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Umweltverschmutzung Plastik gilt als recycelt, wenn es ins Ausland exportiert wird – wie Deutschland zur Plastikkrise beiträgt

Plastik
Nur etwa 38 Prozent des Plastikmülls werden tatsächlich recycelt, der Rest wird verbrannt oder ins Ausland exportiert.
© Rafiq Maqbool / DPA
Die Welt versinkt im Plastik und die Deutschen befeuern die Krise, obwohl wir uns lange als Recycling-Weltmeister gerühmt haben. Die Realität aber sieht anders aus. Das haben die Heinrich-Böll-Stiftung und der "BUND" im "Plastikatlas" veröffentlicht. 

Deutschland ist einer der größten Standorte für Kunststoffproduzenten und Kunststoffverarbeiter in Europa. Ein Grund dafür, warum wir eine große Verantwortung für die weltweite Plastikverschmutzung tragen. Aber wir recyclen doch Plastik, oder? Ja, aber nicht in dem Maße, wie es sein müsste. Zu diesem Ergebnis kommen die Heinrich-Böll-Stiftung und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die den "Plastikatlas" veröffentlicht haben.

Der Atlas sammelt Fakten über die Umweltschädlichkeit von Plastik. Demnach wurden zwischen den Jahren 1950 und 2015 weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Das entspricht mehr als einer Tonne pro Mensch, der heute auf der Erde lebt. Den allergrößten Teil machen Einwegprodukte und Verpackungen aus. Und der Berg wächst: Allein der Getränkehersteller Coca-Cola verbraucht dem Atlas zufolge jährlich 88 Milliarden Einwegflaschen - aneinandergereiht reiche das 31 Mal zum Mond und zurück.

Nur 38 Prozent Plastik wird recycelt

Es sei Wunschdenken, erklärt Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender, dass wir Deutschen Recycling-Weltmeister seien. Fakt ist, dass Deutschland weniger Müll wiederverwertet als häufig angenommen wird. Über 60 Prozent des in Deutschland gesammelten Verpackungsmülls werden verbrannt. Nur etwa 38 Prozent des Plastikmülls werden tatsächlich recycelt. Das Problem: Plastik gilt bereits als recycelt, wenn es ins Ausland exportiert wird. Der Müll wird häufig in Drittländer exportiert. Asiatische und afrikanische Länder werden demnach zu unseren Müllkippen. "Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, schaffen wir Gesundheits- und Umweltprobleme mit bislang unabsehbaren Folgen für uns und die nachfolgenden Generationen", sagt Weiger.

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Plastikmüll ist eine globale Krise

Die Bundesrepublik ist dabei der weltweit drittgrößte Exporteur von Plastikmüll - nach den USA und Japan. Bisher war der größte Abnehmer China, der hat im vergangenen Jahr einen Exportstop verhängt. Auch Nachfolger Malaysia möchte die Müllmengen deutlich reduzieren. Wir drohen auf unserem Müll sitzen zu bleiben. Was ist also die Lösung? Umweltschützer fordern, die Produktion von Einwegplastik deutlich zu reduzieren. Ein EU-Gesetz diesbezüglich ist bereits auf dem Weg und ein Schritt in die richtige Richtung. Demnach sollen bis 2021 Plastikstrohhalme und Einwegprodukte aus Plastik EU-weit verboten werden. Bis 2030 sollen alle Kunststoffverpackungen recycelbar sein.

Die Plastikkrise ist eine globale Krise, die durch staatliche Regulierung weltweit angegangen werden muss. Seit Beginn der Plastikproduktion Mitte des 20. Jahrhunders wurden rund 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoffe produziert - davon 44 Prozent erst seit 2000.

Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung fordern daher von der Politik Maßnahmen zur weltweiten Lösung der Plastikkrise zu ergreifen. Dazu müssen auch die Hersteller und die petrochemische Industrie in die Verantwortung gezogen werden, die sich am Plastik nach wie vor bereichern. "Wenigen ist bewusst, dass Kunststoffe ursprünglich ein Abfallprodukt der petrochemischen Industrie waren. Bis heute sind ExxonMobil, BASF, Eni, INEOS, und Dow die größten Plastikproduzenten weltweit. Sie beherrschen mit insgesamt fast 420 Milliarden Euro Umsatz den globalen Markt und planen, die Produktion in den nächsten Jahren weiter auszubauen", sagt Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.

dsw / mit AFP

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