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"Die Stunde Null" "Wir sind auf der Überholspur": Biotech-Investorin spricht über die Impfstoffsuche

Impfstoff
Weltweit wird mit Hochdruck an Impfstoffen gegen Sars-CoV-2 geforscht
© Getty Images
Regina Hodits investiert als Wagniskapitalgeberin in die Pharma-Branche. Beim Rennen um den Corona-Impfstoff beeindruckt sie das Tempo, sie sieht aber auch in Europa Versäumnisse.

Es ist das wichtigste und zugleich spannendste Wettrennen seit Monaten: Weltweit bemühen sich Unternehmen darum, so rasch wie möglich einen Impfstoff gegen Covid-19 zu finden und für Milliarden Menschen bereit zu stellen. Pharmakonzerne, Biotech-Startups, Kliniken und Universitäten suchen, forschen und testen. Mal mit mehr staatlicher Hilfe, mal mit weniger – aber immer wird ungeheuer viel Kapital benötigt. Der Kampf um den Impfstoff droht auch ein Verteilungskampf zu werden – und Teil von Wahlkämpfen und nationaler Propaganda.

Dennoch zeigen sich manche Experten eher optimistisch. "Was wir in den letzten neun Monaten gesehen haben, war für viele Leute in der Industrie unvorstellbar", sagt Regina Hodits im Podcast "Die Stunde Null". Durch die weltweite Kooperation sei man bei der Suche nach einem Impfstoff "auf der Überholspur". Hodits investiert für die Risikokapitalgesellschaft Wellington Partners seit 20 Jahren in diese Branche, in so genannte Biotechs. Das Tempo, mit dem derzeit an einem Impfstoff gearbeitet wird, hält sie für herausragend. "Normalerweise würde es bei einem solchen Impfstoff sieben, acht Jahre dauern, bis der Gipfel in Sicht ist", sagt die promovierte Biochemikerin. "Jetzt hat man den Gipfel schon in einem Jahr in Sicht." 

Zeit, die Dinge neu zu sehen
Dieser Text ist Teil der Initiative "Zeit, die Dinge neu zu sehen" der Bertelsmann Content Alliance, zu der auch der Verlag Gruner+Jahr gehört, in dem der stern erscheint. Gemeinsam wollen wir dazu anregen, den Blick auf positive Aspekte der Veränderungen nach der Corona-Pandemie zu richten, neue Perspektiven einzunehmen und den aktuellen wie zukünftigen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen. Mehr Informationen gibt es unter www.zeit-die-dinge-neu-zu-sehen.de.

Aus Hodits' Sicht können die Erfahrungen, die jetzt gesammelt werden, auch in Zukunft hilfreich sein – wenn neue Coronaviren kommen, für die ebenfalls Impfstoffe gebraucht werden. Hodits sieht allerdings auch Probleme, und das vor allem in der EU. "Europa hatte im Jahr 2000 noch vier, fünf große Standorte, an denen Impfstoffe entwickelt wurden. Dann wurden die Kapazitäten aber alle abgezogen", berichtet die Investorin. Diese Produktionsmöglichkeiten müssten jetzt erst mühsam wieder aufgebaut werden. Aus Hodits' Sicht wäre es ein Weg, die Entwicklung wichtiger Medikamente und Impfstoffe wie Rettungspakete für die Wirtschaft in der EU zu verfolgen: als gemeinsame und vor allem koordinierte Anstrengung. "Da muss man sicher stellen, dass die nationalen Interessen nicht vor den Interessen der Einzelstaaten liegen", sagt Hodits, die auch Sprecherin des Vorstands des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) ist.

Mit einem Fondsvolumen von rund 800 Millionen Euro und Büros in London, München, Palo Alto und Zürich investiert Wellington in junge Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Digitale Medien, Cleantech, Software, Medizintechnik und Biotechnologie. Seit 1998 hat die Gesellschaft in mehr als 100 Unternehmen ihr Geld gesteckt.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null"

  • wo es die größten Engpässe bei der Versorgung mit Impfstoffen gibt
  • warum künftige Coronaviren vielleicht einfach nur wie Grippe behandelt werden könnten
  • weshalb es selbst an Glasfläschchen mangeln kann.

"Die Stunde Null" gibt es direkt bei Audio NowApple oder Spotify oder via Google.

Capital

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