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24. Juni 2008, 15:02 Uhr

Der letzte Paparazzo

Es herrscht Krieg in Los Angeles: Paparazzi gegen Shooter. Die neuen Fotojäger haben weder Anstand noch Ehre beim Promi-"Abschuss", sagt Hans Paul. Alles, was zählt, ist der dicke Scheck. Die Paparazzi sterben aus. stern.de traf einen der Letzten ihrer Art. Von Sophie Albers

Auf der Lauer am Strand von Malibu: Paparazzo Hans Paul bei der Arbeit© Hans Paul

Ein eher unscheinbarer Mann mit weißen Haaren und einem dieser Gesichter, die immer zu lachen scheinen, sitzt an einem Tisch am Kopfende des Berliner Promi-Restaurants Borchardt und scannt den Raum. Sein Blick bleibt an der auffälligen Frisur eines Mannes hängen, wischt ein paar Tische weiter zu einer üppigen Blondine. Hans Paul hat sie alle im Sucher, doch sie sehen ihn nicht. Und das muss auch so sein, denn Hans Paul ist ein Paparazzo. Schon in den frühen 80er Jahren hat er es zu seinem Beruf gemacht, berühmte Menschen zu fotografieren, ohne dass sie es bemerken - und das vor allem in privaten und gerne auch entlarvenden Situationen.

Doch auch wenn sich Paul und seine Kollegen deshalb mitunter als "Ratten des Showgeschäfts" beschimpfen lassen müssen, habe es immer so etwas wie Ehre und Anstand in seinem Beruf gegeben, sagt er, das "aus der Hüfte Schießen" sei schließlich eine Kunst.

Doch die Zeiten sind vorbei, da Stars und Paparazzi eine zuweilen sogar zärtliche Hass-Liebe verband. Im Kampf um das beste Bild werden die Prominenten mittlerweile provoziert, angegriffen, damit ihre Reaktion "abgeschossen" und verkauft werden kann. Lindsay Lohan wird angefahren, ein Freund von Cameron Diaz geschlagen. Diese Bilder bringen viel Geld, schließlich ist das Publikum süchtig danach, die Stars aus der sonst unberührbaren Haut fahren zu sehen.

Paul scannt immer noch. Es fällt ihm schwer, konzentriert auf einem Fleck zu denken und zu sitzen. Wie ein Flummi schießt seine Aufmerksamkeit durch den Raum, kehrt zurück und erstattet Bericht, ob "Opfer" da sind. stern.de bleibt hart und stellt all die Fragen, die man einem Paparazzo schon immer mal fragen wollte.

Herr Paul, haben Sie Ihre Kamera immer dabei?

Anders geht's nicht. Das ist wie mit dem Handy, da kann man auch nicht ohne, sonst fühlt man sich nackt.

Darf ich Sie Paparazzo nennen, oder beleidigt Sie das?

Ich bin ein Paparazzo, ich möchte sagen ein "Klassiker", der heimlich fotografiert, aus der Hüfte schießt. Die Frau da vorne könnte ich von hier aus fotografieren, ohne dass sie das merkt.

Könnten Sie mich knipsen, ohne dass ich's merke?

Die Kamera habe ich jetzt nicht dabei.

Wieviele Kameras haben Sie?

Zehn, für jeden Zweck eine. Ob ich im Supermarkt bin, im Restaurant oder ob ich irgendwo im Gebüsch sitze mit einem 500er-Objektiv. Wenn andere Paparazzi da sind, haue ich einen Weitwinkel rein. Die Konkurrenz ist groß.

Und wird immer brutaler, wie man liest.

In Hollywood tobt ein Paparazzi-Krieg. Shooter nennen wir diese Typen, die nicht richtig fotografieren können, die das Paparazzo-Handwerk nie gelernt haben. Die preschen mit der Kamera vor, erschrecken die Stars und drücken ab. Wir sind ziemlich sauer auf diese Leute.

Sind das die, die Lindsay Lohan verfolgt und in einen Unfall verwickelt haben?

Verfolgungsfahrten gab es in Los Angeles schon immer, aber es ist jetzt wirklich schlimm geworden. Täglich sind 50 Paparazzi ausschließlich hinter Britney Spears her. Die stechen sich gegenseitig die Reifen durch.

Nette Arbeitsatmosphäre.

Das sind ziemlich miese Typen. Die meinen, sie könnten mal eben eine Million Dollar verdienen, was nicht mehr der Fall ist. Die Fotopreise sind in den letzten zwei Jahren richtig in den Keller gegangen. Früher bekam ich für ein normales Foto im "People Magazine" 4000 Dollar. Heute kriege ich es nicht mehr exklusiv, und es sind nur noch 250 oder 300 Dollar. Es gibt zu viele Fotografen. Fotos schießen kann heute jeder. Nur so zu fotografieren, dass man es nicht merkt, das ist eben die Kunst, und das kann nicht jeder. Also machen die ihre Bilder dann mit Gewalt.

Stirbt der Beruf des Paparazzo aus?

Der Klassiker, ja. Die Qualität ist Nebensache auf dem Boulevard-Bildermarkt. Entscheidend ist die Aktualität, und das Foto muss was hermachen, damit die Leser die Zeitung kaufen. Die Leute schmeißen alle in einen Topf. Sie können nicht unterscheiden zwischen Shootern und Paparazzi. Das ärgert mich. Wir respektieren die Würde des Menschen. Wenn wir einen Star fotografieren, hat er sich häufig noch bedankt.

Haben Sie im Fall des Todes von Lady Di die Vorwürfe gegen die Paparazzi berührt?

Nein. Wenn jemand vorfährt, entsteht ein gewisser Jagdinstinkt. Das ist genau wie bei den Tieren. Laufe ich vor einem Hund weg, läuft der Hund noch schneller, um an meine Waden ranzukommen. Ich mache auch Verfolgungsfahrten. Aber wenn ich sehe, dass Heidi Klum nach Beverly Hills reinfährt, dann fahre ich langsam hinterher und gucke erstmal, wo sie hin will. Anschließend fahre ich Supermärkte ab. Wenn ich ihren silbernen Range Rover sehe, halte ich an, gehe mit meiner Minikamera rein, fotografiere sie, ohne dass sie es merkt und gehe wieder raus. Die Stars kennen mich einfach alle. Die spielen das Spiel mit und halten mir auch noch die Gurke und Tomaten hin. Wenn ich Pamela Anderson morgens bei Starbucks treffe, und sie sieht wirklich nicht gut aus und will kein Foto, ist das auch in Ordnung.

Das respektieren Sie dann?

Ja, zwischen uns herrscht eine stumme Kommunikation. Dafür habe ich sie in der nächsten Woche am Strand von Malibu getroffen: Sie sieht mich, hat einen weißen Bikini an, die Kinder sind da, ein neuer Freund. Dann geht sie etwas ins Wasser, macht den Bikini nass, dass er transparent wirkt und schaut mich an. Sie wollte fotografiert werden. Dann hat sie auch noch die Kinder herumgewirbelt. Alles exklusiv, eine ganze Szene. Meine Philosophie ist: Wenn ich nett zu den Menschen bin, geben sie mir die Bilder freiwillig.

Das sehen die Shooter eher anders ...

Mit diesen Menschen möchte ich nicht gesehen werden. Die kloppen sich um ein Foto, reißen sich gegenseitig die Blitze von den Kameras. Die Agenten sagen zu denen: "Geht ganz nah ran, mit Super-Weitwinkel, richtig ins Gesicht, dass man jeden Pickel, jede Falte sieht!". Und das machen die auch, viele von denen haben nämlich kein Geld. Die Agenten geben denen einen Leasing-Wagen, Kameras und Handys und schicken sie los. Die sind abhängig von den Agenten, und die beuten sie aus.

Hört sich nach Drückerkolonne an.

Genau so ist das! Die, die das große Geld machen, sind die Agenten. Aber selbst die Agenten knausern jetzt, weil die Preise so schlecht sind. Heute kommen nur noch B- und C-Klasse-Promis raus. Die A-Klasse-Promis verstecken sich oder wandern aus. Die kommen nur noch nach Hollywood, um die Verträge zu unterschreiben und fliegen wieder weg.

[Paul ist wieder im Scan-Modus] Haben Sie mittlerweile jemand Berühmtes entdeckt?

Nein, aber ich kenne auch nicht alle Deutschen.

Der Promi-Jäger von Hollywood Anfang der 80er Jahre war Hans Paul in Deutschland als Enthüllungsjournalist unterwegs. In den 90ern verschlug es ihn nach Amerika, wo er seine Paparazzo-Karriere aufbaute. Von Leonardo DiCaprio bis Tom Cruise hat er sie alle "abgeschossen", doch kehrt Paul auch immer wieder nach Deutschland zurück, um die heimischen Promis in den Sucher zu nehmen. In seinem Buch "Erwischt!" hat aufgeschrieben, wie er zu dem wurde, was er ist.

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KOMMENTARE (3 von 3)
 
mister-mister (25.06.2008, 06:37 Uhr)
@namidh
Genau. Erstaens mal das - und die bunten Käseblättchen im Regal stehen lassen.
.
Aber dazu ist die Leserschaft dieses Mülls wahrscheinlich geistig zu beschränkt..............
namidh (24.06.2008, 09:38 Uhr)
Jetzt gibt es Abstufungen?
Puh, Paparazzis sind also neuerdings Opfer - wuha. Tja, da hilft nur eins: Ehrliche Arbeit ;)
LunaB (24.06.2008, 09:15 Uhr)
Pflummi?
Es heisst immer noch Flummi und nicht Pflummi.... da hat sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen...
Gruss
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