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Transsexuelle kandidiert für Kongress

Kristin Beck war 20 Jahre bei der Navy, bis sie 2013 ihre Memoiren veröffentlicht und sich als Transsexuelle bekannt hat. Nun will sie in den Kongress des fünften Distrikts von Maryland einziehen. Und das ohne Transgender-Bonus.

Kristin Beck auf einer Veranstaltung im Juni 2014. Das Marienkäfer-Tattoo auf ihrem Oberarm überdeckt eine Biker-Gang-Tätowierung aus der Zeit, als sie noch als Mann gelebt hat. 

Kristin Beck auf einer Veranstaltung im Juni 2014. Das Marienkäfer-Tattoo auf ihrem Oberarm überdeckt eine Biker-Gang-Tätowierung aus der Zeit, als sie noch als Mann gelebt hat. 

Am 21. Juni 1966 wurde Christopher T. Beck im Westen Pennsylvanias geboren. Schon als Kind schlich er sich heimlich in das Zimmer seiner Schwester und zog ihre Kleider an. Einmal erwischte ihn der Vater in einem pinken Tutu. Durch die konservative Erziehung zu Hause war das Kind jedoch gezwungen, sich anzupassen, den Konventionen zu folgen und Stillschweigen über das "Anderssein" zu bewahren. Nach 20 Jahren bei der U.S. Navy und zwei gescheiterte Ehen fasst Beck den Entschluss, endlich als die Frau zu leben, die sie schon immer war: Kristin.

"Ich war Conan und ich war Barbie"

In einem Interview mit der Washington Post sagte Beck zu einem ihrer Bilder aus der Navy-Zeit: "Ich war Conan [der Barbar, Anm. d. Red.] und ich war Barbie. Doch beide Teile machen mich zu dem, was ich bin." Mit ihrem Buch "Warrior Princess: A U.S. Navy SEAL's Journey to Coming out Transgender" trat die Amerikanerin 2013 mit ihrer Transsexualität an die Öffentlichkeit und stieß damit eine Diskussion über die Toleranz für transsexuelles Militärpersonal an. In ihren Memoiren spricht sie über die Erfahrungen mit ihrem Coming-out als Navy-Veteranin. 2014 folgte die CNN-Dokumentation "Lady Valor: The Kristin Beck Story".  

Auch zwei Jahre nach ihrem Coming-out findet Beck noch immer, dass sie aussieht "wie ein Typ in einem Kleid". Dennoch hat sie sich dazu entschlossen, in die Politik zu gehen und für den Kongress im Heimatdistrikt ihrer Mutter zu kandidieren. 

Stolz trägt Kristin Beck die Medaillen aus ihrer Zeit bei der U.S. Navy. 

Stolz trägt Kristin Beck die Medaillen aus ihrer Zeit bei der U.S. Navy. 



"Ich bin keine Transgender-Kandidatin"

Trotz der Medienpräsenz seit ihrem öffentlichen Bekenntnis zur Transsexualität betont Beck immer wieder, dass sie nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung in den Kongress gewählt werden will. Sie sei keine Transgender-Kandidatin, sondern eine Kandidatin, die zufällig transgender ist.

Mit ihrer Kandidatur will Beck frischen Wind in den Kongress des fünften Distrikts von Maryland bringen und mit ihrer Erfahrung als Ex-Navy Seal überzeugen . In ihren Augen liefern Veteranen einen "konkreten Beweis ihrer Hingabe an den Dienst und ihr Land".

Ihre Chancen stehen trotzdem ziemlich schlecht. Sie ist ein "Underdog" unter den Kandidaten. Ihr Name ist kaum bekannt, das Geld knapp, alle ihre Mitarbeiter sind Freiwillige. Nicht einmal die Homosexuellen- und Transgender-Gemeinde steht hinter ihr. 

Fragwürdige Heldin in Unterwäsche

Auch zur jüngst bekennenden Transsexuellen Caitlyn Jenner hat Kristin Beck eine Meinung. Gegenüber "People" beschwerte sie sich über die perfektionierte Inszenierung auf dem "Vanity Fair"-Cover. Die abgebildete Perfektion des Körpers könne Transsexuelle verunsichern und lenke die Diskussion in eine falsche Richtung. Außerdem solle eine Heldin nicht in Unterwäsche posieren, so Beck.

Sollte sie tatsächlich gewählt werden, wäre sie das erste transsexuelle Mitglied im Kongress.

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