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4. Oktober 2007, 14:53 Uhr

Blocken oder nicht blocken?

Danny Carlton aus den USA verwehrt Nutzern des Firefox den Blick auf seine Webseiten. Denn für diesen Browser gibt es den Werbeblocker "Adblock Plus" - und Carlton fühlt sich deshalb betrogen. Dieser Fall und der Erfolg des Blockers haben einen alten Streit neu entfacht: Ist es okay, Werbung auszublenden? Von Rainer Mersmann

Carltons Kritik an Werbeblockern© whyfirefoxisblocked.com

Danny Carlton betreibt mehr als 40 Homepages (zu finden unter "dannycarlton.net") über sich, seine Familie sowie Gott und die Welt. Und weil das teuer ist, blendet er Werbung auf seinen Seiten ein oder erzielt Einkünfte aus Googles AdSense-Programm. Deshalb sind ihm Surfer, die mit Firefox im Web stöbern, ein Dorn im Auge. Denn für diesen Browser (und andere)gibt es ein kleines Zusatzprogramm, Adblock Plus, mit dem sich die Werbung ausblenden lässt. Aus diesem Grund lenkt Danny Carlton die Firefox-Besucher seiner Webseite "jacklewis.net" auf die Seite "whyfirefoxisblocked.com" um. Dort erfährt der abgestrafte Surfer dann, dass er den armen Danny bestehle: Er bringe ihn um die ihm zustehenden Einnahmen aus Werbe-Klicks.

Nun ist Danny Carlton nicht gerade jemand, den man kennen muss. Aber mit seiner Aktion brachte er es sternschnuppengleich zu einiger Berühmtheit und erregte die Aufmerksamkeit der Presse - bis hin zur "New York Times". Das Interesse an Carlton verblasste schnell wieder, und die Medien lenkten ihr Augenmerk auf geschäftliche und rechtliche Aspekte von Werbe-Blockern.

Adblock Plus, eine Killer-Applikation?

Vor allem private Webseitenbetreiber, Blogger oder Foren, die auf ihren Seiten beispielsweise kostenlos Downloads oder Reiseinfos anbieten, setzen auf Werbeeinblendungen, um die eigenen Kosten niedrig zu halten - viel mehr bringt Pay-per-Click-Werbung nicht ein. Sie hätten bei massenhaftem Einsatz von Ad-Blockern das Nachsehen. Aber auch die Großen der Branche wie etwa Google, die beträchtliche Einnahmen über den Verkauf von Online-Werbung erzielen, sind betroffen. Sie üben sich im Moment noch in Zurückhaltung und haben beschlossen, das Problem zu ignorieren. Derzeit nutzen weltweit nur etwa 2,5 Millionen Surfer den Open-Source-Werbeblocker, der unter der Koordination des Kölners Wladimir Palant entwickelt wird, doch die Tendenz ist steigend. Nach Angaben von Palant wird das Plugin 300.000 bis 400.000 Mal pro Monat heruntergeladen. Und wer es einmal installiert hat, wird es nicht wieder deinstallieren - zu angenehm ist das werbefreie Surfen.

Die Frage ist: Wie verhalten sich die Werbe-Giganten, wenn 50 oder 60 Prozent der Surfer Online-Werbung blockieren? Werden Sie vor Gericht ziehen, wie es die Filmindustrie 1979 gegen die Hersteller von Videorekordern getan hat, weil die Verbraucher die Werbung durch schnelles Vorspulen überspringen könnten? (Ein Prozess, den die Filmindustrie damals übrigens verlor.)

Andererseits leben wir in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem, das keine Garantie auf geschäftliche Erfolge gibt. Genauso wenig, wie ein Hersteller von Gartenzwergen das Recht für sich in Anspruch nehmen kann, jeder Deutsche müsse mindestens einen Gartenzwerg kaufen, können Webseiten-Betreiber und Online-Vermarkter darauf drängen, dass die geschaltete Werbung angesehen, geschweige denn angeklickt wird. Bleiben die Einnahmen durch Werbe-Klicks aus, hat sich das Geschäftsmodell überholt - die Betroffenen müssen sich dann etwas Neues einfallen lassen.

Die Frage nach dem Urheberrecht

Die Diskussionen um Adblock Plus werfen noch eine weitere Frage auf: Führt das Plugin zu Verletzungen des Urheberrechts? So steht beispielsweise in den Nutzungsbedingungen zur ProSieben-Webseite: "Ihre Nutzung unterliegt den geltenden Urheberrechten. Diese Website darf ohne Zustimmung von SIM (SevenOne Intermedia) nicht verändert, ...werden." Die Webseiten von ProSieben sind also urheberrechtlich geschützt. Fraglich ist, ob sich das Copyright ausschließlich auf die normalen Inhalte der Seiten bezieht oder auch auf die Werbeeinblendungen. Verletzt der Adblock-Plus-Nutzer durch Ausblenden der Werbung das Urheberrecht? Vermutlich wird das bei zunehmender Beliebtheit des kleinen Zusatzprogramms ein Gericht klären müssen. Treffen würde es dann die Entwickler, da der einzelne werbeblockierende Surfer kaum zu fassen ist.

Adblock Plus gibt es als Plug-in für verschiedene Browser© Adblock Plus

Ein solches Vorgehen der Werbe- und Medien-Industrie wäre aber von vornherein zum Scheitern verurteilt. Selbst, wenn Gerichte den derzeitigen Entwicklern die Verbreitung des Programms untersagten, der Quell-Code des Programms ist frei verfügbar - und andere Programmierer würden das Projekt aufgreifen, weiterentwickeln und das Plugin notfalls über das Ausland verbreiten. Genauso, wie es nach der letzten Novelle des Urheberrechts mit Programmen zum Knacken des Kopierschutzes für CDs und DVDs geschehen ist.

Online-Werbung auf Kosten der Verbraucher

Nun entsteht so ein Zusatzprogramm nicht einfach aus dem Nichts heraus, sondern weil Bedarf existiert. Zu den Zeiten der 14.4-Modems wurden Werbetexte und Pixelgrafiken in damalige BTX-Seiten eingeblendet, bei den 56K-Modems waren es kleine Bilder, zu ISDN-Zeiten wurden die Werbebilder größer und animiert. Jetzt, wo DSL weit verbreitet ist, zappelt Flash-Werbung auf dem Bildschirm, mit Dateigrößen, die ein Vielfaches der Größe des eigentlichen Inhalts der jeweiligen Seite haben - und dementsprechend großen Download-Zeiten. Und der Download kostet Geld: Wer keine Flatrate hat, sondern einen Volumen- oder Zeittarif, bezahlt für diese Werbung.

Selbst Flatrate-Besitzer zahlen für das Anschauen der Reklame - zumindest, wenn sie das Internet beruflich nutzen, zum Beispiel zur Recherche. Nicht nur, dass die Seiten langsam laden und damit den Zeitaufwand für eine Recherche verlängern, die Zappel-Werbung treibt auch die Prozessor-Auslastung des PCs in die Höhe. Und da Büro-Rechner nicht immer die schnellsten sind, ist eine Prozessorlast von 90 bis 100 Prozent für eine einzelne Seite keine Seltenheit. Müssen dann noch drei oder vier Seiten geöffnet werden, geht das auf Kosten anderer Anwendungen und der Rechner geht in die Knie. Parallel zur Recherche, in Word den Artikel zu schreiben wird damit zur Qual. Das alles kostet Zeit - Arbeitszeit - und damit Geld. Abgesehen davon steigt auch der Stromverbrauch und mit ihm die Stromrechnung. Google hat das mit seinen AdSense- und AdWords-Programmen bereits frühzeitig erkannt und beschränkt sich auf reine Textwerbung und kleine Bilder. Andere Werbe-Vermarkter werden es vielleicht auch merken - wenn die Gewinne sinken.

Info zu "Adblock Plus" AdblockPlus ist ein Plugin zum Filtern von Online-Werbung für die Browser Firefox, SeaMonkey, Flock, K-Meleon und Songbird. Neben vordefinierten Filtern können individuelle Filter erstellt werden. Ganze Domains, einzelne Seiten oder einzelne Werbungen können entblockt werden. Auch lassen sich in den vordefinierten Filtern Regeln abschalten, zum Beispiel für Google AdSense. Ein- und Ausschalten lässt sich der Werbeblocker durch einen Klick mit der mittleren Maustaste auf das Adblock-Plus-Icon in der Symbol- beziehungsweise Statusleise des Browsers. .

Von Rainer Mersmann
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
Peterman (06.10.2007, 19:09 Uhr)
Blocken
Seit ich den Adblocker nutze, kann ich gerade auch bei Deutschen Zeitungen und Zeitschriften Seiten viel schneller surfen. Der Zugriff auf die Werbeserver dauerte oft Minuten und solang muss man warten, bis man auf den Informationsseiten weiter kommt.
hunseldunsel (05.10.2007, 23:04 Uhr)
Selbst aktiv blocken :)
Ich blocke selbst aktiv: ich merke mir die Werbung und vermeide es, die beworbenen Produkte zu kaufen. Das ist noch nicht verboten. :)
js110010 (05.10.2007, 13:14 Uhr)
Werbung = Vorspiel
Der Konsum von Werbung ist wie das Vorspiel beim S**, nämlich freiwillig.
Wer nicht will, kann nicht gezwungen werden. Basta
Fesche_Lola (05.10.2007, 11:13 Uhr)
Werbung ja, Pop-ups NEIN!
Mich stört es nicht, wenn ich auf eine Seite gehe und um die Hauptseite herum bewegt sich die Werbung in bunten Flash-Animationen. Was micht stört, sind die nervigen Fenster, die Pop-ups, die sich ungefragt auf die Seite legen und man genötigt wird, darauf zu klicken, weil der "Schließen"-Button nicht zu finden ist. So etwas sehe ich teilweise, obwohl ich Firefox benutze. Das sollte ganz verboten werden.
Marty_McFly (05.10.2007, 10:42 Uhr)
Werbung nein danke
Da ich schon beim Fernsehen mit einem haufen Werbung zugepflastert werde, die mich gar nicht interessiert, muß ich das beim Surfen nicht auch noch haben.
Und noch wichtiger finde ich die Frage: Wer hat den guten mann dzu gezwungen diese ganzen Webseiten zu erstellen ??
Wenn er sich die Arbeit macht schö und gut aber selbst schuld.
Sein leben wird davon wohl nicht abhängen.
Ich bereibe auch ein eigenes Forum aber das mache ich nicht weil ich Geld damit verdienen möchte, sondern aus spass an der Freude, sicher habe ich da auch 1-2 Werbe dinger(keine pop-ups) aber es ist mir völlig egal ob die nu jemand blockiert oder nicht.Ich denke man wird schon mit genaug Werbung konfrontiert gegen die man sich nicht wehren kann.
MfG
Marty
NightflyerX (05.10.2007, 10:10 Uhr)
Ich wechsle einfach mal die Seite

Gesetzt der Fall ich habe eine Anwendung programmiert. Viele Stunden Freizeit investiert. Und dennoch will ich dem User nichts berechnen. Schliesslich würde keiner mehr meine Seite besuchen wenn er erst einen Euro überweisen müsste bevor er die Seite sehen kann. Also schalte ich etwas Werbung. Da ich ein freundlicher Mensch bin beschränke ich mich auf ein kleines Werbebanner. Schön platziert so das es offensichtlich da ist aber doch so dezent dass es nicht stört. Nun habe ich aber trotzdem Verlust wenn jemand das Banner nicht erlaubt. Dann blaibe ich auf den Server- und Domainkosten hocken. Und meine Arbeitszeit welche ich zugunsten des Benutzers geopfert habe wird erst noch nicht entgolten.
Werbung ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Ohe Werbung gäbgs viele Sachen nicht weil sie ohne nicht bezahlt werden könnten. Meine Meinung: Werbung ja, aber im Mass.
Karl-Herman (05.10.2007, 09:47 Uhr)
Ad-On's
Adblock, Flashblock und NoScript gehören zur Grundausstattung eines Vielsurfers, sonst wird man einfach nur wahnsinnig. Außerdem wird der Rechner unnötig durch das Geblinke lahmgelegt. Und dagegen muss man sich einfach wehren. Außerdem stürzt der Firefox so garnicht mehr ab. Punkt.
Alles, was unnütz geladen wird, verbraucht Speicher. Und nicht jeder hat zwei Gigabyte Hauptspeicher, um jede Werbung laden zu können. Außerdem überschlägt sich der Firefox bei langsameren Rechnern gerne mal bezüglich Speicherverwaltung. Deshalb die Abstürze. Also muss man blocken.
Karl-Herman (05.10.2007, 09:14 Uhr)
darum blocken
Bei Adblock und Adblock-Plus geht es vor allem darum, fremde Webseiten auszublenden, also Links auf andere Seiten. Denn wenn eine Website nicht nur aus eigenen Seiten, sondern vor allem aus dutzenden anderen Seiten (Werbung und Zugriffsanalyse) besteht, dann ist das schlicht Betrug. Ein Recht auf Betrug gibt es nicht.
screne (05.10.2007, 07:33 Uhr)
Danny Carlton halte ich für einen Idioten
Wenn er glaubt, durch das Blocken von Firefox irgendetwas anderes als noch weniger Werbeeinnahmen zu bewirken, ist er auf dem Holzweg.
Je nach Region, Website etc. hat der Firefox mittleweile einen Marktanteil von ca. 10-50%. Auf diese Leute einfach freiwillig zu verzichten - AdBlocker hin oder her (nicht alle haben einen!) - ist kurzsichtig.
Außerdem gibt es wie der Autor des Artikels auch bemerkt hat noch andere Werbeformen, die sich nicht so einfach blocken lassen.
Insofern - wen kümmerts.
njandal (05.10.2007, 07:23 Uhr)
User Agent Switcher Ad-on
Heps,
zum Glueck gibt's ja auch noch das "User Agent Switcher" Ad-on. Da kann man auch als Google Bot oder IE getarnt durch die Gegend surfen und ungeahnte dinge entdecken... ;-)
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