Helfen Diäten gegen Krebs?

29. November 2011, 12:00 Uhr

Konfrontiert mit der Diagnose Krebs suchen viele Patienten nach alternativen Therapien außerhalb der konventionellen Medizin. Angepriesen werden oft alternative Krebsdiäten. Doch wie hilfreich sind diese? Von Edzard Ernst

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Bei unbewiesenen Krebstherapien ist Vorsicht geboten, da sie unter anderem zur Unter- oder Fehlernährung führen können©

Zwischen Ernährung und Krebs bestehen zahlreiche komplexe Zusammenhänge. Wir wissen zum Beispiel, dass Nahrungsmittel wie tierisches Fett oder Alkohol die Entstehung bestimmter Krebsformen fördern und andere, wie Vollwertkost oder grüner Tee, deren Entwicklung bremsen. Das nützt der Vorbeugung, nicht jedoch der Therapie.

Konfrontiert mit der Diagnose Krebs, fragen sich viele Patienten, ob es denn nicht außerhalb der konventionellen Medizin etwas gibt, das ihnen helfen könnte. Auf der Suche nach der Wunderwaffe stoßen sie dann auf diverse Krebsdiäten. Viele davon verbessern angeblich nicht nur die Lebensqualität, sie sollen oft sogar die Krankheit heilen. In diese Rubrik gehören mehr als 15 Ernährungskonzepte wie zum Beispiel die Brandt- und die Breuß-Krebs-Diät, die Makrobiotik, die Kuhl-, Leupold- und Schmidt-Diät.

Wahrlich eine verwirrende Vielfalt! Dennoch scheinen einige verbindende Leitmotive zu existieren. Viele Konzepte sind vegetarisch ausgerichtet, einige basieren auf Rohkost. Häufig sollen "Toxine" vermieden werden; einige Diäten sehen zusätzlich eine Darmreinigung mittels Einläufen vor.

Den Tumor aushungern: unhaltbarer Unsinn

Fragt man sich, auf welche Weise diese Ernährungsformen einen Krebs heilen sollen, stößt man auf eine Reihe von Vorstellungen. Zum Beispiel wird behauptet, dass die Diät den Tumor buchstäblich aushungere. Andere sagen, dass zytotoxische Stoffwechselprodukte die Krankheit abtöteten, oder postulieren, dass das Immunsystem stimuliert und der Krebs auf diese Weise geheilt werde. Diese Konzepte mögen verzweifelt suchenden Patienten einleuchtend -erscheinen. Im Licht einer wissenschaftlichen Analyse stellen sie sich jedoch durch die Bank als unhaltbarer Unsinn heraus.

Aber die Theorie mag ja ruhig falsch oder naiv sein - was zählt, ist die Wirksamkeit. Was also lässt sich dazu aussagen? Hier stoßen selbst gründliche Nachforschungen auf ein ernüchterndes Ergebnis: All diesen alternativen Krebsdiäten ist nämlich gemein, dass kein schlüssiger Beweis für ihre Wirksamkeit vorliegt. Dabei wäre ein solcher Nachweis leicht zu erstellen. Man bräuchte nur eine Gruppe von Patienten mit und eine ohne Diät zu behandeln und sodann das Resultat zu vergleichen. Die Tatsache, dass derartige Studien nicht vorliegen, sollte uns stutzig machen.

Solange solche Untersuchungen fehlen, müssen diese Diäten als unbewiesen eingestuft werden. Unbewiesene Krebstherapien anzupreisen ist jedoch alles andere als verantwortungsvoll. Hinzu kommt, dass einige dieser Konzepte durchaus nicht ungefährlich sind. Sie können zum Beispiel zur Unter- oder Fehlernährung führen, was nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigt, sondern auch die Überlebenszeit deutlich verkürzt. Mein Fazit fällt daher ausgesprochen negativ aus: Hände weg von alternativen Krebsdiäten!

Übernommen aus ... stern Gesund leben Ausgabe 06/2011
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Edzard Ernst leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der Universität Exeter

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