Ratgeber Sexualität

Das Spiel mit der Macht

Viele Männer und Frauen pflegen schlagende Verbindungen und fesselnde Leidenschaften - und sind glücklich damit. Die Neigung zu sexuellen Macht- und Gewaltinszenierungen gilt zwar bei Sexualmedizinern offiziell noch immer als Abweichung. Viele Forscher aber halten einvernehmliche sadomasochistische Vergnügungen inzwischen für normal.

Sadomasochismus, Sex, Sadomaso, BDSM

Die meisten Mitglieder von SM-Clubs gehören der oberen Mittelschicht an©

Die SM-Szene ist nicht gerade klein. Wer sich einmal durchs Internet klickt, wird feststellen, dass es rund um den Globus jede Menge sadomasochistische Netzwerke gibt: Clubs und Foren, Freundeskreise und eingetragene Vereine, Stammtische, die mitunter eine lange Tradition haben. Auch in zahlreichen heterosexuellen und homosexuellen Zweierbeziehungen gehören schlagfertige und fesselnde Lustspiele zum erotischen Alltag.

Da diese Neigungen in der Öffentlichkeit vielfach immer noch als bizarr oder gar bedenklich gelten, ziehen sich Menschen mit sadistischen und masochistischen Vorlieben gern in die bestehende Subkultur zurück - aus Angst vor Ausgrenzung. Dabei zeigen Studien, dass konsensuelle, also einvernehmliche S/M-Beziehungen oft geprägt sind von besonderer Intimität und wechselseitigem Vertrauen.

Sadomasochismus, kurz SM, ist im allgemeinen Verständnis das sexuelle Verlangen, einer anderen Person Schmerzen zuzufügen und/oder sie zu demütigen beziehungsweise Schmerzen und Demütigungen durch eine andere Person zu ertragen. Das ist natürlich arg vereinfacht, denn in Wahrheit geht es hier um ganz unterschiedliche Neigungen, die neuerdings meist unter der Bezeichnung BDSM zusammengefasst werden.

Absolutes Gebot: Alles ist einvernehmlich!

Das aus dem Amerikanischen stammende Kürzel BDSM steht für einen ganze Reihe von Begriffen: für "Bondage & Discipline", also Fesselspiele und Züchtigung; für "Dominance & Submission", also Beherrschung und Unterwerfung; für "Sadism & Masochism", also Sadismus und Masochismus. Unbedingt gehören für die Beteiligten drei Eigenschaften dazu: "safe, sane and consensual", das heißt sicher, bei klarem Verstand und einvernehmlich. Nicht-einvernehmlicher Sadomasochismus ist ein gewalttätiger Angriff auf eine andere Person; er wird innerhalb der Szene generell abgelehnt.

Die Begriffe Sadismus und Masochismus - und viele der damit verbundenen Vorurteile und Vorbehalte - stammen aus dem 19. Jahrhundert. Damals beschrieb der Nervenarzt Richard von Krafft-Ebing Sadismus als Lust an aktiver Grausamkeit. Masochismus war für ihn Lust an erduldeter Grausamkeit. Bis heute wird in Fachbüchern, in denen seelische Erkrankungen für die therapeutische Praxis beschrieben werden, nicht unterschieden, ob die sexuelle Begegnung einvernehmlich ist oder nicht. Viele Forscher fordern inzwischen diese Differenzierung ein; sie sehen konsensuellen Sadomasochismus nicht als Störung an, sondern als erotische Spielart.

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