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Wohnungsbau in Großstädten: Unten einkaufen, oben wohnen: Lidl mischt sich in den Münchner Wohnungsmarkt ein

Unten rollende Einkaufswagen, oben moderne Wohnungen mit Blick auf den Filialparkplatz: Lidl plant ein neues Gebäude, das Wohnen und Einzelhandel verbindet. Auf den knappen Flächen der deutschen Großstädte ist das eine ernstzunehmende Idee.

Lidl drängt auf den Wohnungsmarkt

In mehreren Städten tüftelt Lidl derzeit an Gebäuden mit Wohnflächen. Die Abbildung zeigt einen geplanten Neubau in Frankfurt.

In München ist die Wohnungsnot groß, das wissen auch die Manager der Discounter-Kette Lidl und wagen ein Projekt, das auf den ersten Blick wenig verlockend klingt: 10.000 Quadratmeter Wohnfläche sollen über einer neu gebauten Filiale in München-Sendling entstehen.

Wie die "Abendzeitung München" berichtet, will das Unternehmen eine vorhandene Filiale in der Tübinger Straße abreißen, um das geplante Gebäude zu errichten. Die Filiale soll eine Verkaufsfläche von 1700 Quadratmetern und 110 Parkplätze haben. Nach Angaben der städtischen Wohnungsgesellschaft Gewofag finden Gespräche zu dem Projekt schon seit Anfang letzten Jahres statt. Jetzt ist die Bauanfrage bei der Stadt eingereicht. 

Lidl plant mehrere Wohnungsprojekte in München

Auch in den Münchner Stadtteilen Obermenzing und Schwabing sollen Mischgebäude dieser Art entstehen. In Obermenzig kaufte Lidl kürzlich ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück von McDonald's. "Die Filiale soll über rund 800 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügen, in den Obergeschossen sollen zwischen 30 und 36 Wohnungen entstehen", sagte ein Lidl-Sprecher gegenüber der Münchner Zeitung "tz". Im nördlichen Schwabing ist ein Lidl-Gebäude geplant, das über der Filiale mit 12.000 Quadratmeter Bürofläche aufwartet. 

Auch wenn eine Wohnung über Discounter-Filialen nicht nach ganz großem Wohntraum klingt, die Idee hat seine Berechtigung. Besonders in München sind die Flächen zum Wohnungsbau knapp bemessen, es gibt kaum noch verfügbares Bauland. Schon 2016 wurden deshalb erste Parkplätze mit Holzbau-Wohnungen auf Stelzen überbaut. Damals appellierte der Münchner Oberbürgermeister an die großen Einzelhandelsketten, sich Gedanken um eine mehrseitige Nutzung ihrer Flächen zu machen. Das ist jetzt geschehen. In Hamburg will man Supermarktketten zukünftig nur einen Neubau oder Modernisierungen genehmigen, wenn über den Filialen Wohnraum geplant wird. Im Stadtteil Eimsbüttel sind derlei Wohnungsforderungen schon an jeden Bauantrag großer Handelsketten geknüpft. Auch in Berlin und Frankfurt werden zahlreiche Mischgebäude geplant. Da bekommt es eine ganz neue Bedeutung, wenn man auf dem Heimweg noch schnell in den Supermarkt huschen möchte.

Quellen: "Abendzeitung München", "tz"

Handprodukte im Supermarktregal
sve
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