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Ratgeber Allergie

Wenn die Haut plötzlich anschwillt

Symptome

Hauptmerkmal des Angioödems ist eine häufig deutlich sichtbare, tief in der Haut gelegene Schwellung, die in der Regel nicht juckt, sondern ein oft schmerzhaftes Spannungsgefühl verursacht.

Tritt die Schwellung im Rachen und im Kehlkopf auf, wird die Luft schnell knapp. Unter den Schleimhäuten kann das Angioödem sich großflächig ausbreiten. Dann schwellen die Atemwege zu, die Luft kommt nicht mehr durch.

Je nach Erkrankungsform können unterschiedliche Symptome auftreten.

Histaminvermittelte Angioödeme

Diese Form begleitet fast immer eine Nesselsucht, das heißt, wer an Nesselsucht leidet, kann auch Angioödeme entwickeln, aber nicht unbedingt gleichzeitig. Wenn der Arzt bei plötzlich auftretenden Schwellungen keine Ursache finden und aufgrund von Labortests auch den C1-Inhibitor-Mangel ausschließen kann, wird das Angioödem zu den histaminvermittelten gerechnet. In der Fachsprache heißt das idiopathisches Angioödem.

Histaminvermittelte Angioödeme treten fast ausschließlich im Gesicht auf, vor allem an den Lippen und um die Augen herum, manchmal betreffen sie auch nur ein Auge. Sie können auch im Vorfeld oder im Rahmen eines allergischen Schocks entstehen.

Seltener, aber umso gefährlicher ist das histaminvermittelte Angioödem, das an der Zunge und dann im Kehlkopf (Larynx-Ödem, Glottis-Ödem) auftritt.

Es entstehen:

  • Schluckbeschwerden
  • Heiserkeit
  • Tiefe Stimme
  • Ein Pfeifen im Hals bei der Atmung
  • Atemnot mit akuter Gefahr zu ersticken

Gelegentlich tritt das histaminvermittelte Angioödem auch im Genitalbereich auf und nur in extremen Ausnahmefällen an weiteren Körperteilen. Sie bilden sich nach ein bis fünf Tagen wieder zurück.

Intoleranz-Angioödeme

Bekannt ist das Phänomen vor allem als Nebenwirkung einer Behandlung mit ACE-Hemmern, die häufig gegen Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz verschrieben werden. Sie tritt bei 0,1 bis 2,2 Prozent der Behandelten auf. Die Erkrankung darf nicht unterschätzt werden. Sie kann lebensgefährlich sein, wenn die Schwellungen im Kehlkopfbereich auftreten.

In den ersten drei Wochen der Behandlung ist die Gefahr am größten, eine Schwellung zu entwickeln. Trotzdem gibt es auch später keine Entwarnung - noch nach langer Zeit kann es plötzlich zu einem Ödem kommen. Problematisch hierbei ist: Wenn zwischen der Einnahme des Medikaments und dem Auftreten der ersten Angioödeme Monate oder Jahre vergeht, wird der ursächliche Zusammenhang zwischen Medikament und Erkrankung nicht oder spät erkannt.

Warum Angioödeme als Begleiterscheinung auftreten, ist nicht abschließend geklärt. Vermittelt werden sie vermutlich durch das Eiweiß Bradykinin. Ein Zusammenhang mit der verschriebenen Dosis hat sich bislang nicht gezeigt. Die häufigsten Auslöser sind bisher die ACE-Hemmer Enalapril, Ramipril und Lisinopril. Gefährdet sind insbesondere Menschen, die schon vor der Einnahme von ACE-Hemmern zu Angioödemen neigten - oder an einer erblichen Form leiden. In so einem Fall sollten Betroffene unbedingt mit dem Arzt sprechen, bevor sie das Medikament einnehmen. Außer den ACE-Hemmern sind noch mehr als 350 weitere Substanzen bekannt, die ein Angioödem verursachen können, zum Beispiel sogenannte AT-II-Rezeptor-Antagonisten.

Häufige Symptome sind:

  • Angioödeme im Gesicht und im Hals, die ein bis fünf Tage bestehen bleiben. Auch wenn sie zunächst nur leicht ausgeprägt sind, können sie sich im Verlauf noch zu lebensbedrohlichen Schwellungen entwickeln - deshalb jedes Angioödem ernst nehmen!
  • Spannungsgefühl
  • Spannungsschmerzen

Seltener sind Angioödeme an den Händen, Füßen, Armen, Beinen, dem Hodensack und im Magen-Darm-Trakt.

Angioödem bei C1-Inhibitor-Mangel

Ein durch einen C1-Inhibitor-Mangel verursachtes Angioödem sieht genauso aus wie das histaminvermittelte Angioödem. Der Arzt muss diese Störung zunächst ausschließen. Mit einer Allergie hat diese Form nichts zu tun.

Die Ursache für einen erblichen oder hereditären C1-Inhibitor-Mangel ist ein Gendefekt. Er bewirkt, dass der Körper nicht genügend beziehungsweise fehlerhaften oder inaktiven C1-Inhibitor bildet, der wichtig für das Immunsystem ist. Dieser Defekt wird dominant vererbt, das heißt, wer das Gen trägt, erkrankt auch. Die meisten haben ihren ersten Anfall bis zur Pubertät, selten nach dem 30. Lebensjahr. Die Schwellungen entstehen im Gesicht, an Händen und Füßen, im Magen-Darm-Trakt, seltener in den Atemwegen. Im Durchschnitt bleiben sie etwa drei Tage bestehen. Wie häufig sie auftreten, variiert von Mensch zu Mensch. "Manche Betroffene haben nur zwei Anfälle im Jahr, manche zwei pro Woche", sagt Markus Magerl.

Besonders gefährdet sind Menschen, die ihre Krankheit nicht kennen und für die ein Angioödem in den Atemwegen überraschend auftritt. Dank der heutigen Therapiemöglichkeiten sterben heute viel weniger Menschen daran.

Das Angioödem durch erworbenen C1-Inhibitor-Mangel tritt sehr viel seltener auf. Für den Mangel gibt es zwei mögliche Ursachen: Entweder es liegt eine Störung des Immunsystems vor, die bewirkt, dass der C1-Inhibitor übermäßig verbraucht wird. Oder es werden Antikörper gegen den C1-Inhibitor gebildet, die ihn hemmen. Die Symptome sind mit denen der erblichen Form vergleichbar.

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