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11. Januar 2007, 17:20 Uhr

Das Schnäppchen, das keines war

In der Nacht zum Donnerstag waren bei Amazon.de aktuelle Notebooks für weniger als 20 Euro im Angebot. Doch die Käufer freuten sich zu früh - einen halben Tag später kam Post vom Versandhändler, die vielen die Laune verhagelte. Von Jörg Isert

Ein Vaio-Laptop für knapp 19 Euro - zu schön, um wahr zu sein© Jörg Isert

Wer in der Nacht zum Donnerstag bei Amazon.de ein Sony-Vaio-Notebook mit 11,1-Zoll-Bildschirm kaufen wollte, dem dürften die Augen aus den Höhlen getreten sein: Statt 1.999 Euro bot der weltgrößte Online-Verkäufer auf seiner deutschen Website das High-Tech-Produkt für gerade mal 18,49 Euro an. Und das war nicht das einzige Sonderangebot: Ein weiteres Sony-Notebook gab es für 12,35 Euro, ein Lenovo-Notebook für 13,29 Euro und ein Toshiba-Gerät für sogar 10,49 Euro.

Kein Wunder, dass zahlreiche Amazon-Kunden um kurz nach nach Mitternacht zu-klickten. "Das ging wie eine Kanone durchs ganze Netz", meint ein Kunde, der sich selbst ein Sony-11.1-Notebook sicherte und per Mail und über Chatrooms die frohe Kunde unter seine Freunde brachte.

Amazon streicht

Das böse - und ziemlich späte - Erwachen kam heute um 15.14 Uhr: Da erhielten die Besteller eine E-Mail von Amazon, in der die Firma einen Rückzieher machte: "Es gibt Neuigkeiten zu Ihrer aktuellen Amazon.de-Bestellung", hieß es da ganz arglos, und: "Einige Artikel wurden von uns auf der Website irrtuemlich fuer ein Hundertstel des richtigen Preises ausgezeichnet." Nach den aufgeführten Produkten ging die Mail so weiter: "Bitte entschuldigen Sie den Schreibfehler. Daher haben wir den oder die Titel aus Ihrer Bestellung/Ihren Bestellungen gestrichen." Gestrichen, einfach so.

Man hoffe auf das Verständnis der Kunden, denn "Vielleicht haben Sie sich ja schon selbst über die Ungewöhnlichkeit dieses Preises gewundert." Zu beachten sei: Laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Amazon komme der Kaufvertrag über ein Produkt immer erst mit dem Absenden der Versand-Mail zustande. In ihr werden die Kunden darüber informiert, dass die Bestellung auf dem Weg ist.

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, erklärte Amazon noch die Anfechtung der Bestellungen wegen Irrtums. Dass der Versandhändler dieses Recht hat, entschied der Bundesgerichtshof in einem Urteil vom 26.01.2005. "Amazon handelt richtig, Irrtümer können passieren", meint auch Thomas Hagen, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein: "Etwas anderes wäre es, wenn daraus eine Masche entstünde."

Die Käufer sind dennoch sauer. Vor allem, weil die Laptops nach einzelnen Aussagen mehr als eine Stunde zum Sonderpreis zu haben waren.

Kein Kommentar zu den Hintergründen

Was für ein Fehler in der Nacht zum Donnerstag genau passierte - bei Amazon wird gemauert: Wie viele Kunden bestellt hätten, warum der Fehler passiert sei - zu all' dem wollte sich eine Sprecherin des Konzerns am Donnerstagabend nicht äußern. Nur eine kurze schriftliche Mitteilung gab es. Sie ähnelte weitgehend der E-Mail an die Kunden: "Tatsächlich kam es gestern Nacht zu einem Schreibfehler bei der Preisauszeichnung von Notebooks. Die Einträge sind in der Zwischenzeit von unserer Katalogabteilung korrigiert." Und: "Wir entschuldigen uns für den Fehler."

Von Sabotage durch einen hauseigenen Mitarbeiter geht die Konzern-Sprecherin nicht aus.

Mitarbeit: Ralf Sander
 
 
 
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