HOME

Schadensfälle: Katastrophen bringen Versicherer in Gefahr

Katrina, Ophelia, Stan, Wilma: Gerade jagt ein Hurrikan nach dem anderen durch den Golf von Mexiko. Deshalb rechnen Versicherungskonzerne in Zukunft mit noch höheren Schäden durch Naturkatastrophen als bisher - und suchen nach Lösungen.

Eine Kombination aus zwei oder drei Katastrophen von den Ausmaßen des Wirbelsturms Katrina oder der Anschläge auf das New Yorker World Trade Center am 9. September 2001 könne "katastrophale" Folgen für die Branche haben, meint Bradley Kading, Vizepräsident des Amerikanischen Rückversicherungsverbandes RAA am Donnerstag in Wien. Der Trend, sich immer mehr an küstennahen und damit stärker gefährdeten Regionen anzusiedeln, generell höhere Vermögenswerte und eine stärkere Versicherungsquote dürften künftige Schadensfälle noch höher ausfallen lassen als bisher, sagte der Experte anlässlich des Internationalen Jahrestreffens der Versicherungsverbände.

Das Finanzpolster schmilzt

Bisher habe die Versicherungsbranche - Erstversicherer und Rückversicherer, die ihrerseits die Risiken von Versicherungen abdecken - dank ihres starken Finanzierungspolsters auch Katastrophen größeren Ausmaßes ohne größere finanzielle Schäden überstanden. Daran ändert auch die jüngste Serie von Wirbelstürmen in den USA und Japan nichts, meinte Kading: "Die jüngsten Ereignisse bereiten uns keine Sorgen". Die von Katrina verursachten Schäden schätzte er auf 40 bis 45 Milliarden US-Dollar. (ca. 33,5 bis 37,7 Milliarden Euro). "Solche Ereignisse bedeuten den Verlust des Gewinns in einem Quartal", so Kading.

Ähnlich gut positioniert sei die Branche in Japan, eine der wegen seiner Erdbebenhäufigkeit am meisten gefährdeten Regionen der Welt: Obwohl Japan im Jahr 2004 von zehn großen Taifunen betroffen war und Schäden im Ausmaß von mehr als 700 Milliarden Yen (5,1 Mrd Euro) abdecken musste, "gab es keine einzige Insolvenz in der Versicherungsbranche. Die internationalen Ratingagenturen haben keine einzige japanische Versicherung in ihrer Bonität zurückgestuft", sagte Katsuo Matsushita, Chef des japanischen Versicherungsverbands.

Mangrovenwälder sollen vor Tsunamis schützen

Der "Klimawandel" wird auch für Erst- und Rückversicherungen verstärkt zum Thema, "auch wenn ein Zusammenhang mit dem häufigeren Auftreten von Naturkatastrophen noch nicht schlüssig nachgewiesen ist", meint Matsushita. Immer mehr würden sich Versicherungen bereits auch der Minimierung der Folgen von Naturkatastrophen widmen - etwa durch Anpflanzungen von Mangrovenwäldern zum Schutz vor Tsunamis in küstennahen Regionen oder durch die Einrichtung bzw. Verbesserung von Warnsystemen.

DPA / DPA