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"Die Stunde Null" Britische Impfkampagne: "Der Erfolg hat nichts mit dem Brexit zu tun"

Alastair Campbell
Alastair Campbell war einer der wichtigsten Berater von Tony Blair
© Dave Howarth/empics / Picture Alliance
Wie steht es um die Beziehungen von Großbritannien zur EU? Im Podcast spricht Alastair Campbell über Brexit, Impfnationalismus und Populisten – und die Folgen für das britisch-deutsche Verhältnis.
Von Verena Mayer
Nach langjährigen Brexit-Debatten, pandemiebedingten Grenzschließungen und dem jüngsten Kampf um Impfstoffe ist das Verhältnis zwischen EU und Großbritannien an einem Tiefpunkt angelangt. Zuletzt ging es um eventuelle Ausfuhrverbote für Impfstoffe und die grundlegende Frage, wer das bessere Corona-Management hat. "Diese Impfkampagne ist ein Erfolg, das erkenne ich an, und ich bin sehr glücklich. Aber es hat nichts mit dem Brexit zu tun," sagt der britische Politikberater, Journalist und Autor Alastair Campbell im Podcast "Die Stunde Null"
Er kritisiert die Versuche der Regierung, die Erfolge beim Impfen zu instrumentalisieren – Brexit-Befürworter sehen sie als Beleg, dass es richtig war, die EU zu verlassen. "Jemand in Brüssel hat den dummen Fehler gemacht, den Brexit mit dieser Impfkampagne zu vermengen", sagt Campbell.

"Eine Geschichte voller Lügen"

Der heute 63-Jährige hat die britische Politik jahrzehntelang geprägt. Er war unter anderem Regierungssprecher und "Spin Doctor" von Tony Blair. Nach dem Brexit-Referendum unterstützte er die "People's Vote"-Kampagne, die sich – erfolglos – für eine Neuauflage des Referendums einsetzte. 
"Wir müssen erkennen, dass die Geschichte des Brexits von Anfang an eine Geschichte voller Lügen war", sagt er. An der britischen Regierung übt er scharfe Kritik. Premierminister Johnson sei ein Populist, dem es nur um sein politisches Interesse und seine politische Strategie gehe. "Dafür muss er diese Art Krieg mit Europa führen." Die Schuld für Probleme werde konsequent auf die EU abgewälzt. Gleichzeitig fehle es der britischen Regierung an der Fähigkeit, eigene Fehler einzugestehen – so auch im Umgang mit der Corona-Krise. "Wir dürfen nie vergessen, wie Johnson am Anfang war. Die Fehler, die gemacht worden sind. Und wir haben diese katastrophalen Todesfälle."
Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":
  • Was der britische Autor an der deutschen Sprache schätzt
  • Wie Alastair Campbell auf die 16 Jahre der Regierungszeit von Angela Merkel zurückblickt – und warum er ihren Politikstil gerade jetzt schätzt
  • Wie er sich in Pandemiezeiten gesund hält und was ein Marmeladenglas damit zu tun hat

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