Streit um Open AI
„Ich verliere nie die Beherrschung“, sagt Musk im Zeugenstand. Dann flippt er aus

Elon Musk
Elon Musk ist nicht für seine Geduld bekannt
© Matt Rourke / DPA

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Hat Sam Altman OpenAI von Elon Musk gestohlen? Das soll nun ein Gericht entscheiden. Musks Auftritt dürfte ihm kaum helfen. Dabei fanden sich ohnehin kaum Juroren, die ihn mögen.

Auch wenn OpenAI und Elon Musk heute in aller Munde sind: Dass Musk Mitgründer und eine Weile auch Chef des ChatGPT-Betreibers war, haben viele Menschen heute nicht mehr auf dem Zettel. Seit seinem Abgang ist der Wert des Unternehmens explodiert – und Musk fühlt sich über den Tisch gezogen. Eine Klage soll den Streit nun klären. Doch der schlimmste Feind Musks im Gerichtssaal ist – Elon Musk.

Dabei ist dessen Klage zunächst einmal nachvollziehbar. OpenAI wurde einst als Non-Profit-Unternehmen gegründet, man wollte sichere, moralisch saubere und technisch offene KI entwickeln. Musk hatte dafür Millionensummen bereitgestellt. Heute hat OpenAI mit ChatGPT ein zwar sehr erfolgreiches, aber geschlossenes Produkt. Und eine Bewertung von fast 700 Milliarden Dollar – weil riesige Gewinne erwartet werden. Damit seien alle Prinzipien, für die er sein Geld bereitgestellt hatte, hintergangen worden, argumentiert Musk. Sein Auftritt vor Gericht dürfte ihm dennoch eher geschadet als genutzt haben.

Elon Musk gegen OpenAI: kein leichter Prozess

Dass es nicht einfach werden würde, zeichnete sich schon vor Prozessbeginn am Montag ab. Die Auswahl der Jury war schwieriger, als es in einem klassischen Wirtschaftsprozess üblich ist. Elon Musk ist schließlich nicht ein beliebiger Manager, sondern der reichste Mensch der Welt, kontroverser Social-Media-Nutzer (und -Besitzer) und er schaffte es letztes Jahr, selbst in der ohnehin schon umstrittenen Trump-Regierung negativ aufzufallen.

Entsprechend bewerteten ihn auch die Kandidatinnen und Kandidaten für die Jury. „Elon Musk ist ein gieriges, rassistisches, homophobes Stück Dreck“, ließ einer von ihnen verlauten. Weitere äußerten sich ähnlich. Eine wirklich neutrale Jury zu finden, war letztlich nicht möglich. „Die Realität ist, dass die Menschen ihn nicht mögen“, fasste Richterin Yvonne Gonzalez Rogers zusammen. „Aber das bedeutet nicht, dass Amerikaner nicht dennoch die Integrität haben können, die für einen angemessenen juristischen Prozess nötig ist.“ Die Juroren versprachen letztlich, sich nicht von ihrem negativen Bild des Klägers leiten zu lassen.

Elon Musk gibt sich friedlich ...

Musk tat bisher wenig, dieses negative Bild zu verbessern. Nicht, dass er es nicht versucht hätte. Glaubt man seiner Selbstdarstellung, ist er ein heldenhafter Manager, der mit ruhigem Gemüt komplizierte Situationen löst. „Ich verliere nie die Beherrschung“, erklärte er im Kreuzverhör auf die Frage, ob er Mitarbeiter angeschrien und beleidigt habe. „Ich schreie keine Menschen an“, war er sich sicher. Auch die Beleidigung „Jackass“, was etwa Vollidiot bedeutet, habe er nie benutzt. Höchstens im Sinne von „Sei kein Vollidiot“, betonte Musk.

Doch diese Fassade konnte der Techmilliardär nicht lange aufrechterhalten. Im Kreuzverhör schaffte es der Anwalt der Gegenseite, William Savitt, Musk mit gezielten Nachfragen immer wieder zu schnippischen, oft genervten Antworten zu verleiten. 

... dann flippt er aus

Auf dem Höhepunkt setzte er Musk immer wieder an einer Stelle unter Druck, die dem Unternehmer nicht passen konnte. Musk hatte selbst ein Dokument bestätigt, in dem OpenAI die aktuelle Struktur vorschlug – nämlich, eine Untersparte zu gründen, die doch Geld verdienen darf. Anders als er behauptete, war das also nicht hinter seinem Rücken passiert.

„Ich habe nicht das Kleingedruckte gelesen“, versuchte Musk sich herauszuwinden. „Das Dokument hat vier Seiten“, hielt Savitt dagegen. Er habe nur den ersten Absatz gelesen, erklärte Musk erneut. Savitt zitierte eine Aussage Musks vom Vortag. Da habe Musk noch betont, die Bedingungen nie gelesen zu haben, beziehungsweise sich nicht daran zu erinnern, wirft der Anwalt ihm vor. Vom ersten Absatz sei da keine Rede gewesen. Musk platzt der Kragen. „Ich sagte, ich habe es mir nicht genau angeschaut“, faucht er Savitt sichtbar aufgebracht an. „Ich habe nur die Überschrift gelesen.“ Eine bessere Reaktion hätte sich der Anwalt kaum wünschen können. 

Elons Musks gescheiterter Plan

Ohnehin dürfte sich die Geduld der Jury mit Musk dem Ende nähern. Stundenlang drückte der 54-Jährige sich im Kreuzverhör davor, einfache Fragen mit Ja oder Nein zu beantworten – trotz Aufforderungen der Richterin. Die wachsende Beweislast dürfte ihm ebenfalls nicht helfen.

In E-Mails kommt deutlich heraus, wie der Milliardär mit einem Zurückhalten weiterer Zahlungen versucht hatte, die Kontrolle über OpenAI komplett zu übernehmen. Um das Geld freizugeben, hatte er etwa gefordert, vier der Aufsichtsrats­sitze selbst besetzen zu können – und nur drei von anderen besetzen zu lassen. Die Befürchtung, ihm dadurch zu viel Kontrolle zu geben, wischte er weg. Er werde später dafür sorgen, den Aufsichtsrat zu vergrößern, versuchte er zu beruhigen. Die Mitgründer glaubten ihm nicht.

Nach der Ablehnung seines Plans durch die anderen Gründer, zog sich Musk aus dem Unternehmen zurück, begann aber, gezielt OpenAI-Mitarbeiter für seine anderen Firmen abzuwerben. Nachdem er einen der besten Forscher zum Wechsel von OpenAI in seinen Autokonzern überredet hatte, schrieb er in einer Mail an einen Tesla-Vize: „Die OpenAI-Leute werden mich umbringen wollen. Aber es musste passieren.“

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