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12. Juni 2008, 12:13 Uhr

Das Handy als Popcornmaschine

Auf Youtube finden sich einige Clips, die zeigen, wie sich mit der gebündelten Strahlung von mehreren Handys Popcorn machen lässt. Dass es sich dabei nur um Fälschungen handeln kann, ergab sich bereits aus der Diskussion über einen ähnlichen Fall, bei dem mit zwei Handys ein Ei gekocht wurde. Von Benedikt Sauer

Mit was wird der Puffmais zum Platzen gebracht? Die Handystrahlung war es zumindest nicht.© Youtube

Freitagabend, ein paar Freunde sind zu Besuch, aber nichts zu Knabbern im Haus. Kein Problem, solange genügend Handys und Puffmais in der Nähe sind. Denn damit lässt sich, wenn man einigen Youtube-Videos Glauben schenkt, scheinbar spielend leicht Popcorn herstellen. In einem der Clips zeigen vier Asiaten, wie es geht: Sie platzieren vier Mobilfunkgeräte einander gegenüber auf einem Tisch, in der Mitte liegen einige Puffmaiskörner. Anschließend werden die vier Telefone auf dem Tisch zeitgleich angerufen. Und siehe da: Schon nach wenigen Sekunden poppt das erste Maiskorn auf und wird sofort genüsslich verspeist.

Die Resonanz auf den Videoclip ist enorm. In den Kommentaren überschlagen sich die Meinungen. Handelt es sich hierbei etwa um eine Fälschung oder gar einen großen Marketing-Gag? Solche Fälle sind auf Youtube regelmäßig zu sehen. Oder kann die Strahlung eines Handys tatsächlich eine so große Hitze erzeugen, dass man so Popcorn herstellen könnte?

Es deutet alles auf einen Fake hin: Puffmais müsste auf etwa 250 °C erhitzt werden, um ihn zum Explodieren zu bringen. Zudem ist bereits seit vielen Jahren belegt, dass die Leistung von Mobilfunkgeräten nicht annähernd dazu ausreicht, um Dinge oder gar Gehirne zum Brutzeln zu bringen. Auch nicht, wenn mehrere Geräte gebündelt werden.

Die Diskussion um erhitzende Handystrahlung ist nicht neu. Für einen ähnlichen Aufruhr sorgte bereits das Gerücht, dass sich mit zwei Mobilfunkgeräten auf die gleiche Vorgehensweise wie im Popcorn-Fall ein Ei kochen lässt. Das wollte beispielsweise das russische Boulevardblatt Komsomolskaja Prawda in einem Versuch im April 2006 beweisen. Nach genau 65 Minuten hatten die beiden Journalisten Wladimir Lagovsky und Andrei Moiseynko das Ei angeblich hartgekocht.

Dabei lieferte die englische TV-Sendung "Brainiac" bereits ein halbes Jahr zuvor den Gegenbeweis - mit insgesamt 200 Handys. Auch bemüht sich die Seite snopes.com darum, dieses Gerücht ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Mit Sicherheit werden auf Youtube aber auch weiterhin schräge und gefälschte Videoclips veröffentlicht werden, um die User zu polarisieren und für neuen Gesprächsstoff zu sorgen.

Von Benedikt Sauer
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Eisenbaer (12.06.2008, 18:35 Uhr)
Spontan hätte ich zwei Lösungsansätze

1. Unter der "Tischplatte wird es sehr heiß" (eher nicht).

2. Unter der Tischplatte befindet sich eine Mikrowellenstrahlenquelle.
ganzbaf (12.06.2008, 17:41 Uhr)
Wenns gefaked ist...

war es jedenfalls nicht leicht.
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