Startseite

Krebs durch Oralsex - stimmt das?

Fast jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens einmal mit Humanen Papillomviren. Wie werden die Viren übertragen? Und inwieweit erhöhen sie das Risiko einer Krebserkrankung?

Krebs durch HPV? Insgesamt sind mehr als 150 verschiedene HP-Virustypen bekannt, die meisten sind allerdings harmlos

Krebs durch HPV? Insgesamt sind mehr als 150 verschiedene HP-Virustypen bekannt, die meisten sind allerdings harmlos

Krebs durch Oralsex? Ja, das kann passieren - und ist auch seit Langem bekannt. Forscher haben nun in einer neuen Studie bestätigt, dass bestimmte Humane Papillomviren (HPV) das Risiko für Krebs im Mund-Rachenraum erhöhen können.

Humane Papillomviren und Krebs - auf das Thema hatte der Schauspieler Michael Douglas bereits 2013 aufmerksam gemacht, als er HPV in einem Atemzug mit Sex und Krebs nannte und damit für Aufsehen sorgte:  Seine mittlerweile überstandene Krebserkrankung sei durch Oralverkehr ausgelöst worden, sagte der Hollywood-Star damals dem "Guardian". Beim Oralsex habe er sich mit sogenannten HPV infiziert, die den Zungenkrebs verursacht hätten.

Krebs durch Viren - stimmt das?

Tatsächlich können einige der HP-Viren Krebs auslösen. Insgesamt sind mehr als 150 verschiedene Virustypen bekannt, die meisten sind allerdings harmlos. HPV sind weit verbreitet: Die meisten Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit den Erregern, die Zellen der Haut und Schleimhaut befallen. Häufig hat das allerdings keine Auswirkungen, das Immunsystem bekämpft die Erreger erfolgreich. Manche HP-Viren verursachen harmlose Warzen - etwa am Gesicht, an den Händen oder Füßen.

Rund 40 HP-Virustypen kommen hauptsächlich im Genitalbereich vor, manche von ihnen lassen Genitalwarzen entstehen, die zwar unangenehm, aber nicht gefährlich sind. Die risikoreichen Varianten können Zellveränderungen am Muttermund, an den Schamlippen, am Penis oder am After auslösen. Daraus kann sich ein bösartiger Tumor entwickeln, allerdings dauert das Jahre und kommt nur selten vor. Die häufigste Krebserkrankung, die durch HP-Viren hervorgerufen wird, ist Gebärmutterhalskrebs.

Doch längst nicht jede Infektion führt zu Krebs. Laut Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) stecken sich bis zu 80 Prozent der sexuell aktiven Menschen im Lauf des Lebens mindestens einmal mit HPV an. Zumeist heilt die Infektion ab, ein geringer Teil wird chronisch und führt dazu, dass sich Krebsvorstufen und schließlich Tumore entwickeln. So erkrankt dem DKFZ zufolge weniger als eine von hundert Frauen, die mit einem risikoreichen HP-Virustyp infiziert sind, 15 Jahre nach der Infektion an Gebärmutterhalskrebs. Bei Männern führt eine Ansteckung mit HP-Viren noch seltener zu Krebs. Bei ihnen kann es etwa zu einer Tumorerkrankung von Penis oder After kommen.

Wie infiziert man sich?

Übertragen werden HP-Viren hauptsächlich durch sexuelle Kontakte. Die Viren gelangen aus infizierten Zellen über kleinste Verletzungen der Haut oder Schleimhaut in den Körper. Experten gehen davon aus, dass eine Infektion über Blut, Sperma oder Speichel unwahrscheinlich ist. Eine Übertragung beim Oralverkehr ist allerdings möglich: wenn die Mundschleimhaut mit infizierten Stellen in Berührung kommt. Dem Krebsinformationsdienst des DKFZ zufolge werden Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren seit einigen Jahren auf riskante HP-Viren getestet. Der Nachweis falle bei immer mehr Erkrankten positiv aus. Bestimmte Virustypen könnten daher durchaus an der Entstehung von Krebs in Mund, Rachen oder im Kehlkopf beteiligt sein, schlussfolgern die Krebsexperten.

Kommt Krebs im Mund- und Rachenbereich häufig vor?

Nein. Krebserkrankungen im Mund-, Rachen- oder im Kehlkopf sind relativ selten: Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge erkranken jährlich um die 10.000 Männer und 4000 Frauen neu an Krebs in der Mund- und Rachenhöhle. Zum Vergleich: Bei Prostatakrebs, der häufigsten Tumorerkrankung bei Männern, sind es jährlich um die 65.000 Neuerkrankungen. Bei Brustkrebs, der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen, sind es etwa 70.000.

Was sind die größten Risikofaktoren?

Nach wie vor gelten in Europa Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum als größte Risikofaktoren für Krebs in der Mund- und Rachenhöhle.  Rauchen und Trinken erhöhen auch nach einer nicht abheilenden Infektion mit HP-Viren das Risiko, dass sich ein Tumor bildet. In Deutschland gehen dem DKFZ zufolge etwa ein Viertel bis die Hälfte aller Krebserkrankungen im Mund-Rachenraum (dem sogenannten Oropharynx) auf eine Ansteckung mit HPV zurück. Allerdings haben diese Patienten eine bessere Überlebensprognose als Betroffene, in deren Tumor der Erreger nicht gefunden wird. 

Wie schützt man sich?

Der wirksamste Schutz gegen HPV-Infektionen ist der Verzicht auf sexuelle Kontakte. Für die meisten Menschen dürfte das allerdings wenig hilfreich sein. Kondome senken zwar das Ansteckungsrisiko, absolut sicher sind sie allerdings auch nicht, da sie infizierte Hautstellen nicht komplett abdecken. Junge Frauen, die sich noch nicht mit HPV angesteckt haben, können sich dagegen impfen lassen. Die Impfung schützt vor einer Infektion mit bestimmten HPV-Virustypen - und senkt möglicherweise auch das Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.

Wer sich einmal mit HPV infiziert hat, kann sich wieder anstecken. Die Infektion führe nicht zu einer lebenslangen Immunität, heißt es etwa beim RKI. Auch mit demselben Virustyp kann man sich noch einmal infizieren. Das Immunsystem könne sich eine HPV-Infektion nur schlecht "merken", schreibt auch das DKFZ. Selbst die Impfung bietet keinen kompletten Schutz. 

lea
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools