Sie haben Videokamera, Internetanschluss oder einen eingebauten Reiseführer - hochwertige Navigationsgeräte können mehr als nur den Weg weisen. Der stern hat vier Modelle bis 500 Euro getestet. Von Dirk Liedtke

Tomtom Go 940 Live: Über eine Mobilfunkkarte empfängt das Gerät Verkehrsinfos© Hersteller
Ans Ziel führt auch jedes Billig-Navigationsgerät. Die Oberklasse der elektronischen Pfadfinder verspricht dem Autofahrer aber viel mehr: lernende Karten, Warnung vor Tempolimits oder optische Hilfen beim Abbiegen. Der stern hat vier Hightech-Navis rund um Hamburg ausprobiert.
Der Blaupunkt Travelpilot 700 (Preis: rund 500 Euro) hat derart viele Funktionen, dass er einem tragbaren Computer gleicht. So kann er Fernsehprogramme (DVB-T) empfangen, Videos und Musik abspielen oder Office-Dateien auf dem Bildschirm anzeigen.
Im Test jedoch stürzte der Travelpilot 700 gleich zu Anfang ab und zeigte rätselhafte Fehlermeldungen wie "Fatal Application Error". Nach dem Ein- und Ausschalten berappelte sich das Gerät wieder. Das Blaupunkt-Navi tut so, als wisse es, welche Fahrspuren im Elbtunnel gerade befahrbar sind - und blendet dies mit grünen Kreuzen ähnlich der Anzeige über der Fahrbahn auf dem Display ein. Dumm nur, dass die Spurenbelegung nicht stimmte.
Trotz der eingebauten Kamera erkennt
das Gerät Tempolimitschilder nicht immer.
Falls doch, warnt es bei zu schnellem
Fahren akustisch. Als einziges der vier
Testmodelle blendet das Blaupunkt direkt
auf der Karte die Warnung vor einem
Falschfahrer ein - obwohl der laut der
letzten Sichtung weit entfernt ist. Sicher ist
sicher. Einmalig: Die Navi-Pfeile lassen
sich über ein Videobild der Fahrbahn
einblenden. Das erleichtert zumindest im
Stadtverkehr die Orientierung.
Fazit: für Technikfans, die alles wollen und
sich am hohen Preis nicht stören.
Als lernfähig wird das Falk F10 (Preis: rund 280 Euro) angepriesen. Das Gerät speichert 1000 gefahrene Kilometer bei eingeschalteter Routenführung. Wer das Gerät hinterher mit dem PC zu Hause verbindet, kann diese Daten anonymisiert auf einer speziellen Internetseite hochladen. Der Sinn: Gibt es zum Beispiel auf der gespeicherten Strecke eine geänderte Straßenführung, erfahren das auf diesem Wege auch die Nutzer anderer Falk-Navis, die ihr Gerät übers Netz aktualisieren. Die Internetdatenbank speichert außerdem touristisch interessante Hinweise, die von anderen Nutzern eingetragen worden sind. Auch diese werden in das Falk-Gerät überspielt, sodass ständig neue Restaurants oder Hotels im Speicher landen - quasi ein Reiseführer mit Bewertungen anderer Autofahrer.
Bei der Eingabe eines Ziels im Lern-
Modus weckt das Navi zunächst die
Erwartung, dass es Umgehungsmöglichkeiten
anbietet, wenn es zum Beispiel
Behinderungen auf einer Strecke gibt. Bei
unserem Test im dauerhaft zäh fließenden
Verkehr rund um Hamburg kam leider
heraus: "Es kann keine Ausweichroute
berechnet werden."
Fazit: solide, verspielte Anzeige.
Vom Design und der grafischen Darstellung
her wirkt das Navigon 7210 (Preis:
ca. 260 Euro) ziemlich schick. Besonders
stolz ist Navigon auf seine fotorealistische
Darstellung von Abbiegerspuren an Autobahnkreuzungen
und Abfahrten. Das
Problem jedoch ist: Viele Abfahrten sehen
anders aus als die computergenerierte Modelllandschaft. Das verwirrt den ortsunkundigen
Fahrer. Etwa vor der letzten
Ausfahrt (Othmarschen) vorm Elbtunnel
Richtung Süden, die keine Ähnlichkeit mit
den grünen Wiesen auf dem Display hat.
Tatsächlich befindet sie sich tiefergelegt
zwischen Betonwänden. Hingegen werden
Sehenswürdigkeiten dreidimensional dargestellt,
was die Orientierung verbessert.
Fazit: gut gedacht, aber mit Detailschwächen.
Der äußerlich identische und dann
auch lernfähige Nachfolger 7310 soll demnächst
für etwa 350 Euro zu haben sein.
Das Tomtom Go 940 Live (Preis: ca. 380 Euro) hat nicht die schönste, aber die präziseste Anzeige, was die Position des Autos auf der Karte angeht. Es erkennt sogar ein Bahngleis im Hamburger Hafen, wo die anderen nur den Seitenstreifen und das Hafenbecken zeigen. Das Display ist auf das Wesentliche reduziert und daher sehr gut und schnell erfassbar. Dank eines Bewegungssensors bewegt sich der Pfeil auch im Elbtunnel auf der A 7 Richtung Flensburg ohne Satellitenkontakt mit, und das Navi meldete als erster der vier Testkandidaten einen Stau hinter dem Tunnel.
Wer in das Tomtom ein Ziel eintippt,
wird zu Anfang von einer Mitteilung des
Geräts überrascht, dass man beim Befolgen
der vorgeschlagenen Route soundso
viel Minuten sparen könne. Das klappt,
weil das Gerät über die momentane Verkehrsdichte
auf der geplanten Route informiert
ist. Über eine eingebaute Mobilfunkkarte
werden in Echtzeit die Bewegungsprofile
von Tausenden von Vodafone-
Handys geliefert, die mit ihren Besitzern in
Autos durch das Land fahren. Bewegen die
sich langsam oder gar nicht, wird auf dem
Display Zähflüssigkeit oder Stau signalisiert.
Diesen Dienst lässt sich Tomtom ab
dem vierten Nutzungsmonat mit knapp
zehn Euro monatlich bezahlen. Als einziges
der vier getesteten Navigationsgeräte hat
es bei einer Routenempfehlung durch den
Hamburger Hafen auf eine "Mautstraße"
hingewiesen. Gemeint war der alte Elbtunnel.
Eine Durchfahrt kostet zwei Euro.
Fazit: überzeugend, aber teuer.
Bei Blaupunkt und Tomtom kosten Updates extra. Nach dem Kauf sollte man sein Navi online registrieren, weil so die Karten aufgefrischt werden (Tomtom) oder das Update- Abo (Falk, Navigon) aktiviert wird.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 15/2009