozess für Yellen noch einige Monate hinziehen, sie hat aber die Unterstützung von einflussreichen demokratischen Senatoren. "Ich habe keinen Zweifel, dass sie eine exzellente Chefin der Federal Reserve sein wird", sagte Senator Tim Johnson, der dem Bankenausschuss der Kongresskammer vorsitzt. Der Ausschuss ist die erste Hürde für Yellens Bestätigung im Senat, wo Obamas Demokraten eine Mehrheit haben. Johnson sagte, mit seinen Kollegen darauf hinwirken zu wollen, die die Personalie "zeitnah" voranzubringen.

anb/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters