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25. September 2009, 17:51 Uhr

Fremdschämen für iPhone-Besitzer

stern.de-Kolumnist Scheibe ist mit seinem neuen iPhone derart glücklich, dass er seine gesamte Umwelt damit nervt. Erst mit etwas Abstand fällt ihm auf, dass viele iPhone-Besitzer die guten Sitten ein wenig vermissen lassen.

 

Kaum habe ich mein erstes iPhone, benehme ich mich auch schon völlig daneben. Sagt jedenfalls Schwager Ingo. Der hat auch ein iPhone, lässt das aber nicht ständig raushängen. Er nimmt mich als guter Freund beiseite und erklärt mir, worauf ich in Zukunft achten muss, damit ich mich nicht mehr vor allen Leuten zum Volldeppen mache.

1. Es ist absolut NICHT okay, jedem entfernten Bekannten das iPhone unter die Nase zu halten, um ein Foto für die Kontaktdatenbank zu machen. Das wirkt sehr irritierend, auf einmal auf die nackte Kehrseite eines Geräts schauen zu müssen, das genauso gut auch ein Phaser aus der Star Trek Serie sein könnte.

2. Fragt jemand nach dem Weg, holt man NICHT das iPhone heraus, um GPS und WLAN zu nutzen, damit man auf Google Maps nachschauen kann, wo man gerade steht und wie man von dort aus am schnellsten zum Bäcker an der Ecke laufen kann. Zumal dann nicht, wenn man den Bächer auch schon mit dem bloßen Auge sehen kann.

3. Beim Spazierengehen mit der Familie trägt man NICHT das iPhone vor sich her, um den anderen ständig mitteilen zu können, dass man gerade einen ganzen Höhenmeter auf 100 Meter Strecke überwunden hat. Das interessiert die Familie genauso wenig wie die Kompass-Angabe, dass der ganze Tross gerade streng nach Norden hin unterwegs ist.

4. Man verschickt KEINE E-Mails vom iPhone, unter denen geschrieben steht: "Von meinem iPhone gesendet". Gut, das iPhone gibt diese Signatur automatisch vor. Aber in den Einstellungen lässt sie sich jederzeit ändern. Und Schwager Ingo sagt, dass dieser Spruch hier auch KEINE probate Alternative ist: "Von meinem iPhone gesendet, mit einer nymphomanen Schnecke im Arm und tausend Euro in der Hosentasche." Schade.

5. Man bemisst den Wert eines Menschen NICHT an der Anzahl der Apps, die dieser auf seinem iPhone speichert. Die Welt geht NICHT unter, nur weil die meisten Anwender keine elektronische Wasserwaage im Handy bei sich führen. Und es ist auch nicht essenziell, einen mobilen Duden in der Hosentasche mit dabei zu haben. Ehrlich. Wobei eine digitale Einkaufsliste den Familienfrieden in der Tat bewahren hilft, wenn ER endlich einmal wieder den Wocheneinkauf erledigt.

Nur mit echten Freunden chatten

6. Es ist NICHT okay, das iPhone klingeln zu lassen, nur um den anderen Leuten am Tisch den überirdisch guten neuen Klingelton in voller Lautstärke vorzuführen. Schon gar nicht dann, wenn man sich auf einem Elternabend, in einem Nobelrestaurant oder in einer Besprechung befindet.

Nun gut, dann hab ich ja ein paar Regeln bekommen, die ich über das Wochenende verinnerlichen kann. Es ist halt manchmal schon schwierig, sich normal zu verhalten, wenn man so ein geiles Gerät besitzt.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Mehr von Carsten Scheibe Carsten Scheibe geht unter die textBOOSTer und bringt die Texte anderer in Form, sodass sie sich frisch, verständlich und kundenorientiert lesen lassen. Ganz egal, ob es um Homepages, Newsletter oder um PowerPoint-Präsentationen geht: Nicht nur auf die äußere Form, sondern auch auf den Inhalt kommt es an. Wer Probleme hat, selbst die richtigen Worte zu finden, beauftragt eben einen professionellen Buchstabenjongleur.

 
 
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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