Die soziale Vernetzung via Internet schreitet unaufhörlich voran - und so mancher unbedarfte Community-Jünger aus Facebook, StudiVZ und Co. gibt mehr über sich preis, als ihm lieb sein sollte. Oft genug folgt ein bitteres Erwachen, denn das Netz vergisst nie. Von Rainer Hattenhauer
Stellen Sie sich vor, Sie schlagen morgens Ihre Tageszeitung auf und lesen auf der Titelseite Folgendes:
"Lieber ***, heute ist der 11. November 2008. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Du wirst heute 28 Jahre alt. Du erlaubst mir doch, dass ich Dich duze? Du kennst mich zwar nicht, aber ich kenne Dich umso besser."
Es folgt eine Auflistung intimster Details aus dem Privatleben des ***. Seine letzte aufregende Urlaubsbekanntschaft ** wird, unterstützt durch pikante Fotos, der Leserschaft vorgestellt. Auch die abschätzigen Äußerungen, die *** seinerzeit in einem Forum über seinen Arbeitgeber vornahm, bleiben dem Publikum nicht verborgen. Ebenso wie die peinlichen Fotos von der letzten Junggesellenparty ... Als Krönung einer langen Auflistung, welche auch die Hobbys und Vorlieben von *** enthält, werden schließlich noch die Handynummer sowie die Adresse des *** bekanntgegeben.
Eiskalt läuft es Ihnen den Rücken herunter, denn dieser ***, das sind Sie, und die pikanten Details, die preisgegeben wurden, treffen zu 100% zu. Unmöglich, denken Sie? Nun, Ähnliches ist Marc L*** aus Frankreich widerfahren: Das französische Magazin "Le Tigre" entwarf mithilfe von Google, Facebook, Youtube und Flickr ein Psychogramm des offenbar sehr mitteilsamen Netzbürgers. Jede einzelne preisgegebene Information war dabei, für sich betrachtet, nicht unbedingt brisant. Besorgniserregend wurde es durch das Zusammenfügen und Vernetzen der erspähten Daten. Marc L*** hatte laut Le Tigre einfach das Pech, als Erster für ein derartiges Experiment herhalten zu müssen.
Im vorliegenden Kapitel möchte ich Sie anhand einiger Beispiele dafür sensibilisieren, behutsam mit Ihren persönlichen Daten umzugehen. Außerdem möchte ich Ihnen Wege aufzeigen, wie man preisgegebene Informationen beeinflussen kann, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Jeder vierte Personalchef begibt sich mittlerweile vor der Auswahl der Kandidaten für eine Vorstellungsrunde mit Google auf die Pirsch. Bevorzugte Reviere sind dabei die sozialen Netzwerke, die nach Informationen zu potenziellen Kandidaten durchkämmt werden. Das dort entdeckte Material zeichnet nicht selten für die x-te Absage des ahnungslosen Bewerbers verantwortlich.
Andererseits kann man den im Netz zur Verfügung stehenden sozialen Informationsquellen auch positive Aspekte abgewinnen, nämlich dann, wenn man sie für die eigenen Zwecke zu nutzen versteht. So ist die orwellsche Vision der totalen Überwachung durch das Handy-Tracking in Form von Google Maps Latitude bereits Realität geworden. Und sie hat durchaus ihren Charme, wenn es zum Beispiel darum geht, einen greifbaren Partner zum Tennis oder den bei Freunden abgetauchten Sprössling ausfindig zu machen ...
Gefunden in ... "Digital Survival Guide 2010. Rezepte, die das Leben einfacher machen", Dr. Rainer Hattenhauer, Verlag Markt+Technik, 19,95 Euro. Der Autor Rainer Hattenhauer erklärt sein Buch auch auf Youtube.