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Wirtschaftsnobelpreis: Konfliktforscher ausgezeichnet

Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaft geht an zwei Wissenschaftler aus Israel und den Vereinigten Staaten. Durch ihre Arbeiten können ökonomische Konflikte - wie etwa Preis- und Handelskriege - besser erklärt werden.

Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht an den in Deutschland geborenen Israeli sowie US-Bürger Robert J. Aumann (75) und Thomas C. Schelling (84) aus den USA. Das teilte die schwedische Wissenschaftsakademie in Stockholm mit. Beide werden für ihre Arbeiten zu Konflikt und Kooperation in der Spieltheorie ausgezeichnet. Der Wirtschaftsnobelpreis geht nicht direkt auf das Testament des Preisstifters Nobel zurück, sondern wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank "im Gedenken an Alfred Nobel" geschaffen. Der Preis ist wegen der Dominanz von Auszeichnungen an US-Bürger umstritten.

Mit Spieltheorie Handelskriege verstehen

Aumann und Schelling hätten mit ihrer Arbeit daran mitgewirkt, ökonomische Konflikte - wie etwa Preis- und Handelskriege - besser erklären zu können, hieß es in der Jury-Begründung. Aumann zeigte sich über seine Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft "völlig überrascht". "Ich hatte wirklich keine Ahnung", sagte der in Frankfurt geborene Mathematiker, der für seinen Beitrag zur Spieltheorie ausgezeichnet wurde. "Aber ich freue mich natürlich enorm." Aumann, der 1938 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten aus Deutschland in die USA floh, lebt seit 1956 in Israel und lehrt an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Die Spieltheorie oder Theorie der strategischen Spiele wurde in den 50er Jahren entwickelt. Sie will das Verhalten rationaler Spieler mathematisch analysieren, Strategien für Entscheidungen entwickeln und genaue Handlungsanweisungen in Konfliktsituationen geben. Rationale Spieler sind Spieler, die nur logisch denken und ihr Gefühl in einer Entscheidungssituation ausklammern.

Nicht Glück und Zufall, auch Strategie entscheidet

Ausgangspunkt der Spieltheorie sind Gesellschaftsspiele, deren Ausgang nicht nur vom bloßen Zufall abhängen wie die Glücksspiele, sondern von der Strategie der Spieler, die unter Beachtung der Spielregeln ihren Vorteil suchen. Schach, Go oder Poker standen also Pate für die Entwicklung der Spieltheorie. Es gibt die nicht- kooperative Spieltheorie - die Gegner spielen gegeneinander, ihre persönlichen Interessen widersprechen einander - und die kooperative Spieltheorie. Dabei kommt es auf Koalitionen und die Optimierung gemeinsamer Interessen an.

Angewendet wird die Spieltheorie in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wie etwa bei Entscheidungsproblemen im wirtschaftlichen Wettbewerb, bei militärischen Auseinandersetzungen, Wahlkämpfen politischer Parteien oder Abstimmungsvorgängen in Parlamenten und anderen Gremien.

Ohne Nash ginge gar nichts

John F. Nash entwickelte im Rahmen der Spieltheorie das Nash-Gleichgewicht. Das Nash-Gleichgewicht besagt, dass sich alle Spieler bei gegebenen Aktionen der anderen Spieler optimal verhalten. Im Gleichgewicht sind also alle Spieler mit ihrer Situation zufrieden. Hierbei wird jedoch nicht zwischen sinnvollen und sinnlosen Lösungen unterschieden. Die Wirtschafts-Nobelpreisträger von 1994, der Deutsche Reinhard Selten und John C. Harsanyi, haben darum das Nash-Gleichgewicht verfeinert zum "teilspielperfekten Gleichgewicht". Dabei werden weitere rationale Anforderungen formuliert und damit sinnlose Lösungen des Nash-Gleichgewichts ausgegrenzt. Auch Nash war in dem Jahr mit dem Wirtschafts-Nobelpreis geehrt worden.

DPA / DPA