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8. Dezember 2008, 11:00 Uhr

Chatten als Berufsvorbereitung

Gruscheln, skypen und Videos auf Youtube anschauen sind keine Zeitverschwendung für Jugendliche. Ganz im Gegenteil, lautet das Ergebnis einer US-Studie. Die Forscher behaupten sogar: Wenn Eltern das Internet verbieten, verbauen sie ihren Kindern berufliche Chancen und drängen sie ins soziale Abseits. Von Heidi Beha

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Für Kinder und Jugendliche müssen Netzwerken früh lernen, besagt die Studie© Colourbox

Auf dem Bildschirm unten rechts ist die ICQ-Blume grün, drei Chat-Fenster sind nebeneinander offen, das eine blinkt. Dann der Skype-Ton, ein neues Fenster öffnet sich, leuchtet orange. Und bei Youtube lädt die 13-jährige Katrin gerade ein Video hoch, im anderen Fenster des Internetbrowsers ist sie bei der Plattform SchülerVZ online. Seit die Schülerin eine 16000er-DSL-Verbindung in ihrem Zimmer hat, gehe alles viel schneller, sagt sie. Sie kennt sich aus mit dem Web 2.0. Wie viele Jugendliche verbringt Katrin viel Zeit online.

Viele Eltern glauben, das Internet sei schädlich, und Myspace, SchülerVZ oder ICQ seien reine Zeitverschwendung. Das ist falsch, so das Fazit der Studie der MacArthur Foundation. "Für Jugendliche ist es unabdingbar, online soziale und technische Fähigkeiten zu erlernen. Diese brauchen sie, um im digitalen Zeitalter bestehen zu können", sagt Mizuko Ito, der die Studie leitete. 800 Jugendliche und ihre Eltern wurden bei der Studie von Forschern der University of South California und der Berkeley University drei Jahre lang bei ihrem Online-Verhalten beobachtet und befragt. Wer offline ist, gerät nicht nur sozial ins Abseits, sondern wird es auch beruflich später schwer haben, fanden die US-Forscher heraus.

Viele Erwachsene neigten dazu, die Aktivität ihrer Kinder im Internet als Freizeit und Erholung zu sehen. Sie sähen das Internet als ein Störenfried bei den Hausaufgaben. Das zeige eine Kluft im Denken der unterschiedlichen Generationen, den Eltern fehle das Verständnis, so Mizuko Ito. "Es mag einige Eltern überraschen, dass es keine Zeitverschwendung ist, wenn ihre Kinder im Internet surfen", sagt Studienleiter Ito von der University of California. "Dass Jugendliche durch das Netz faul werden oder dass zu viel Internetkonsum gefährlich ist, ist nur ein Mythos", so der Wissenschaftler weiter. Die Jugendlichen lernen im Internet wichtige Dinge: mit Freunden zu kommunizieren oder zu recherchieren. Die Wissenschaftler schließen aus der Studie gar, dass Jugendliche ohne Online-Kompetenz keine vollwertigen Mitglieder der heutigen Gesellschaft sein können.

Modernes Sozialverhalten

Neben technischen Fähigkeiten lernten die Jugendlichen viel über das Sozialverhalten innerhalb der modernen Gesellschaft im Netz, so die Studie. Ständig online erreichbar sein, die Veröffentlichung vieler persönlicher Details und nicht zu letzt die Kompetenz, ein großes Netzwerk von Freunden und Bekannten zu managen, seien essentiell. Eine soziale Vereinsamung sei ohne SchülerVZ, ICQ oder Myspace nicht aufzuhalten: "Viele Jugendliche pflegen regelmäßig ihre Kontakte bei den Chat-Programmen und sozialen Netzwerken mit ihren engsten Freunden. Sie teilen sich damit einen virtuellen Platz", heißt es in der Studie.

Bei der Internetnutzung gibt es gerade für Jugendliche aber auch viele Gefahren. Wolfram Hilpert vom Medienkompetenzbereich der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien warnt davor, Jugendlichen völlig freien Zugang zu gewähren: "Kinder sind sich oft nicht darüber bewusst, wenn sie sensible Daten oder Fotos von sich ins Netz stellen." Das Credo der Prüfstelle sei zwar nicht, dass alles schlecht ist im Internet. Aber für Grundschulkinder und Teenager sei es oft zu früh, schrankenlosen Zugang zum Internet zu haben. Sie können mit dem großen, umfassenden Internet noch nicht umgehen. Hilpert räumt aber ein, dass die Internetnutzung heute zum Leben dazu gehört, gerade für Jugendliche.

Veränderung von Lernstrategien

Die Forscher gehen bei ihrer Studie noch weiter: Jugendliche neigen dazu, neues Wissen von Gleichaltrigen besser aufzunehmen als von Eltern oder Lehrern. Dies könne durch das Internet zu einer Veränderung bei Lernstrategien führen. Online seien weniger Barrieren vorhanden: "Neue Medien erlauben größere Freiräume und mehr Eigenständigkeit, als es in den Wänden eines Klassenzimmers geben kann", so steht es in der Studie. "Unsere Untersuchung zeigt, wie Jugendliche mit digitalen Medien umgehen und was das für ihr Lernverhalten bedeutet.", so Connie Yowell, Leiter der Abteilung für Erziehung der MacArthur Foundation. Bildung im 21. Jahrhundert müsse man sich völlig neu vorstellen.

Im Internet können Jugendliche viel individueller ihren Interessen nachgehen, so Studienleiter Mizuko Ito. Sie sind nicht lokal gebunden und können ihre Wissbegierde besser stillen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Gedichte, Filme oder andere kreative Arbeiten online zu stellen und mit anderen ohne Statusunterschiede zu diskutieren.

Per Internet mit Freunden zu schreiben, ist doppelt praktisch für die 13-jährige Katrin. "Meine Eltern wissen nicht genau, ob ich etwas für die Schule mache, und ich kann immer mit meinen Freunden chatten", sagt die Schülerin. Für ihr Erdkunde-Referat schaut sie gerade nach, wie die Kakaobohne angebaut wird. Die Siebtklässlerin surft schon frei im Internet seit sie neun Jahre ist. Dass das alles schon berufsqualifizierende Fähigkeiten sein können, ist ihr nicht bewusst: "Ich mache das, weil es Spaß macht und weil es alle meine Freunde machen." Ob Katrin später in ihrem Lebenslauf ihre Kompetenzen im Umgang mit ICQ, Ebay, StudiVZ und Myspace erwähnt, das wisse sie noch nicht. "Keine Ahnung, was ein Lebenslauf ist", sagt sie.

Von Heidi Beha
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Eisenbaer (10.12.2008, 22:29 Uhr)
Naja....
...chatten an sich ist ja nichts schlechtes. Dumm wird es nur, wenn wer seine Kürzel auch in firmeninternen Foren einbringen will und merkt, dass er weder verstanden wird, noch damit mehr als ein negatives Echo erzeugt. Wenn stattdessen "Gewandheit in Wort und Schrift" gefordert wird, siehts aber dann recht zappenduster für den flapsigen Durchschnittschatter aus... ;-))
BodhiHangari (08.12.2008, 23:22 Uhr)
So ein Schwachsinn
moechte gerne mal wissen wer hinter dieser daemlichen studie steckt.wuerde mich nicht wundern wenn es der verfassungsschutz ist.unsere gesellschaft soll doch genauso verdummen wie in den jewsa,damit die da oben uns ausspionieren und manipulieren koennen.
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der schaerfste satz ist der hier:
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"Neben technischen Fähigkeiten lernten die Jugendlichen viel über ... ständig online erreichbar sein, die Veröffentlichung vieler persönlicher Details"
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duemmer gehts nimmer!stern druckts und schaeuble, bilderberg & co freuen sich!
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sonst steht bei jedem bericht der etwas negatives ueber schwule,schwarze oder auslaender aussagen koennte, schon in der ueberschrift die politisch korrekte, kontraere meinung des autors ,aber hier wird brav uebernommen!
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herzlichen glueckwunsch zu diesem unreflektierten und ungeprueften bericht!!
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