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Gefährliche Chemikalie in E-Zigaretten gefunden

Der Dampf aus E-Zigaretten gilt als vermeintlich gesündere Alternative zum Tabakqualm. Doch Forscher haben nun gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe im Dampf entdeckt, unter anderem die Substanz Diacetyl. Sie wird mit der sogenannten "Popcorn-Lunge" in Verbindung gebracht.

  Dampfen statt qualmen: Viele Raucher greifen zur vermeintlich gesünderen E-Zigarette. Doch diese können Chemikalien enthalten.

Dampfen statt qualmen: Viele Raucher greifen zur vermeintlich gesünderen E-Zigarette. Doch diese können Chemikalien enthalten.

Aromatisierte E-Zigaretten und Liquids können den chemischen Stoff Diacetyl enthalten, der die Atemwege schädigt und zu Entzündungen der Bronchien führt. Forscher der Harvard School of Public Health in Boston entdeckten die Substanz in 75 Prozent aller getesteten aromatisierten E-Zigaretten.

Diacetyl ist ein Hauptbestandteil des Butteraromas. Als solcher kommt er in verschiedenen Lebensmitteln, etwa Mikrowellen-Popcorn, zum Einsatz und gilt als sicher. Wird Diacetyl jedoch eingeatmet, kann es schwere Entzündungen und Erkrankungen der Atemwege verursachen. So erkrankten Arbeiter in Popcornfabriken in der Vergangenheit gehäuft an der sogenannten Popcorn-Lunge (Bronchiolitis obliterans). Diese sehr seltene Lungenerkrankung, die mit Atemproblemen einhergeht, ist derzeit nicht heilbar. Oftmals hilft Betroffenen nur eine Lungentransplantation.

Aromatisierter Dampf als Risiko

"Vor über einem Jahrzehnt wurden die Risiken, die mit dem Einatmen von Aromastoffen einhergehen, durch das Phänomen der 'Popcorn-Lunge' bekannt", erklärt Joseph Allen, der leitende Autor der Studie. "Dennoch werden Diacetyl und verwandte chemische Stoffe in vielen anderen Aromen verwendet, etwa Frucht- oder Alkoholaroma, und wie unsere Studie zeigt auch in mit Bonbongeschmack aromatisierten E-Zigaretten."

Das Forscherteam um Joseph Allen untersuchte in ihrer Studie insgesamt 51 aromatisierte E-Zigaretten und Liquids. Dafür analysierten die Wissenschaftler den Dampf jedes einzelnen Geräts. In 39 Zigaretten wiesen sie Diacetyl nach. Ähnliche Aromastoffe wie Acetoin und 2,3-Pentandion fanden sie in 46 beziehungsweise 23 der getesteten Aromen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gibt es Hinweise, dass der Diacetyl-Ersatzstoff 2,3 Pentandion ein ähnlich hohes Gefahrenpotenzial besitzt.

Weitere Forschung nötig

"Da sich die Gesundheitsbedenken bislang meist auf das enthaltene Nikotin bezogen haben, wissen wir wenig über E-Zigaretten", erklärt Co-Autor David Christiani. "Zusätzlich zu Nikotin enthalten sie auch andere krebsauslösende Chemikalien, etwa Formaldehyd, und – wie unsere Studie zeigt – Aromastoffe, die die Lunge schädigen können." Nun sei weitere Forschung nötig, um das tatsächliche Gefahrenpotenzial besser einschätzen zu können.

ikr
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