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6. August 2009, 18:52 Uhr

Behandlungsfehler sind an der Tagesordnung

Übersehene Laborbefunde, verwechselte Patienten-Akten, falsche Medikamente: Fast jedem dritten Arzt unterlaufen solche Behandlungsfehler regelmäßig. Das hat eine Studie der Stiftung Gesundheit ergeben. Hoffen lassen Qualitätssicherungssysteme, die bald in allen Praxen Pflicht werden.

Stiftung Gesundheit, Behandlungsfehler, Ärzte, Qualitätssicherung

Erschreckende Zahlen: Laut einer Studie unterlaufen jedem dritten Arzt Behandlungsfehler© Thomas Kienzle/AP

Fast jedem dritten Praxisarzt unterlaufen regelmäßig Fehler mit ernsthaften Folgen für die Patienten. In einer aktuellen Studie der Stiftung Gesundheit gaben 23 Prozent der Ärzte an, Fehler passierten einmal pro Monat, sechs Prozent berichteten sogar von Fehlern einmal pro Woche. 36 Prozent der Ärzte offenbarten zudem Fehler mit Patientenschaden einmal im Jahr. Was für Fehler das genau sind, ist unbekannt. Verkehrt eingeordnete Patientenakten wurden von den Ärzten in der Umfrage ebenso als Beispiele angegeben wie übersehene Laborbefunde.

"Immer wieder laufen Dinge durch ungenügende Kooperation und Missverständnisse falsch", erläuterte der Versorgungsforscher Gerd Glaeske. Zu den Hauptproblemen zählten, dass Behandlungen nicht genug dokumentiert werden und Zuständigkeiten unklar sind. Laut der Studie "Qualitätsmanagement in der ärztlichen Praxis 2009" gab nur ein Drittel der Ärzte an, nie Fehler mit Patientenschäden zu machen.

Klar sei, dass sich immer mehr Praxen um besseres Qualitätsmanagement bemühten, sagte der Vorsitzende der unabhängigen Stiftung, Peter Müller. Helfen sollen Systeme der Qualitätssicherung, die nach einer rund fünfjährigen Übergangsphase nun zur Pflicht in den Praxen werden.

Versorgungsforscher Glaeske begrüßte das flächendeckende Bemühen in Arztpraxen um mehr Qualität. "Das halte ich für richtig", sagte das Mitglied im Gesundheits-Sachverständigenrat der Bundesregierung. "Das heißt aber noch nicht, dass die Systeme im Alltag auch genutzt werden." Kontrollen und Sanktionsmöglichkeiten seien nötig.

DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
campanus (07.08.2009, 12:32 Uhr)
Wer fragt die Patienten?
Natürlich ist diese "Studie" ohne Aussagekraft. Es beteiligen sich nur die Ärzte, die bereits für Qualitätssicherung sensibilisiert sind.
Einzig sinnvoller Weg zur QS:
Patienten nach der Behandlung befragen und Datenschutz garantieren:
Was wurde gemacht, war die Diagnose korrekt, war die Behandlung erfolgreich?
Das ist aussagekräftig, beugt Leistungsbetrügereien vor, zeigt auf, wo ein Arzt Schwachstellen hat und dort kann er zu gezielter Nachschulung verpflichtet werden.
Gute Ärzte bekommen einen Bonus, leistungsschwache Abzüge.
Damit wäre ALLEN Beteiligten geholfen und es könnten Milliarden eingespart, die jetzt durch Betrug, Fehlbehandlung und Schlamperei verloren gehen.
Gisella (07.08.2009, 11:12 Uhr)
Na, ja
wenn man dann mitbekommt, dass ein Hausarzt 35 Euro für ein Quartal pro Patient bekommt-ich weiß es nicht. Wer von uns arbeiten. Kein Wunder , dass mein Hausarzt eine Nierenkolik als Blasenentzündung abgetan hat-keine Zeit für richtige Untersuchungen-dafür mußte dann Stunden später der Notarzt gerufen werden.Doppelte Belastungen für die AOK.Alles unbegreiflich.
AxelR. (07.08.2009, 09:24 Uhr)
falscher Ansatz
Diese Qualitätssicherungssysteme sind absolut der falsche Ansatz. Denn sie führen nur dazu, dass der Arzt noch mehr Verwaltung und Bürokram zu erledigen hat. Das bedeutet: noch weniger Zeit für den Patienten. Ausserdem kostet die "Qualitätssicherung" eine Menge Geld, da freut sich eine ganze Industrie drüber wie leicht man doch Geld verdienen kann.
Der Arzt sollte sein Honorar auch je nach Erfolg und Zeit für den Patienten erhalten, dann würde sich automatisch die Spreu vom Weizen trennen.
ganzbaf (07.08.2009, 08:40 Uhr)
Daher sollte auch die Verschreibungspflicht fallen

Warum 10 Euro Eintritt bei (auch) schlechten Docs bezahlen, wenn sich selbst genauso gut/schlecht medikamentieren kann?
.
Ab 18 Jahren kann wohl jeder Erwachsenen, der will, selbt darüber entscheiden ob er sich informiert genug zur Eigenmedikamention fühlt, oder sich doch lieber stundenlang in bakterienverseuchte Wartezimmer setzten mag.
Dieter37 (07.08.2009, 08:11 Uhr)
Schuld daran
trägt die Gesundheitspolitik von Ullala ! Noch nie gab es solch ein Chaos, wie jetzt. Die Auswirkungen belasten Ärzte, wie auch Patienten.
Wildesau34 (07.08.2009, 00:15 Uhr)
Stimmt
Die spektakulären öffentlich bekanntwerdenden Fälle sind nur die Spitze des Eisberges. Praktizierende Ärzte sind "Unternehmer", viele Krankenhäuser Wirtschaftsunternehmen. Für die betriebswirtschaftliche Seite ist ein Patient in erst Linie Kunde und Kostenfaktor. Weiterhin besteht ein grunsätzlicher Wunsch Betriebskosten, vor allem die teueren Personalkosten, zu minimieren. Behandlungsfehler sind ein wirtschaftlicher Schaden durch Imageverlust und mögliche Regressansprüche des Patienten. Daneben der menschl. nachvollziehbare Gedanke eigene Fehler möglichst zu vertuschen. Mangelnde Ausbildung, Personalmangel, menschl. Versagen führen dann eben zu Fehlern, die fast nie zugegeben werden. Lieber mit langjährigen Prozessen den Patienten weich kochen...Mal mit langjährigen Krankenschwestern reden, da wird einem anders.
JumpingJack_2 (06.08.2009, 23:31 Uhr)
Recherchefehler und Journalistenpfusch an der Tagesordnung
Wenn das Sommerloch nicht einmal mehr eine Dienstwagenaffäre bereithält müssen "die Ärzte" wieder herhalten. Die zitierte Studie ist mehr als schwach und nicht einmal eine kleine Meldung wert. Von 208.000 Ärzten,Zahnärzten und Psychotherapeuten wurden 17.500 angeschrieben, von denen 985 geantwortet haben. Selbst der jüngste Volontär müsste mach Lektüre der Studie wissen, dass eine Antwortrate von 5,6% keinerlei Schlussfolgerung zuläßt - schon gar nicht eine solche Schlagzeile.Nicht ungewöhnlich beim Stern - nicht nur im Sommerloch.
zurgat (06.08.2009, 21:08 Uhr)
Nuja stellenweise liegen auch so
dinge wie gewinnerwartung, interne Regelungen und und und vor dem Patienten... Stellenweise bekommt man wenn man 5 amtsärzte bzw medizinprofs nimmt auch gegensätzliche Gutachten (der unterschied liegt bei unheilbar krank und ner krippe -.-), das sin persönliche erfahrungen
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