Spanien "Tarnanzug" für Zigaretten


Spaniens Raucher verteidigen ihr Paradies - daran können auch die drastischen Warnungen wenig ändern, die fortan auf den Schachteln aufgedruckt sein müssen. Und so verdecken viele die Hinweise lieber, als dass sie sich ein schlechtes Gewissen machen lassen.

So einfach lassen Spaniens Raucher sich die Lust am Qualmen nicht verderben. Daran können auch die drastischen Warnungen wie "Rauchen ist tödlich" wenig ändern, die seit Monatsbeginn auf den Zigarettenschachteln aufgedruckt sein müssen. Viele spanische Raucher verdecken die Warnhinweise lieber, als dass sie sich ein schlechtes Gewissen machen lassen.

"Ich lasse mir nicht jedes Mal, wenn ich zur Zigarette greife, das Leben vermiesen", meint ein Kunde in einem Madrider Tabakladen trotzig - und lässt die gerade erstandenen Zigaretten in einer Papphülle verschwinden. Solche Hüllen, in die genau eine Zigarettenschachtel passt, sind in Spanien zu einem Renner geworden. Auf ihnen sieht der Raucher grüne Blätter, Liebesherzen oder gelbe Entlein - und nicht die im Stil von Todesanzeigen gehaltenen Warnungen.

Vorräte bereits ausverkauft

In vielen Tabakläden waren die Vorräte an "Tarnanzügen" oder "Präservativen", wie die Hüllen im Volksmund genannt werden, in kürzester Zeit ausverkauft. Manche Geschäfte bieten auch Aufkleber an, die in Größe und Aufmachung mit den Warnungen identisch sind. Nur statt "Rauchen kann tödlich sein" steht dort: "Rauchen entspannt die Nerven" oder "Arbeiten schadet der Gesundheit".

Spanien gilt als ein Raucherparadies in Europa, und dieses Paradies wollen die Tabakfreunde sich nicht so ohne weiteres nehmen lassen. Das gilt nicht nur für die Raucher selbst, sondern auch für die Hersteller. Die Produzenten scheinen einen Trick gefunden zu haben, das Verbot von Aufschriften wie "Light" wirkungslos verpuffen zu lassen. Die Industrie hebt die Packungen ihrer "Light"-Zigaretten schon seit langem farblich von den anderen ab. Die Raucher identifizieren bestimmte Farben mit angeblich milden Zigaretten. Und sie kaufen diese Packungen wie bisher, auch wenn jetzt nicht mehr "Light" darauf steht. Anti-Raucher-Verbände forderten vergeblich, den Verkauf solcher Marken zu verbieten.

Rauchverbote waren in Spanien schon immer eher lax gehandhabt worden. Seit 1988 ist in den meisten öffentlichen Einrichtungen das Rauchen zwar gesetzlich untersagt. Dennoch wird auf Bahnhöfen, in Universitäten und manchmal sogar an Tankstellen bis heute gequalmt. "Passiv-Raucher finden in Spanien nirgends ihren Frieden", stellte die Zeitung "El País" fest. Víctor López, Sprecher des Verbandes der Tabak-Gegner, ergänzt: "Soweit wir wissen, musste in Spanien noch nie ein Raucher wegen Verstoßes gegen das Rauchverbot eine Geldbuße zahlen."

Zigaretten so billig wie in kaum einem anderen EU-Land

Wie in anderen europäischen Ländern ging der Tabakkonsum in Spanien in den vergangenen Jahren zurück. Aber in diesem Jahr ist der Trend wieder steigend. Zwölf Millionen Spanier - ein Drittel der Gesamtbevölkerung - greifen regelmäßig zum Glimmstängel. Medizinerverbände forderten, die Regierung solle den Rauchern an die Geldbörse gehen und die Tabaksteuer drastisch anheben. In kaum einem anderen EU-Land sind die Zigaretten so billig wie in Spanien. Eine Packung der billigsten Marke ist für 1,50 Euro zu haben, die teuersten Importmarken kosten 2,75 Euro. Das Finanzministerium lehnt jedoch eine Erhöhung der Tabaksteuer ab, weil es dadurch einen Anstieg der Inflationsrate befürchtet.

Hubert Kahl DPA

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