Ratgeber Sexualität

Lust und Liebe ohne Grenzen

Sind Bisexuelle zu beneiden, weil ihnen der gesamte sexuelle Kosmos offen steht? Oder sind sie zu bedauern, weil sie sich einfach nicht entscheiden können? Für beide Annahmen lassen sich Beispiele finden.

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Mancher Theorie zufolge ist jeder Mensch ein bisschen bi©

Prinzipiell ist jeder Mensch bisexuell veranlagt. Das meinte nicht nur Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, sondern auch der Sexualforscher Alfred Kinsey, der Tausende von Amerikanern nach ihren sexuellen Erfahrungen und Vorlieben befragte. Freud glaubte, dass jeder Mensch sich nach einer Phase der Bisexualität üblicherweise entweder für die Homo- oder Heterosexualität entscheidet. Die grundlegende bisexuelle Veranlagung schlummert jedoch im Inneren weiter - und kann gelegentlich auch wieder zutage treten.

Kinsey schockierte die Amerikaner mit dem Ergebnis, dass fast die Hälfte der männlichen Bevölkerung sich sowohl auf heterosexuelle wie auf homosexuelle Aktivitäten einlässt oder auf Vertreter beider Geschlechter reagiert. Von den Frauen fühlte sich immerhin noch mehr als jede vierte im Laufe ihres Lebens auch von Frauen angezogen. Kinsey hatte freilich alle gleichgeschlechtlichen Kontakte mitgezählt. Auch die, die vielleicht nur aus spielerischer Neugier entstanden. Solche Kontakte mit beiden Geschlechtern sind besonders in und kurz nach der Pubertät häufig, wenn Jugendliche noch ihre Sexualität ausprobieren und damit experimentieren. Die meisten gehen später dann doch dazu über, sich zu spezialisieren.

Bisexuell zu sein heißt aber nicht, dass man sich zu beiden Geschlechtern gleich hingezogen fühlt oder dass man grundsätzlich nur Beziehungen zu dritt führt. In der Welt der Bisexuellen sind alle Variationen vertreten: Die Frau, die nach ihrer Beziehung zu einem Mann eine lesbische Partnerschaft eingeht, genauso wie der mit einer Frau verheiratete Mann, der nebenbei immer mal wieder Ausflüge in die schwule Welt macht. Aber auch der schwule Mann, der in einer festen Beziehung lebt und hin und wieder nur erotische Phantasien von Frauen hat, kann sich als bisexuell bezeichnen: Letztlich kommt es darauf an, wie jeder sich selbst sieht und wofür er oder sie sich entscheidet - und das sind dann doch deutlich weniger, als es Kinsey beschrieb: In einer Studie zum Sexualverhalten der Bundesbürger bezeichneten sich nur 3,4 Prozent der Männer und 4,5 Prozent der Frauen als bisexuell. Bei einer Umfrage unter Studenten fühlte sich dagegen ein Drittel der Männer und fast drei Fünftel der Frauen immerhin gelegentlich vom gleichen Geschlecht erotisch angezogen - zumindest in der Fantasie.

 
 
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