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17. Juni 2007, 08:48 Uhr

Buchen und fluchen

Nirgendwo finden Urlaubswillige so viele Reiseschnäppchen wie im Internet. Doch dort tummeln sich auch Abzocker und Betrüger, die nichts bieten außer schönem Schein. Von Maximilian Geyer

Moritz P. aus Hamburg bezahlte für ein Apartment, das es nicht gab© Florian Jaenicke

Moritz P. stand allein in New York, ohne ein Dach über dem Kopf. Dort, wo das von ihm gebuchte Apartment sein sollte, stand eine Würstchenbude. Der Betriebswirtschaftsstudent aus Hamburg suchte für ein Praktikum ein Zimmer in der Metropole - und wurde Opfer von Internet-Abzockern, die es auf das Geld gutgläubiger Reisender abgesehen haben.

Auf Roommates.com glaubte der Student unter mehr als 100.000 Inseraten die passende Unterkunft gefunden zu haben. "Die Fotos machten einen guten Eindruck, Lage und Preis waren super", sagt der 23-Jährige. Der Vermieter wollte ihn sogar vom Flughafen abholen lassen. Doch am Kennedy-Airport stand niemand. Die Kaution, fast 2000 Dollar, hatte er vorab überwiesen. "Das Geld werde ich wohl nicht mehr wiedersehen", sagt Moritz P.

So wie er plant und bucht mittlerweile jeder fünfte Deutsche seine Reise im Internet, wie eine Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen herausfand. Das sind etwa 16 Millionen Onlinebuchungen - fast viermal so viel wie 2001. Ein Boom- Markt, auf dem sich auch Gauner tummeln. "Die Verunsicherung bei den Kunden ist groß, viele fragen sich: Wie erkenne ich ein seriöses Angebot?", sagt Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie ist Autorin der Broschüre "12 goldene Regeln für Reisebuchungen im Internet". Ganz oben auf der Liste steht: Der Anbieter muss deutlich erkennbar sein. Wer seine Identität verschleiert, führt nichts Gutes im Schilde (weitere Tipps sowie einen Link zur vollständigen Broschüre im Kasten).

Nicht nur Verbraucherschützer, sondern auch die Onlinereiseanbieter selbst warnen ihre Kunden. "Wir empfehlen den Verbrauchern, sich bei Buchungen im Netz nur auf geprüfte Anbieter zu verlassen. Vertrauenswürdig ist beispielsweise das Gütesiegel 'TÜV-Safer-Shopping-Label'", sagt Claudia Brözel, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb. Damit schmücken sich bislang allerdings nur die großen Internetreisevermittler. Auf den Webseiten von kleinen Anbietern hingegen, die oft mit besonderen Preisknallern locken, fehlen solche Gütesiegel - oft, weil sich die Firmen dahinter nicht prüfen lassen wollen. So kann der Normalkunde kaum echte Schnäppchen von betrügerischen Angeboten unterscheiden. Hätten Abzocker früher ein ganzes Reisebüro nachbauen müssen, um ihre Kunden zu täuschen, genügt heute eine schnell gebastelte Webseite mit hübschen Fotos. Vermeintliche Superangebote kommen oft aus dem Ausland. Doch "bei Vorkassezahlungen ins Ausland ist Skepsis geboten", warnt Verbandschefin Brözel.

Daniela W. reservierte ein Wohnmobil auf "Canadamotorhomes.com" - 2700 Euro waren futsch

Daniela W. aus St. Gallen ging so einem Anbieter auf den Leim. Die Bilder im Netz zeigten blaue Seen und grüne Wälder. Schon lange hatten sich die Augenoptikerin und ihr Freund auf ihren Urlaub in Alaska gefreut. Einen Monat lang wollten die beiden mit dem Wohnmobil durch das Land touren. Sie reservierten das Fahrzeug auf der Seite Canadamotorhomes.com.

Daniela W. überwies den kompletten Mietpreis in Höhe von 2700 Euro wie gefordert im Voraus. "Es hörte sich alles professionell an", sagt sie. Eine Reisebestätigung bekam sie aber nie. Die 31-Jährige beschwerte sich mehrmals per E-Mail. Antwort erhielt sie keine. Nun begann das Paar Verdacht zu schöpfen und suchte im Internet nach Informationen zu dem Anbieter. In englischsprachigen Foren lasen die beiden schließlich: "Das ist ein Betrüger."

Das Geld war futsch, nach Alaska wollten sie dennoch. Noch einmal zahlten sie mehrere Tausend Euro für das Wohnmobil - diesmal im Reisebüro.

Checkliste Darauf sollten Sie vor der Reisebuchung im Internet achten
Welche Zahlungsmethoden gibt es? Von hohen Vorauszahlungen ist generell abzuraten. Unseriös sind insbesondere Bargeldüberweisungen ins Ausland über Geld-Transferdienste und Treuhänder.
Welche Erfahrungen haben andere Nutzer mit einem Anbieter? Geben Sie den Namen der Seite in Suchmaschinen ein. Bei betrügerischen Angeboten stößt man oft auf Foreneinträge anderer Geprellter. Nützlich sind auch Bewertungen auf Verbraucherportalen.
Kann man mit dem Seitenbetreiber in Kontakt treten? Achten Sie auf ein vollständiges Impressum inklusive Telefonnummer und rufen Sie ggf. auch an. Bei unseriösen Seiten sind diese Daten oft nicht vorhanden oder gefälscht.
Weitere Tipps finden Sie in der Broschüre „12 goldene Regeln für Reisebuchungen im Internet“ der Verbraucherzentrale Nordrhein- Westfalen, online verfügbar unter: www.v-i-r.de/infos-und-tipps

Mitarbeit: Stéphanie Souron
 
 
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