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Virenabwehr: "Jede Minute kratzt es an der Tür"

E-Mails mit dubiosem und meist privat klingendem Inhalt und der Aufforderung, den Anhang zu öffnen, lassen weltweit die elektronischen Postfächer überquellen. Längst ist dies kein Problem der IT-Spezialisten, sondern der Endverbraucher.

E-Mails mit dubiosem und meist privat klingendem Inhalt und der Aufforderung, den Anhang zu öffnen, lassen weltweit die elektronischen Postfächer überquellen. Die Wurmattacken durch «Beagle», «Netsky» oder «Sober» in den vergangenen Wochen verschonten kaum einen PC mit Zugang zum Internet. Dabei zeigt sich vor allem ein Trend: Wurmabwehr und Virenjagd haben sich längst von der Aufgabe für IT-Spezialisten und Systemadministratoren zum Problem für nahezu jeden Computernutzer entwickelt.

 

Würmer und Viren fast schon normal

"Im Prinzip kratzt in jeder Minute etwas an der Tür", beschreibt der Karlsruher Virenexperte Christoph Fischer die Bedrohung schon beim Surfen im weltweiten Datennetz. Dabei schleichen sich nicht nur E-Mails ein - Viren oder teure Dialerprogramme können sich auch beim Surfen heimlich Zugang zum System verschaffen. "Schädlinge gehören schon fast zur normalen Darmflora eines EDV-Systems", schätzt Fischer die Verbreitung der lästigen Angreifer seit den neuesten Wurmattacken ein.

  Lange zählte die Virusabwehr eher zu den Aufgaben von Systemadministratoren und Spezialisten in Unternehmen. "Jetzt ist es auch ganz klar ein Problem für die Allgemeinheit und den Endverbraucher", sagt Denis Zenkin, Pressesprecher des Antivirensoftware-Herstellers Kaspersky. Die Programmierer reagieren darauf zum Beispiel mit einfacheren Benutzeroberflächen ihrer Schutz-Software. Damit soll auch ein PC-Nutzer ohne große Detailkenntnisse schnell die Gefahr erkennen und die richtige Abwehr konfigurieren können.

Kaum Länderunterschiede

Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern existieren nach Einschätzung der Spezialisten kaum. "Das ist ein globales Problem", sagt Zenkin. Angebliche Kämpfe zwischen einzelnen Virenprogrammierern bewertet Fischer nicht als neues Problem. "Das hat es immer schon gegeben."

  Rund 60 Prozent des Marktvolumens für Antivirenprogramme entfallen nach Angaben von Zenkin derzeit auf die Vereinigten Staaten, gefolgt von Europa und Asien. Von der Computermesse CeBIT erhofft sich Kaspersky eine weitere Sensibilisierung für das Thema. "Dort steht das Thema Virenabwehr für professionelle Anwender und Geschäftskunden auf dem Plan - wir können aber auch den Endkunden erreichen."

 

Häufigstes Problem: Leichtsinnigkeit

Neben der technischen Seite sehen Zenkin und Fischer vor allem die Leichtsinnigkeit als Problem beim Kampf gegen die elektronischen Schädlinge. "Ich kann nicht verstehen, warum die Leute immer noch so gutgläubig alles anklicken", sagt Fischer. "Bei zweifelhaften Mails oder Anhängen bitte immer den Absender anrufen - auch wenn er offensichtlich ein guter Bekannter ist", mahnt der Virenexperte zu Vorsicht beim Umgang mit elektronischer Post.

  Während sich manche illegale Dialerprogramme mitunter ohne Zutun des PC-Besitzers auf dem Rechner installieren, läuft bei den meisten E-Mail-Würmern nichts ohne einen Klick auf den Anhang. Deshalb versuchen Wurmentwickler, ihre Schädlinge möglichst geschickt zu tarnen: So stellt sich beispielsweise der neue Wurm «Sober.D» ausgerechnet als Anti-Wurmprogramm des Softwareherstellers Microsoft dar. Dabei verschickt der Konzern keine Antivirus-Dateien, sondern bietet diese aus Sicherheitsgründen zum Herunterladen von seiner Homepage an.

Heiko Stolzke, dpa / DPA
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