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30. April 2010, 11:07 Uhr

Jobs poltert gegen Adobe

In einem bemerkenswerten Beitrag hat Apple-Chef Jobs erneut gegen die Flash-Technik von Softwarehersteller Adobe gewettert. In sechs Punkten legt Jobs dar, warum Apple die Software ablehnt, über die im Internet die meisten Multimedia-Inhalte abgespielt werden. Von Andrea Rungg

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Steve Jobs hält sich in einem offenen Brief gegen Adobe nicht mit Häme zurück© Robert Galbraith/Reuters

Nächste Runde im Streit Apple gegen Adobe: In einem offenen Brief hat Apple-Chef Jobs gegen die Flash-Technik von Softwarehersteller Adobe gewettert. Die ersten Zeilen sind noch freundlich. Apple und Adobe hätten eine lange Beziehung gehabt. Der iPhone-Hersteller sei schließlich einer der ersten Kunden von Adobe gewesen. Apple habe sogar in den Softwarehersteller investiert. Einen rund 20prozentigen Anteil habe das Unternehmen viele Jahre an Adobe gehalten. "Es gab viele gute Jahre", schreibt Steve Jobs. "Aber seit dieser goldenen Zeit haben sich die Unternehmen auseinandergelebt". Steve Jobs Worte lesen sich, als beende er gerade eine Ehe wegen unüberbrückbarer Differenzen, wie es häufig heißt.

Und tatsächlich, was dann in seinem Beitrag ("Thoughts on Flash") folgt ist eine Abrechnung mit einem Partner, der den Apple-Chef zutiefst enttäuscht hat. Zuletzt hatte Steve Jobs im Februar 2007 einen ähnlichen Beitrag ("Thoughts on Music") veröffentlicht und darin die Musikbosse harsch für ihr digitales Rechte-Management attackiert.

Nun richtet sich die Abrechnung gegen Adobe. "Adobe behauptet, dass wir ein geschlossenes System haben und das Flash offen ist, aber tatsächlich ist es genau umgekehrt so", verteidigt sich Jobs. Nicht nur Adobe hatte sich zuletzt über Jobs Schimpftiraden und den vehementen Ausschluss der Flashtechnik auf alle mobilen Apple Geräten mokiert. Auch Softwareentwickler und Apple-Anhänger schüttelten zunehmend den Kopf über Jobs Sturheit.

Als Jobs Ende Januar das iPad vorstellte, begann die Diskussion um Apples Schritt von neuem. Viele Websites nutzen Flash, um multimediale Inhalte anzuzeigen. Stützt sich eine Website auf diese Technik, erscheint auf Apples iPhone, dem iPod Touch oder dem iPad ein kleiner blauer Legostein. Der wichtigste Grund für den Verzicht auf Flash sei, dass damit kein Mittler zwischen Apple und Programmentwickler kommen würde, so Jobs. "Wir wissen aus schmerzhafter Erfahrung, dass es die Entwicklung und Verbesserung einer Plattform behindert, wenn sich ein Dritter zwischen Apple und Programmentwickler drängt", schreibt Jobs.

Quälend langsam

Die App-Entwickler seien dann immer von der Technik Dritter abhängig und könnten den Verbesserungen einer Plattform nur folgen, wenn sich auch der Dritte in diese Richtung bewege. "Wir können nicht auf die Gnade der Entscheidung Dritter warten, wann sie unsere Verbesserungen Entwicklern zugänglich machen", ätzt Jobs. Adobe sei in der Vergangenheit quälend langsam gewesen, wenn es darum gegangen sei, Apples Plattform voranzubringen. Der Softwarehersteller sei etwa der letzte große Softwareentwickler gewesen, der Apples Betriebssystem Mac OS X angenommen hätte.

Zugleich wirft Jobs Adobe ein geschlossenes System vor. Ein Vorwurf, der sich zuletzt allerdings häufig gegen Apple richtete. Flash sei ein proprietäres System und würde ausschließlich von Adobe kontrolliert und vertrieben. "Nach fast jeder Definition ist Flash ein geschlossenes System", poltert Jobs. Apple wie Google und andere Unternehmen auch hätten sich stattdessen für offene Standards wie HTML5 entschieden. HTML5 ist ein neuer Programmierstandard.

Dafür gibt es eine App

Jobs verwirft auch den Vorwurf, bei Apple bekämen die Kunden nur das "halbe Internet" zu sehen. "Adobe hat wiederholt gesagt, Apple-Geräte könnten nicht auf das 'vollständige Internet' zugreifen, weil 75 Prozent der Videos im Netz Flash sind", schreibt Jobs. "Was sie nicht sagen ist, dass fast alle diese Videos auch in dem moderneren Format H.264 erhältlich sind, und damit auf iPhones, iPods und iPads angesehen werden können." Und für YouTube gebe es eine eigenen App.

Und der Vorwürfe gegen Adobe noch nicht genug, teilt der Apple-Chef munter weiter aus. Adobes Flash sei schlicht zu unsicher. Die Technik sei Grund Nummer eins, warum die Apple-Laptops Mac abstürzten. Für mobile Geräte habe sich Flash als gänzlich ungeeignet erwiesen und Adobe habe bisher nicht das Gegenteil beweisen können und Apple immer wieder vertröstet. "Wir sind froh, dass wir nicht gewartet haben", frohlockt Jobs.

Wer glaubt Jobs hätte jetzt sein Pulver verschossen, irrt. Schließlich würde Adobes Flashtechnik die Akkuleistung verschlechtern und sie sei nicht für berührungsempfindliche Bildschirme geeignet - sogenannte Touchscreens. Flash sei für die PC-Maus entwickelt worden. Es gebe viele Effekte auf Websites, die erst mit Hilfe der Maus sichtbar würden. Auf Geräten mit Touchscreen seien diese Effekte nicht zugänglich. Viele Flash-Seiten müssten zunächst komplett neu programmiert werden.

Finaler Tiefschlag

Und dann setzt Jobs zum Tiefschlag an. "Vielleicht sollte sich Adobe künftig mehr darauf konzentrieren HTML5 Anwendungen zu programmieren, anstatt Apple dafür zu kritisieren, dass es die Vergangenheit hinter sich lässt", rät Jobs.

Im Klartext: Adobe soll vom Kriech- in den Turbogang schalten. Apples mittlerweile 200.000 Anwendungen im App-Store würden beweisen, dass Flash für zehntausende Entwickler nicht notwendig sei, um aufwendige graphische Programme wie Spiele zu programmieren.

Gefunden in ... ... der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland"

Von Andrea Rungg
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
stasicom (01.05.2010, 16:31 Uhr)
@ghostuser...
...Sie haben völlig Recht.

Ich mag BMW auch nicht.
ghostuser (01.05.2010, 15:17 Uhr)
Höhenflüge!
Ich habe nichts gegen eine ehrliche und offene Meinung, aber hier sieht man deutlich, dass sich Steve Jobs mal wieder auf einem Höhenflug befindet.
Wahrscheinlich steigt ihm sein Erfolg zu Kopf und er wird langsam übermütig.
Wie kann ich mich hinstellen und anderen Firmen was diktieren wollen, gerade er ist sehr Kritikempfindlich und springt im Dreieck wenn einer was gegen seinen Apple sagt.

Genauso seine gerichtlichen Klagen, ob nun jetzt gegen HTC oder andere Anbieter -
schrecklich sowas! Es wird in jeder Branche nachgebaut, zum Glück, sonst gäbe es zB. weltweit nur eine Automarke, einen Schuhhersteller, ein Klamottenlabel usw. - wer will das schon!

Zum Glück kann man das IPhone mittlerweile ohne Vertragszwang kaufen und nutzen - was sollte das Herr Jobs, ist das nicht auch ein Versuch gewesen ein "geschlossenes System" zu installieren?

Steve Jobs tut immer so als habe er das Rad neu erfunden, der kocht auch nur mit Wasser und sollte mal den Ball ein wenig flacher halten. Vor seiner Tür liegt auch genug Dreck... also sollte er erst mal vor der eigenen Tür kehren.

Blöd ist er allerdings nicht, denn sein neuester Streich... ein IPhone G4 von einem Mitarbeiter in einer Kneipe liegen zu lassen, hat ihm hunderte Millionen an Werbekosten gespart... ganz schön clever!
("Nachtijall, ick hör dir trapsen")


greetz ghostuser
stasicom (30.04.2010, 16:13 Uhr)
und nochmal Info...
http://www.macnews.de/news/20824/hp-stellt-angeblich-arbeit-an-tablet-ein/
stasicom (30.04.2010, 15:32 Uhr)
@facilidad_de_ser
Ersetzen Sie Rechner durch Gadgets und billig durch stromsparend, dann wird ein Schuh raus...
facilidad_de_ser (30.04.2010, 15:19 Uhr)
Viel Flash erfordert....
..einen flotten Rechner, wenn man es weglässt, kann man noch billigere Prozessoren einbauen. Ganz einfach!
neyzen (30.04.2010, 14:45 Uhr)
Hab...
ich gerade recherchiert. Der Cheff von Adobe war früher bei Apple,wie klein doch die Welt ist,warscheinlich hat der kleine Steve ein perönliches Problem,und lässt gerade dampf raus.tzzzzz...kinder geht lieber in den Sandkasten spielen....
stasicom (30.04.2010, 14:10 Uhr)
Info...
http://www.macnews.de/news/20809/auch-microsofts-internet-explorer-9-wird-allein-auf-html5-setzen/
Kran01 (30.04.2010, 13:45 Uhr)
Bei den Computern bin ich Windows-Fan. bestimmte Sachen sind eben nicht mit Linux oder MacOS zu machen. Darüber kann man sich streiten, aber was solls.

Ich habe seit 1992 unzählige Handys genutzt. Als die ersten Smartphones aufkamen, wollte ich so etwas haben. Wenn ich unterwegs bin Internet zu haben, Mails zu schreiben, Fotos zu schießen, Navigation zu haben...

Die vielen geräte, die ich auch davon hatte. Jedes hatte irgendwo einen kleinen Vorteil. Aber: und jetzt kommt es: So etwas wie das Iphone gab es eben vorher nicht. Seitdem ich es habe, bin ich rundum zufrieden. Auch wenn man einiges vermisst.

Und wenn Jobs meint, dass das Flash für das Iphone nicht gut ist, dann ist das ok für mich. Denn, wenn ich mehr will, setzte ich mich an einen Rechner, der eben mehr kann.

Und wer Flash auf seinem Smartphone möchte, kauft eben kein Iphone, sondern was anderes. Ist doch in Ordnung. Und wenn Iphone ein geschlossenes System ist: Wems nicht paßt, der muss es ja nicht nutzen.
Lynx2 (30.04.2010, 13:40 Uhr)
Was für Probleme?!
Auf meinen Macs funzt Flash und nervt meist. Ein IPad oder Phone muss man ja nicht kaufen, wenn man nicht will, oder? Steve Jobs will was verdienen, na und? Steht er nicht alleine da. Grosse Worte? Schaut euch mal den Ballmer an. Ich kaufe die Hardware, die mir mehr Spass macht. Ob mit oder ohne Jobs. Wozu die Aufregung wegen dieser blöden Werbeplattform?
Conval (30.04.2010, 13:25 Uhr)
Thoughts on arguments
First, there's "open"

Natürlich ist weder der Flash-Player oder Adobe Flash Professional "OpenSource" allerdings ist das entscheidende doch die Sprache Flash und da gibt unglaubliche viele Tools (auch OpenSource-Tools) die SWF-Dateien ausspucken. Man kann sogar aus Textdateien SWF-Dateien erzeugen. In meinen Augen ein gutes System, weil die Weiterentwicklung des Standards finanziell durch Adobe gesichert ist und die Ausgabe durch den immer gleichen Flash-Player auch. Ähnlich ist das bei PDF.

Second, there?s the ?full web?.

Wer behauptet, dass man das ganze Web ohne Flash genießen kann, hat noch keine Firmenwebseiten gesehen, die komplett aus Flash bestehen. Jobs Argumentation bezieht sich auf die Videos und meines Erachtens gibt es Abseits der großen Videoportale quasi nur Flash-Videos. Wenn man gemessen an der Anzahl der Video-Anbieter fragen würde, wieviel Prozent man davon auf dem iPhone sehen kann wären es vermutlich gerade einmal 1%.

Third, there?s reliability, security and performance.

Tatsächlich sind viele Flash-Banner Performance-Killer, dass hat aber auch sehr viel mit der Programmierung der Banner zu tun. Wenn der Entwickler Mist baut, dann können auch auf Grafikkarten basierende Spiele langsam sein. Das merkt man oft, wenn solche Probleme durch Patches behoben werden.
Die hohe Anzahl der Sicherheitslöcher im Flash-Player sehe ich nicht so problematisch, Sicherheitslücken gibt es auch im Firefox und Java, aber diese müssen erstmal ausgenutzt werden und eigentlich ist es ein Sache des Browsers, der solche PlugIns wie Flash in einer Sandbox laufen lassen sollte.
Bei den Apple-Tools ist man auf deren Bauteile angewiesen und die haben halt selten Performance-Probleme, aber der Entwickler wird dadurch natürlich auch eingeschränkt.

Fifth, there?s Touch.

Das ist mit das dämlichste Argument von Jobs. Natürlich gibt es in den meisten Flash-Anwendungen Rollover-Effekte, wie übrigens auch in nahezu jeder Webseite in der Navigation oder bei Links. Das ist doch einfach nur eine Rückmeldung für den User, dass da was klickbar ist. Mit dem Finger drauf klicken kann man aber doch trotzdem!?
Es gibt natürlich auch Elemente, wo man erst mit der Maus drüber gehen muss, damit sich diese öffnen und dann kann man etwas per Klick auswählen, wie bei manchen Navigationen. Das scheint mir aber Sache der Touchoberfläche zu sein, so etwas simulieren zu können. Bei leichter Berührung und dann Bewegung wird eben nicht sofort ein Klick ausgeführt, sondern das Mausverhalten simuliert.

Sixth, the most important reason.

Das wär mit an Jobs Stelle auch das wichtigste Argument. Es wär doch schade, wenn Entwickler nicht mehr ihren Obolus bei Apple für den AppStore abdrücken müssten und ein Dritter sich einmischt.

Conclusion

Jobs hält die PC Ära für beendet und weist darauf hin, dass die 200.000 Apps beweisen würden, dass man auch tolle Anwendungen ohne Flash machen kann.
Im Gegenzug beweist die Anzahl der Flash-Anwendungen im Web (geht vermutlich in die Milliarden), dass Jobs sich doch noch ein paar mehr Gedanken machen sollte.
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