"Wenn ich sauer bin, hole ich mir das Geld. Aber ich drohe nie"

13. Januar 2011, 11:56 Uhr

Er ist Spieler, seit er 16 ist. Wegen Drogenhandels muss er später in den Knast. Nach der Entlassung befasst er sich mit Fußball. Und wettet. In großem Stil. Seit vergangener Woche ist Paul Rooij in Deutschland bekannt: Da enttarnte ihn der frühere St.-Pauli-Profi René Schnitzler im stern als Schlüsselfigur des Bundesliga-Wettskandals. Was sagt der Pate selbst dazu? Interview: Oliver Schröm und Wigbert Löer

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In Europa sollen bereits in mindestens 24 Ländern Fußballspiele manipuliert worden sein. Um welche Ligen es sich handelt, wurde nicht bekannt©

Flughafen Amsterdam, das Sheraton, ein Restaurant mit hohen Decken, Paul Rooij spricht ausgezeichnetes Deutsch. "Ich hatte gute Lehrer", sagt er und spielt auf seine Zeit in deutschen Gefängnissen an. Vergangene Woche behauptete der frühere St.-Pauli-Fußballprofi René Schnitzler im stern, er habe von Rooij knapp 100.000 Euro bekommen, um Spiele zu manipulieren.

Nach Erkenntnissen deutscher Strafverfolger ist der Niederländer eine Schlüsselfigur im internationalen Wettskandal, der Mann, der von Holland aus mit Millionen jongliert. Rooij fühlt sich in seiner Heimat sicher. Denn Hollands Justiz zeigt bislang wenig Interesse am größten Wettbetrug im europäischen Fußball - zum Ärger der deutschen Ermittler.

Paul Rooij ist lang und dünn, die letzten Haare am Hinterkopf hat er abrasiert. An seinem linken Handgelenk trägt er eine teure Uhr von Breguet. "Jetzt können Sie schreiben, der Pate hat viel Geld", sagt er. "Ich hab überlegt, die Uhr abzunehmen. Aber wir sind nicht im Kindergarten." Das stimmt. Es geht um Betrug und die Käuflichkeit von Fußballstars.

Und darum, wie glaubwürdig der Fußball noch ist.

Herr Rooij, Samstagnachmittag 16.30 Uhr, welche Fußballwetten haben Sie gerade am Laufen?
Gar keine.

Warum gar keine?
Vor ein paar Monaten habe ich aufgehört damit. In der Wettszene ist zu viel Unruhe.

Seit einige mutmaßliche Wettbetrüger in Deutschland in Untersuchungshaft sitzen?
Es gibt zu viele Personen, die nicht zuverlässig sind. Und die zu hohe Schulden haben. In der Fußball-Wettszene steckt nicht mehr sehr viel Geld.

Über Sie ist bislang wenig bekannt. Man kennt Sie in Deutschland erst, seit der FußballprofiRené Schnitzler im stern schilderte, wie Sie ihm viel Geld gaben, um Zweitliga-Spiele zu manipulieren.
Und das glauben Sie ihm?

Warum sollte René Schnitzler sich mit einer falschen Aussage selbst belasten?
Mit dieser Frage muss ich mich wohl beschäftigen. Ich habe Schnitzler kein Geld gegeben. Ich habe niemals ein Spiel verschoben.

Er hat bei mir gewettet wie all die anderen. Schnitzler hat sogar 30.000 Euro Schulden bei mir. Das sind alles verzockte Hunde.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 03/2011

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