. .

stern Investigativ | Geheimdienste

Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. Januar 2007, 09:27 Uhr

Geheimunterlagen widerlegen Steinmeier

Die Amerikaner hielten Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz für harmlos und wollten ihn schon 2002 nach Deutschland schicken. Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD), damals im Kanzleramt, bestreitet ein solches Angebot.

Das amerikanische Angebot, den Bremer Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz schon im Jahr 2002 freizulassen, ist in geheimen Akten belegt, berichtet das Hamburger Magazin stern in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Dokumenten zufolge, die dem stern vorliegen, beschwerte sich der Leiter der US-Nachrichtendienste in München im November 2002 bei einem hochrangigen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), dass die Deutschen Kurnaz die Rückkehr in die Bundesrepublik verweigerten. !Im Fall Kurnaz hätte eine andere Entscheidung im Interesse der USA gelegen", schreibt daraufhin der BND-Mann an den damaligen Präsidenten seines Amtes, August Hanning.

Kurz zuvor hatten zwei BND-Mitarbeiter Kurnaz auf Guantanamo verhört. Noch während ihrer Rückreise, so der stern, teilten sie ihren Vorgesetzten mit, die USA sähen "die Unschuld von Kurnaz als erwiesen" an und wollten ihn "in sechs bis acht Wochen" entlassen. Dieses war auch Thema der sogenannten Präsidentenrunde der deutschen Sicherheitsbehörden am 29. Oktober 2002 unter Leitung des damaligen Kanzleramtschefs Frank-Walter Steinmeier. Steinmeier hatte am Dienstag behauptet, er kenne ein solches Angebot an die Deutschen nicht. Während der Runde im Kanzleramt wurde auch beschlossen, Kurnaz die Einreise zu verbieten.

Zu dieser Zeit suchten die deutschen Behörden nach Beweisen für Verbindungen des Bremers zum Terrornetzwerk al-Qaeda. Bei einem Verhör in Damaskus fragten BND-Beamte am 21. November 2002 den Deutsch-Syrer Mohammed Haider Zammar, einen Freund der Hamburger Todespiloten, nach einem Türken in Bremen. "Kennen Sie einen namens Seltschuk?" Nach Unterlagen, die dem stern vorliegen, antwortete Zammar: "Vielleicht." Dann erwähnte er einen zweiten Türken, den er als "mittelgroß, kräftig und von nordeuropäischem Aussehen" beschrieb. Ein BND-Beamter notierte: "Vielleicht Kournaz?" Das Bundeskriminalamt (BKA), ebenfalls an den Verhören in Damaskus beteiligt, kam dagegen zu dem Schluss: "Eine weitergehende Verbindung des Kurnaz zu Zammar" sei nicht bekannt. Dies geht aus einem BKA-Vermerk vor, so der stern.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 05/2007

 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
US-Gefangene in Afghanistan vor deutschen Spezialkräften misshandelt KSK: "Das war einfach schäbig"

stern-Recherchen widerlegen Zweifel an den Aussagen von Ex-Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz über Misshandlungen amerikanischer Gefangener und die Rolle deutscher Kommandosoldaten in Afghanistan mehr...

Kurnaz-Affäre Steinmeier behinderte Freilassungsbemühungen

Kanzleramt und Bundesinnenministerium hintertrieben die Bemühungen des Auswärtige Amts, Murat Kurnaz aus Guantanamo freizubekommen. Dokumente, die dem stern vorliegen, zeigen: Das Kanzleramt ließ die Diplomaten im Dunkeln über die Aktivitäten von Innenministerium und Geheimdiensten. mehr...

Interview mit Murat Kurnaz "Wenn ich Nein sagte, schlugen sie zu"

Mehr als vier Jahre wurde der Türke aus Bremen im US-Gefangenenlager Guantanámo festgehalten - selbst als längst klar war, dass er mit Terrorismus nichts zu tun hatte. Im stern spricht Murat Kurnaz erstmals über seine Zeit dort, über Isolationshaft, Folter, Demütigung und Angst. mehr...