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Unterwegs im Ausland: Das bringen Reiseversicherungen

Ein gebrochenes Bein in den Bergen, ein Unfall mit dem Mietwagen - es gibt viele Vorfälle, die einem den Urlaub vermiesen können. Damit der Unfall nicht zum finanziellen Desaster wird, gibt es Reiseversicherungen. Einige sind sinnvoll, andere schlicht Abzocke.

Von Swantje Dake

Einen gelungenen Urlaub kann auch die beste Reiseversicherung nicht garantieren. Aber sie kann vor unerwarteten Kosten bewahren, die das Urlaubsbudget um ein Vielfaches sprengen würden. Für den Krankheitsfall in den Ferien gibt es ebenso eine Versicherung wie für den Unfall mit dem Mietwagen. Auch das Gepäck kann versichert werden. Teilweise werden bei der Buchung im Reisebüro Versicherungspakete angeboten, die vor allen möglichen und unmöglichen Zwischenfällen absichern sollen.

Während ein Teil der Versicherungen wichtig und sinnvoll sind, sind andere komplett überflüssig. Zumal die Pakete nur für den jeweiligen Urlaub gelten und bei der nächsten Reiseplanung wieder eine neue Versicherung abgeschlossen werden soll. Daher raten Verbraucherschützer von diesen Paketen ab. Schließt man Versicherungen einzeln ab, sind sie ein Jahr und damit theoretisch für mehrere Urlaube gültig. Aber auch da sind nicht alle Policen notwendig, denn vielfach decken Haftpflicht- und Hausratversicherung Schäden im Urlaub ab.

Reise-Krankenversicherung

Die Reise-Krankenversicherung übernimmt im Ausland die Kosten, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht gedeckt werden, auch wenn Deutschland mit den meisten europäischen Staaten Sozialversicherungsabkommen hat. Das kann eine ambulante Behandlung beim Arzt sein oder Verbandsmittel, aber auch Operationen, schmerzstillende Zahnbehandlungen und der Transport zum Krankenhaus mit dem Rettungsdienst. Stiftung Warentest hält eine Krankenversicherung für den Urlaub für unverzichtbar. Selbst für Privatversicherte lohnt sich eine Zusatzversicherung, wenn eine Selbstbeteiligung in der normalen privaten Krankenversicherung vereinbart ist. Denn die kann man sich sparen, wenn beim Auslandsaufenthalt Kosten anfallen. Die meisten Zusatzversicherungen zahlen ohne Selbstbehalt.

Wichtig ist diese Versicherung daher auf Fernreisen. Aber auch im europäischen Ausland ist sie nützlich, da die gesetzlichen Kassen nur die im Urlaubsland üblichen Leistungen erstatten und die fallen mitunter geringer aus als in Deutschland. Reise-Krankenversicherungen übernehmen zumeist auch den Rücktransport, den keine Kasse übernimmt. "Schon deshalb sollte jeder Reisende diese Police im Gepäck haben", so Lilo Blunck, Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV) . Allerdings sollte man darauf achten, dass im Vertrag ein Rücktransport garantiert wird, wenn er "sinnvoll und vertretbar" ist und nicht nur "medizinisch notwendig".

Policen, zumeist ein Jahr gültig, gibt es bereits für unter 10 Euro für eine Einzelperson. Familien sind ab 15 Euro versichert. Dauert die Reise länger als 42 Tage reicht die Reise-Krankenversicherung nicht aus. Kleinere Behandlungen im Ausland zahlen Sie zunächst selbst. Das Geld bekommen Sie anschließend vom Versicherer zurück. Bei größeren Behandlungen regelt der Versicherer die Bezahlung direkt mit dem Arzt oder der Klinik.

Heben Sie daher auf jeden Fall die Rechnung und alle schriftliche Angaben über Diagnose und Therapie auf. Auf den Arztrechnungen sollte immer das Rechnungsdatum, Name und Anschrift des Arztes beziehunsgweise der Klinik, Vor- und Nachname sowie Geburtsdatum der behandelten Person, die Diagnose und die einzelnen ärztlichen Leistungen und deren Daten stehen. Außerdem sollte die Zahlung bestätigt werden. Rezepte müssen Name und Adresse des Ausstellers, die verordneten Medikamente, Preise, Quittungsvermerke und den Namen der behandelten Person enthalten. Bei Zahnbehandlungen müssen die behandelten Zähne klar bezeichnet werden und auch, was an diesen behandelt wurde.

Reise-Rücktrittsversicherung

Wer den gebuchten Urlaub kurzfristig doch nicht antreten kann, bleibt auf einem Teil der Reisekosten sitzen. Je später die Absage kommt, desto mehr fordert der Reiseveranstalter. Bei teuren Reisen ist eine Rücktrittsversicherung daher durchaus sinnvoll. Auch für Familien mit Kleinkindern, die häufig krank werden, oder für chronische Kranke und Senioren ist eine Rücktrittsversicherung sinnvoll.

Die springt jedoch nicht ein, wenn man plötzlich keine Lust mehr auf die gebuchte Reise hat. Es müssen triftige Gründe vorliegen wie Unfall, Krankheit, Tod von Mitreisenden oder Angehörigen, Schwangerschaft - und die müssen unverzüglich nach Eintritt des Rücktrittgrundes gemeldet werden. Die Policen kosten bei einem Reisepreis von 1500 Euro (pro Person) zwischen 30 und 60 Euro. Sie gelten nur bis zum Reisebeginn, nicht bei Abbruch des Urlaubs. Für Rücktrittsversicherungen gibt es keinen freien Markt. Sie werden gleich mit der Buchung im Reisebüro abgeschlossen.

Reise-Abbruchversicherung

Was viele vergessen - auch nach Urlaubsantritt kann ein Abbruch der Reise notwendig sein, wenn eine Krankheit oder ein Unglücksfall zu Hause die sofortige Rückkehr erforderlich machen. In diesem Fall hilft nur eine Reise-Abbruchversicherung, die die anfallenden Kosten - beispielsweise für den außerplanmäßigen Heimflug - übernimmt. Und ein Reiseabbruch liegt auch vor, wenn man nach dem Einchecken einen Unfall hat und nicht mit an Bord der Urlaubsmaschine kann. Meist gibt es die Reise-Abbruchversicherungen übrigens schon im Paket zusammen mit Reise-Rücktrittsversicherungen - ganz billig sind die meist kombinierten Policen jedoch nicht. Bei einem Reisepreis von 3000 Euro sind schon bis zu 100 Euro Prämie fällig.

Gepäckversicherung

Eigentlich soll die Gepäckversicherung einspringen, wenn Koffer und Taschen abhanden kommen oder beschädigt werden. Oftmals wirft die Versicherung den Geschädigten aber eine Mitschuld vor, wenn der Koffer nicht zwischen den Beinen eingeklemmt, die Kamera nicht eng am Körper befestigt war, der Schmuck gut sichtbar getragen wurde. Den Beweis, dass man auf das Gepäck aufgepasst hat, muss der Geschädigte erbringen. Geld, Schecks, Flugtickets, Dokumente und Kunstobjekte sind von der Versicherung generell ausgenommen. Bei einem Einbruch im Hotelzimmer oder Raub in einem Parkhaus zahlt unter Umständen die Hausratversicherung - zumindest in Europa. Daher rät der Bund der Versicherten, wertvolle Gegenstände und Schmuck zu Hause zu lassen und keine Versicherung abzuschließen.

Schutzbriefe

Liegen geblieben auf der Fahrt in den Süden. Gut, wenn man weiß, wer schnell helfen kann. Doch Schutzbriefe helfen nur bis zu einer bestimmten Summe und die sind oftmals niedrig. Die Mitgliedschaft in einem Automobilclub, der im Ausland eine Filiale hat, hilft da weitaus mehr.

Mallorca-Police

Die Zusatzversicherung für Mietwagen gilt europaweit und nicht nur auf der Balearen-Insel. Sie zahlt Forderungen, die bei einem Unfall über die oft geringen Mindestversicherungssummen des Gastlandes hinausgehen. Verbraucherschützer halten die Police für recht sinnvoll, zumindest wenn die Versicherungssumme niedrig ausfällt.

Entweder ist die Mallorca-Police bereits in der Kfz-Versicherung eingeschlossen oder kann dazu gekauft werden. Auch beim ADAC und bei der Autovermietung ist diese Versicherung erhältlich. Sie deckt Personen- und Sachschäden bis zu 10 Millionen Euro ab, kostet circa 20 Euro für einen Urlaubsmonat innerhalb der EU. Außerhalb Europas hilft die "Traveller-Police".

Unnötige Versicherungen

Eine unnötige Versicherung ist die Reisehaftpflicht, denn die private Haftpflicht deckt auch Schäden ab, die man im Urlaub verursacht. Ausgenommen sind meist Sach- und Personenschäden in Ferienhäusern und Schäden, die durch Motor-und Segelboote oder eigene Surfbretter verursacht werden. Informieren Sie sich bei Ferienhausbuchungen, ob eine Haftpflichtversicherung im Mietpreis enthalten ist.

Auch eine

Reise-Unfallversicherung

ist unnötig, wenn bereits eine Unfallversicherung besteht, da diese auch Schäden im Ausland abdeckt. Interessant ist sie lediglich für Urlauber, die Risikosportarten betreiben. Aber nicht immer werden Taucher, Snowboarder und Mountainbiker durch eine solche Versicherung geschützt. Also: Das Kleingedruckte lesen.

Auch der Nutzen spezieller

Reise-Rechtschutzversicherungen

ist eher zweifelhaft. Wer Rechtschutz genießen möchte, sollte eine private Rechtschutzversicherung abschließen, die auch im Urlaub - aber eben nicht nur dort - den gewünschten Schutz bietet.

Ebenfalls unnötig sind Pakete von mehreren Reiseversicherungen. "Unterm Strich sind sie unnötig und teuer", so Stiftung Warentest. Denn nicht alle Versicherungen eines Komplettpakets sind notwendig, und zum Teil überschneidet sich ihr Schutz mit bereits abgeschlossenen Versicherungen.