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20. September 2011, 17:51 Uhr

Hilft Weißdorn bei Herzschwäche?

Weißdorn hat ähnlich positive Eigenschaften wie das bekannte, aber selten eingesetzte Herzmittel Digitalis. Der Pflanzenextrakt könnte daher eine gute und weniger riskante Alternative zu anderen Präparaten sein, haben erste Studien ergeben. Von Edzard Ernst

 
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Wen schon normale Tätigkeiten im Alltag erschöpfen, könnte an Herzschwäche leiden und sollte dringend zum Arzt gehenz, sollte schnell ein Arzt aufgesucht werden© Colourbox

Früher dachte man, dass das Herz der Sitz der Seele sei. Heute wissen wir, dass es nur ein Muskel ist. Das ist zwar weniger mysteriös, aber dennoch in vielerlei Hinsicht äußerst beeindruckend. Ein Leben lang pumpt dieser Blut in alle Organe und Gewebe unseres Körpers, jeden Tag rund 100.000 Mal.

Allerdings fällt es dem Herzen im Alter oft zunehmend schwer, diese Leistung zuverlässig zu vollbringen. Denn wie alle Muskeln wird es allmählich schwächer und weniger funktionstüchtig. Seine Kontraktionskraft kann so weit abnehmen, dass seine Pumpfunktion nicht mehr ausreicht. Dann staut sich das Blut vor dem Herzen, und die Peripherie wird unterversorgt. Als Folge treten typischerweise Symptome wie Ödeme, Atemnot, Abgeschlagenheit oder bläulich verfärbte Lippen auf. Ärzte sprechen in solchen Fällen von einer Herzinsuffizienz.

Weißdorn mit wenigen Risiken behaftet

Von alters her ist dieses Leiden eine Domäne der Pflanzenheilkunde. Und so ist das vielleicht berühmteste Herzmittel Digitalis auch pflanzlichen Ursprungs. Da es leicht zu gefährlichen Überdosierungen führt, wird es heute nur noch selten eingesetzt. Weißdorn hat, wie wir schon lange wissen, ähnlich positive Eigenschaften wie Digitalis, ist aber gleichzeitig mit weit weniger Risiken behaftet. Weißdornextrakt besitzt eine Reihe bemerkenswerter pharmakologischer Wirkungen: Er

  • erhöht die Kontraktionskraft des Herzens,
  • reduziert das Risiko von Herzrhythmusstörungen,
  • erweitert die Herzkranzgefäße
  • und verringert den Blutdruck.

Keine Selbstbehandlung bei Herzinsuffizienz!

Trotz dieser potenziell nutzbaren Wirkungen stellt sich die Frage, ob diese Substanz auch eine klinische Wirksamkeit aufweist. Mit anderen Worten: Tragen diese Effekte auch zur Genesung von herzkranken Patienten bei?

Hierzu gibt es speziell bei älteren Menschen, die an milder Herzinsuffizienz leiden, eine stattliche Anzahl von guten klinischen Studien. Wir haben diese Daten vor einigen Jahren einmal zusammengefasst. Es fanden sich 13 Studien, die unseren Ansprüchen genügten. In der Gesamtschau waren ihre Ergebnisse beeindruckend: Sowohl die objektiven Zeichen wie auch die subjektiven Beschwerden einer milden Herzinsuffizienz lassen sich durch die regelmäßige Einnahme eines Weißdornextrakts guter Qualität bedeutend verbessern. Und mehr noch: Bei richtigem Einsatz solcher Präparate sind ernste Nebenwirkungen nicht zu erwarten.

Trotz dieses positiven Gesamtbilds muss ich zum Schluss aber noch einmal warnen: Herzinsuffizienz ist eine ernste Erkrankung, die sich nicht zur Selbstbehandlung eignet. Falls Sie also Symptome haben, die auf diese Krankheit hinweisen, sollten Sie nicht versuchen, an sich selbst herumzudoktern. Gehen Sie stattdessen schleunigst zum Arzt, der für Herzinsuffizienz über eine breite Palette von Behandlungsmöglichkeiten verfügt und die für Sie beste Therapie auswählen wird.

Übernommen aus ... stern Gesund leben stern Gesund leben
Ausgabe 05/2011
zum Heft

Von Edzard Ernst
 
 
Ratgeber Alternativmedizin

Edzard Ernst leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der Universität Exeter

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