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Reisen: "Verkauf, oder wir machen dich kaputt"

Alltours-Chef Willi Verhuven hält nicht viel von großen Konzernen. Der ständige Drang zur Größe könnte gefährlich sein, besonders aber der Druck anderer, großer Unternehmen.

Alltours-Chef Willi Verhuven hält nicht viel von großen Konzernen. Verhuven, dem Deutschlands viertgrößtes Reiseunternehmen mit rund 1.600 Beschäftigten gehört, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Ich wäre eher dafür, dass sich Mittelständler anderer Branchen dem Kampf gegen die Globalisierung anschließen. Dann würde es der ganzen Wirtschaft besser gehen."

Drang zur Größe ist gefährlich

Der zwanghafte und hochgelobte Drang zur Größe könne durchaus gefährlich werden. "Je größer ein Konzern, umso mehr Missmanagement kann durch eine Person umgesetzt werden." Verhuven, dessen Unternehmen nach seinen Angaben keinerlei Verbindlichkeiten hat, ist zudem Stolz darauf, sich "gegen den Druck der Konzerne behauptet zu haben".

Düstere Branchengepflogenheiten

Im Gespräch mit der Zeitung gab der 1950 geborene Unternehmer zudem einen Einblick in Branchengepflogenheiten: "Verkauf, oder wir machen dich kaputt", nach dieser Devise sei mit ihm umgegangen worden. „Da wurden alle Register gezogen: Behinderung beim Hotel-Einkauf, beim Flugeinkauf, beim Vertrieb der Reisen. Bis zum Versuch, mir die Freude an der Firma zu verleiden. Einmal wurde mein zweiter Mann abgeworben, samt 40 Managern aus dem Unternehmen“, berichtete Verhuven.

Kein Geld mehr für Übernahmen

Jetzt allerdings könnten die Großen sein Unternehmen nicht mehr kaufen, "nach dem, was sie sich alles an Fehlern geleistet haben". Ihnen sei schlicht das Geld für eine Übernahme ausgegangen. Alltours hatte auch in seinem Geschäftsjahr 2002/2003 der allgemeinen Reiseflaute getrotzt und den Umsatz um 7,5 Prozent auf gut eine Milliarde Euro gesteigert. Die Zahl der Buchungen stieg um 6,2 Prozent auf knapp 1,4 Millionen. Verhuven kündigte in dem Interview zugleich an, sich aus dem Tagesgeschäft seines Unternehmens zurückziehen zu wollen, zwei Geschäftsführer sollen ihn entlasten. "Ich möchte ein bisschen mehr Freizeit haben, mich amüsieren und mich auch mal um andere Dinge kümmern." Dennoch behalte er die Unternehmens-Strategie im Auge.

DPA
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