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Gesundheitsrisiko Zuchtlachs

Zuchtlachse sind erheblich stärker mit Giften belastet als ihre wild lebenden Artgenossen. Vor allem in europäischen Farmen gezüchtete Fische enthalten ein Vielfaches an chlorierten Kohlenwasserstoffen wie Dioxinen o.ä. krebserregenden Substanzen.

Zuchtlachse sind erheblich stärker mit Giften belastet als ihre wild lebenden Artgenossen. Vor allem in europäischen Farmen gezüchtete Fische enthalten ein Vielfaches an chlorierten Kohlenwasserstoffen wie Dioxinen, polychlorierten Biphenylen (PCB) und Hexachlorbenzen (HCB), berichten US-Forscher im Fachjournal "Science".

Ursache sei das Futter aus Fischmehl und -öl, in dem schädliche Substanzen bereits angereichert seien. Dies gelte vor allem für europäische Zuchtfarmen wie in Schottland oder den Färöer-Inseln, aus denen viele europäische Supermarktprodukte stammen. Über die Konsequenzen dieser Analyse streiten Ernährungsexperten.

Zuchtlachs aus europäischen Kühltheken stark belastet

Die Wissenschaftler um Ronald Hites von der Universität von Indiana in Bloomington hatten rund 700 verschiedene Proben analysiert, darunter Lachsfilets aus europäischen und amerikanischen Supermärkten. Bei Farmlachs lag zum Beispiel der durchschnittliche Dioxin-Gehalt elf Mal höher als bei Wildlachs. Zuchtlachs aus europäischen Kühltheken enthielt die höchsten Anteile chlorierter Kohlenwasserstoffe. Eine Probe aus einem Frankfurter Supermarkt war demnach so stark belastet, dass davon nicht mehr als eine halbe Portion pro Monat gegessen werden sollte, empfehlen die Autoren basierend auf Richtlinien der US-Umweltbehörde EPA.

Zu den chlorierten Kohlenwasserstoffen zählen viele der giftigsten Substanzen überhaupt. Sie gelten unter anderem als Auslöser von Krebs, neuronalen Veränderungen und Schädigungen des Immunsystems. Auf Verpackungen müsse deshalb deutlich gekennzeichnet werden, ob das Filet von einem Wild- oder Zuchtlachs stamme, fordern die "Science"-Autoren.

Höheres Krebsrisiko

Wer mehr als ein Mal pro Woche Lachs von Farmen esse, sei möglicherweise einem höheren Krebsrisiko ausgesetzt, folgern die Forscher aus ihrer Untersuchung. Sie riefen die Verbraucher auf, wilden Lachs zu kaufen. Außerdem empfahlen sie den Aufzuchtbetrieben auf soja- und rapshaltiges Fischfutter umzusteigen.

Für andere Experten überwiegen allerdings in jedem Fall die positiven Aspekte des Fischkonsums, etwa der Schutz vor Herzinfarkten. Sie halten die gefundenen Schadstoffmengen für zu gering, um gefährlich zu sein. Die PCB-Werte lägen alle unter dem Grenzwert der US-Lebensmittelbehörde FDA, argumentiert der Toxikologe Charles Santerre von der Purdue-Universität in "Science", der auch die Lachsindustrie berät. Auch die britische Nahrungsmittelaufsichtsbehörde (FSA) erklärte, die Spuren von Dioxin und anderen potenziell Krebs erregenden Umweltgiften lägen unterhalb internationaler Grenzwerte.

Möglichst gering belasteten Zuchtlachs kaufen

"Science" empfiehlt den Verbrauchern, möglichst gering belasteten Zuchtlachs auszusuchen. Der stammt der Untersuchung zufolge aus Chile und dem US-Westküstenstaat Washington, gefolgt von Fischen aus Farmen in Kanada, dem US-Ostküstenstaat Maine und Norwegen. Zuchtlachse aus Schottland und von den Färöer-Inseln waren am stärksten belastet. In Deutschland kommt nach Angaben des Bundesverbands der Fischindustrie der meiste importierte Lachs aus Norwegen.

Lachs gilt als besonders gesunde Fischart, vor allem aufgrund seines hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren und seiner niedrigen Belastung mit Quecksilber. Mehr als die Hälfte des weltweit verkauften Lachses stammt von Farmen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die weltweite Produktion von Zuchtlachsen um das 40fache erhöht. Mehr als eine Million Tonnen Fisch werden von den Farmen jedes Jahr an Restaurantküchen und Supermärkte geliefert. Allein in der Europäischen Union stieg der Lachskonsum zwischen 1987 und 1999 um jährlich 14 Prozent. Wilder Lachs ist etwa drei Mal so teuer wie der aus Aufzuchtbetrieben.

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