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14. April 2009, 17:30 Uhr

Pfadfinder mit Mehrwert

Sie haben Videokamera, Internetanschluss oder einen eingebauten Reiseführer - hochwertige Navigationsgeräte können mehr als nur den Weg weisen. Der stern hat vier Modelle bis 500 Euro getestet. Von Dirk Liedtke

Navigationsgerät, Navi, Falk, Tomtom, Navigon

Tomtom Go 940 Live: Über eine Mobilfunkkarte empfängt das Gerät Verkehrsinfos© Hersteller

Ans Ziel führt auch jedes Billig-Navigationsgerät. Die Oberklasse der elektronischen Pfadfinder verspricht dem Autofahrer aber viel mehr: lernende Karten, Warnung vor Tempolimits oder optische Hilfen beim Abbiegen. Der stern hat vier Hightech-Navis rund um Hamburg ausprobiert.

Der Blaupunkt Travelpilot 700 (Preis: rund 500 Euro) hat derart viele Funktionen, dass er einem tragbaren Computer gleicht. So kann er Fernsehprogramme (DVB-T) empfangen, Videos und Musik abspielen oder Office-Dateien auf dem Bildschirm anzeigen.

Im Test jedoch stürzte der Travelpilot 700 gleich zu Anfang ab und zeigte rätselhafte Fehlermeldungen wie "Fatal Application Error". Nach dem Ein- und Ausschalten berappelte sich das Gerät wieder. Das Blaupunkt-Navi tut so, als wisse es, welche Fahrspuren im Elbtunnel gerade befahrbar sind - und blendet dies mit grünen Kreuzen ähnlich der Anzeige über der Fahrbahn auf dem Display ein. Dumm nur, dass die Spurenbelegung nicht stimmte.

Trotz der eingebauten Kamera erkennt das Gerät Tempolimitschilder nicht immer. Falls doch, warnt es bei zu schnellem Fahren akustisch. Als einziges der vier Testmodelle blendet das Blaupunkt direkt auf der Karte die Warnung vor einem Falschfahrer ein - obwohl der laut der letzten Sichtung weit entfernt ist. Sicher ist sicher. Einmalig: Die Navi-Pfeile lassen sich über ein Videobild der Fahrbahn einblenden. Das erleichtert zumindest im Stadtverkehr die Orientierung.
Fazit: für Technikfans, die alles wollen und sich am hohen Preis nicht stören.

Als lernfähig wird das Falk F10 (Preis: rund 280 Euro) angepriesen. Das Gerät speichert 1000 gefahrene Kilometer bei eingeschalteter Routenführung. Wer das Gerät hinterher mit dem PC zu Hause verbindet, kann diese Daten anonymisiert auf einer speziellen Internetseite hochladen. Der Sinn: Gibt es zum Beispiel auf der gespeicherten Strecke eine geänderte Straßenführung, erfahren das auf diesem Wege auch die Nutzer anderer Falk-Navis, die ihr Gerät übers Netz aktualisieren. Die Internetdatenbank speichert außerdem touristisch interessante Hinweise, die von anderen Nutzern eingetragen worden sind. Auch diese werden in das Falk-Gerät überspielt, sodass ständig neue Restaurants oder Hotels im Speicher landen - quasi ein Reiseführer mit Bewertungen anderer Autofahrer.

Bei der Eingabe eines Ziels im Lern- Modus weckt das Navi zunächst die Erwartung, dass es Umgehungsmöglichkeiten anbietet, wenn es zum Beispiel Behinderungen auf einer Strecke gibt. Bei unserem Test im dauerhaft zäh fließenden Verkehr rund um Hamburg kam leider heraus: "Es kann keine Ausweichroute berechnet werden."
Fazit: solide, verspielte Anzeige.

Vom Design und der grafischen Darstellung her wirkt das Navigon 7210 (Preis: ca. 260 Euro) ziemlich schick. Besonders stolz ist Navigon auf seine fotorealistische Darstellung von Abbiegerspuren an Autobahnkreuzungen und Abfahrten. Das Problem jedoch ist: Viele Abfahrten sehen anders aus als die computergenerierte Modelllandschaft. Das verwirrt den ortsunkundigen Fahrer. Etwa vor der letzten Ausfahrt (Othmarschen) vorm Elbtunnel Richtung Süden, die keine Ähnlichkeit mit den grünen Wiesen auf dem Display hat. Tatsächlich befindet sie sich tiefergelegt zwischen Betonwänden. Hingegen werden Sehenswürdigkeiten dreidimensional dargestellt, was die Orientierung verbessert.
Fazit: gut gedacht, aber mit Detailschwächen. Der äußerlich identische und dann auch lernfähige Nachfolger 7310 soll demnächst für etwa 350 Euro zu haben sein.

Das Tomtom Go 940 Live (Preis: ca. 380 Euro) hat nicht die schönste, aber die präziseste Anzeige, was die Position des Autos auf der Karte angeht. Es erkennt sogar ein Bahngleis im Hamburger Hafen, wo die anderen nur den Seitenstreifen und das Hafenbecken zeigen. Das Display ist auf das Wesentliche reduziert und daher sehr gut und schnell erfassbar. Dank eines Bewegungssensors bewegt sich der Pfeil auch im Elbtunnel auf der A 7 Richtung Flensburg ohne Satellitenkontakt mit, und das Navi meldete als erster der vier Testkandidaten einen Stau hinter dem Tunnel.

Wer in das Tomtom ein Ziel eintippt, wird zu Anfang von einer Mitteilung des Geräts überrascht, dass man beim Befolgen der vorgeschlagenen Route soundso viel Minuten sparen könne. Das klappt, weil das Gerät über die momentane Verkehrsdichte auf der geplanten Route informiert ist. Über eine eingebaute Mobilfunkkarte werden in Echtzeit die Bewegungsprofile von Tausenden von Vodafone- Handys geliefert, die mit ihren Besitzern in Autos durch das Land fahren. Bewegen die sich langsam oder gar nicht, wird auf dem Display Zähflüssigkeit oder Stau signalisiert. Diesen Dienst lässt sich Tomtom ab dem vierten Nutzungsmonat mit knapp zehn Euro monatlich bezahlen. Als einziges der vier getesteten Navigationsgeräte hat es bei einer Routenempfehlung durch den Hamburger Hafen auf eine "Mautstraße" hingewiesen. Gemeint war der alte Elbtunnel. Eine Durchfahrt kostet zwei Euro.
Fazit: überzeugend, aber teuer.

Bei Blaupunkt und Tomtom kosten Updates extra. Nach dem Kauf sollte man sein Navi online registrieren, weil so die Karten aufgefrischt werden (Tomtom) oder das Update- Abo (Falk, Navigon) aktiviert wird.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 15/2009

Von Dirk Liedtke
 
 
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