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Private Pflegeversicherung: Warum sich der Pflege-Bahr nur selten lohnt

Der Staat fördert private Pflegeversicherungen neuerdings mit 60 Euro im Jahr. Die Stiftung Warentest aber rät ab: Für die meisten Menschen seien ungeförderte Tarife besser. Das sollten Sie beachten.

Wer sich für den Pflegefall absichern will, muss privat vorsorgen

Wer sich für den Pflegefall absichern will, muss privat vorsorgen

Wer eine private Zusatzversicherung für den Pflegefall abschließt, bekommt seit Januar jährlich 60 Euro Zuschuss vom Staat. Der Vorteil: Auch ältere und kranke Menschen können sich ohne Vorbedingungen versichern. Die Stiftung Warentest hat nun 17 geförderte Tarife unter die Lupe genommen - und rät davon bis auf wenige Ausnahmen ab.

Besser kommen in der Untersuchung die ungeförderten Tarife weg. Sie leisten mehr, kosten aber auch mehr - zumindest beim Einstieg. Die Beiträge können allerdings über die Vertragslaufzeit unterschiedlich stark steigen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Unter welchen Voraussetzungen zahlt der Staat den Zuschuss?

Die Zulage von jährlich 60 Euro (monatlich fünf Euro) wird dann gezahlt, wenn der Beitrag für eine Pflege-Tagegeldversicherung bei mindestens 120 Euro pro Jahr liegt und der Vertrag eine spätere Leistung von wenigstens 600 Euro monatlich in Pflegestufe III vorsieht.

Welche Vorteile hat der sogenannte Pflege-Bahr?

Die Versicherer dürfen im Gegensatz zu den nicht geförderten Tarifen keine Gesundheitsprüfung verlangen. Das ist vor allem ein Vorteil für betagte Menschen und Kunden mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Die Versicherer dürfen sie nicht ablehnen und auch nicht wie sonst üblich Risikozuschläge erheben oder Leistungen ausschließen.

Reicht die geförderte Vorsorge für die Absicherung im Pflegefall?

Nein. Die 17 von Stiftung Warentest untersuchten Tarife bieten meist nur eine maximale Leistung von 600 bis 700 Euro im Monat - bei einer intensiven Pflege müssen die Verbraucher aber häufig 1500 bis 1800 Euro aus eigener Tasche finanzieren. Für die Pflegestufe 3 beispielsweise zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung 1550 Euro, ein Pflegeheimplatz kostet aber im Schnitt heute über 3200 Euro.

Was leistet die Zusatzversicherung gegen Demenz?

Die Leistungen bei Demenz (Pflegestufe 0) sind laut Stiftung Warentest bei gleichem Beitrag oft deutlich niedriger als in Tarifen ohne Zulage. Wer zum Beispiel mit 55 Jahren einen geförderten Tarif mit 25 Euro Monatsbeitrag abschließt, erhält bei Demenz eine Leistung von 35 Euro im Monat. Allein ein Tag in der Tagespflege für Demente kostet heute schon mehr als 70 Euro.

Welche Nachteile hat die geförderte Vorsorge noch?

Im Pflegefall können Versicherte Leistungen generell erst nach einer Wartezeit von maximal fünf Jahren in Anspruch nehmen. Zudem müssen Kunden auch im Pflegefall weiter Beitrag zahlen. Die Beitragsentwicklung ist dabei sehr ungewiss.

Für wen ist der Pflege-Bahr überhaupt geeignet?

Er ist nach Angaben der Verbraucherexperten allenfalls eine Alternative für junge Leute mit einer schweren Krankheit oder für Menschen, die wegen ihres hohen Alters oder einer Erkrankung keinen anderen Vertrag mehr bekommen. Allen anderen sei davon abzuraten.

Lohnt sich eine ungeförderte Pflege-Tagegeldversicherung?

Die besten der von Stiftung Warentest untersuchten 23 Tarife können die Finanzierungslücke im Pflegefall weitgehend schließen. Billig ist das aber nicht - nicht jeder kann die Beiträge auf Dauer zahlen. Die Versicherer dürfen die Beiträge erhöhen, wenn sie mehr für Pflegefälle ausgeben als ursprünglich kalkuliert. Weil die Beitragsentwicklung kaum zu überschauen ist, sollten unter 40-Jährige keine solche Versicherung abschließen.

Sind Kombinationstarife empfehlenswert?

Die von vielen Versicherern angebotene Kombination von geförderten und ungeförderten Tarifen ist laut Stiftung Warentest meist nicht zu empfehlen. Unter anderem sind die Leistungen bei Demenz eher schlechter als bei einem komplett ungeförderten Tarif.

Die komplette Untersuchung von Stiftung Warentest gibt es gegen Gebühr auf www.test.de/pflegezusatzversicherung.

bak/AFP / AFP