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Medizinische Versorgung: Privat oder gesetzlich krankenversichert - wann sich ein Wechsel lohnt

Die private Krankenversicherung bietet bessere Leistungen - aber im Alter werden hohe Beiträge fällig. Daher sollte ein Wechsel gut überlegt sein. "Finanztest" erklärt, für wen ein Wechsel der Krankenversicherung in Frage kommt und gibt Entscheidungshilfen.

Ein mann mit Beinbruch im Krankenhaus

Privat oder gesetzlich krankenversichert? Finanztest macht den Check.

Getty Images

Schneller einen Termin beim Arzt bekommen, bessere Versorgung und innovative medizinische Behandlung: Die Vorteile der privaten Krankenversicherung sind bekannt. Doch es drohen im Alter hohe Beiträge. Lohnt sich der Wechsel? Spätestens mit Mitte 30, so "Finanztest" würden Beamte, Selbstständige und gut verdienende Angestellte sich auf die Suche nach der richtigen Krankenversicherung machen. Aber wie soll man sich entscheiden? Die Wahl ist meist eine Entscheidung fürs Leben, denn wer einmal die gesetzliche Versicherung hinter sich lässt, kommt nur schwer wieder zurück.

Bei Ärzten sind Privatversicherte gern gesehen. Denn bei ihnen können sie die Untersuchungen und Behandlungen nach der amtlichen Gebührenordnung abrechnen. Kassenpatienten müssen sie dagegen wirtschaftlich behandeln, immer im Sinne der Kasse. Und so kommen privat versicherte Bürger in den Genuss von Chefarztbehandlungen und der Erstattung bei Zahnersatz - die Leistungen dürfen nicht gekürzt werden und sind umfangreicher als bei der gesetzlichen Versicherung.

Die monatlichen Kosten für eine private Krankenversicherung unterscheiden sich stark. Junge, gesunde Versicherte (Selbstständig) zahlen weniger, monatlich werden hier zwischen 440 und 660 Euro fällig. Angestellte zahlen zwischen 300 und 750 Euro. Beamte zahlen beim Testsieger "Concordia" monatlich nur rund 209 Euro. 

Privat versichert als Angestellter

Allerdings kann nicht jeder in die private Krankenversicherung wechseln. Arbeitnehmer müssen mindestens 60.750 Euro brutto im Jahr (5062,50 Euro monatlich) verdienen. Die Versicherungsbeiträge werden mit dem Arbeitgeber geteilt, allerdings ist der Anteil gedeckt - von der Firma kommen höchstens 351,66 Euro. Kinder brauchen einen privaten Vertrag, günstige Versicherungen kosten zwischen 100 und 200 Euro monatlich. Rutscht der Versicherte mit seinem Einkommen unter die Einkommensschwelle (oder wird ganz arbeitslos), wird er wieder gesetzlich versichert. Das gilt aber nur bis zu einem Alter von 55 Jahren, danach bleiben Menschen privat versichert - selbst, wenn sie Hartz IV beziehen.

Der Rat von Finanztest: Nur wer als Angestellter einen sicheren und sehr gut bezahlten Job hat, sollte sich privat versichern. Von Anfang an sollte für die späteren, höheren Beiträge Geld gespart werden. Und: Wer eine Familie hat, muss für jede Person einen eigenen Vertrag abschließen. Auch das sollte finanziell einkalkuliert werden. 

Privat versichert als Selbstständiger oder Freiberufler

Selbstständige müssen - wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung - auch bei der privaten den gesamten Versicherungsbeitrag selbst zahlen. Allerdings kann sich für sie ein Selbstbehalt lohnen: Monatlich werden die Beiträge reduziert, dafür muss der Versicherte im Fall einer Krankheit einen Teil der Kosten für Arzt und Medikamente selbst bezahlen. Selbstständige, die in den Ruhestand gehen, müssen die Beiträge weiterhin komplett allein schultern. Kinder sind - wie bei Angestellten - nicht mitversichert, sondern benötigen einen eigenen Vertrag. Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse ist nur möglich, wenn die Selbstständigkeit an den Nagel gehängt wird und der Versicherte einen sozialversicherungspflichtigen Job ausübt. Und: Bei der Grenze von 55 Lebensjahren ist Schluss mit dem Rückkehrrecht.

Der Rat von Finanztest: Wer als alleinstehender Selbstständiger hohe Einkünfte erzielt und sich früh versichert, bekommt eventuell sogar bessere Konditionen als bei der gesetzlichen Krankenkasse. Allerdings sollte man die steigenden Beiträge im Alter einkalkulieren. Schwanken die Einkünfte, ist die private Krankenversicherung riskant. 

Privat versichert als Beamter

Beamte können sich unabhängig vom Einkommen privat versichern. Auch Vorerkrankungen, die eigentlich eine Aufnahme fast unmöglich machen, sind bei einigen Anbietern kein Problem. Der Dienstherr zahlt keinen "Arbeitgeberzuschuss", sondern eine Beihilfe zu den Gesundheitskosten. Diese belaufen sich auf rund 50 Prozent der Kosten. Als Pensionäre steigt diese Beihilfe in der Regel auf 70 Prozent. Beihilfeberechtigte Kinder bekommen 80 Prozent Beihilfe, Ehepartner 70 Prozent - so muss nur eine Versicherung über verbleibende Prozente abgeschlossen werden. Als Beamter ist ein Rückkehrrecht in die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen. Wer über 55 Jahre alt ist und nicht mehr als Beamter, sondern als Angestellter arbeitet, kommt auch nicht mehr bei den gesetzlichen Krankenkassen zum Zug. 

Der Rat von Finanztest: Für Beamte lohnt sich die private Krankenversicherung. Durch die Beihilfen stellt die Finanzierbarkeit der Krankenversicherung im Alter kein Thema da. Lediglich Beamte der unteren Besoldungsstufen und Familien mit mehr als drei Kindern sollten prüfen, ob sich das Konstrukt rechnet. 

Finanztest hat in der Ausgabe 11/2019 die Angebote der privaten Krankenversicherungen geprüft und 120 Tarife getestet. Die Ergebnis und weitere Infos zum Thema bekommen Sie gegen Gebühr unter www.test.de.

kg